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Hintergründe der Schlafparalyse

Für Menschen, die sie erleben, ist die Schlafparalyse ein starkes Gefühl der Machtlosigkeit: Man ist wach, aber man kann sich trotzdem nicht bewegen. Volle Kanne erklärt, wie sie behandelt werden kann.

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5 min
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13.03.2020
Video verfügbar bis 13.03.2021

Wenn wir schlafen, gibt es Phasen im Schlaf (REM-Phasen), in denen wir oft intensiv träumen. Um zu verhindern, dass wir unsere Träume ausleben (z.B. aufstehen, uns bewegen, möglicherweise verletzen) hat der Körper eine Art Schutzmechanismus eingerichtet. In diesen Phasen des Schlafs sind wir quasi bewegungsunfähig unterhalb der Augen: Eine vorübergehende Lähmung der Muskulatur unter anderem von Händen, Beinen, Fingern und Zehen. Unter verschiedenen Umständen können Menschen diesen Zustand (praktisch "zu früh") im wachen Zustand bewusst erleben. In der Schlafmedizin spricht man von einer Schlafparalyse oder auch Schlaflähmung. Dieser Zustand kann bis zu einer Minute andauern, bevor sich Betroffe langsam wieder bewegen können.

Ursachen und Symptome

Für das bewusste Erleben einer solchen Lähmung im Schlaf kommen viele unterschiedliche Ursachen in Frage: Genetisch bedingte Veranlagung, hoher Alkohol- oder Drogenkonsum und auch ein gestörtes Schlafverhalten. Oft sind junge Menschen betroffen, die unter großem Stress stehen. Außerdem tritt die Schlafparalyse oft als Begleiterscheinung von anderen Schlafstörungen wie Ein- oder Durchschlafstörungen, einem sehr leichten Schlaf oder zum Beispiel auch der Narkolepsie auf. Eine Schlafparalyse kann auch von Halluzinationen oder Albträumen begleitet sein. Beides ist aber nicht zwingend eine Begleiterscheinung des Phänomens.

Betroffene erleben im wachen Zustand mit geöffneten Augen eine zwischenzeitliche Lähmung ihrer Körpermuskulatur. Sie sind in diesem Zustand unfähig, Arme oder Beine zu bewegen und auch zu sprechen. Oft ist das Ende dieser Phase begleitet von einem Kribbeln in Armen und Beinen. Viele Betroffene erleben diesen Zustand begleitet von Ängsten oder einer Art Ohnmacht. In der Folge sind sie häufig aufgelöst oder verwirrt und müssen sich erstmal sammeln. Aus der körperlichen Schutzfunktion heraus kann also eine belastende Situation für die Psyche entstehen.

Diagnostik

Fast 30 Prozent der Bevölkerung sind einmalig von einer bewusst empfundenen Schlaflähmung betroffen. Wer aber mehrmals unter den Symptomen einer Schlafparalyse leidet, sollte sich am Besten in einem Zentrum für Schlafmedizin untersuchen lassen. Es geht dabei darum, Strategien zu entwickeln, die Schlafqualität zu verbessern und ein weiteres Auftreten möglichst unwahrscheinlich zu machen. Am Anfang steht in der Regel ein ausführliches Gespräch, die Anamnese, um möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen.

Darüber hinaus sind Untersuchungen im Schlaflabor sehr wichtig für die Diagnostik von Ärzten oder Psychologen. Dabei wird der Patient umfangreich verkabelt, um Gehirnströme, Augenbewegungen und die Muskelspannung in verschiedenen Schlafphasen zu messen. Oft ist die erste Untersuchung aufgrund der ungewohnten Schlafsituation noch nicht aussagekräftig. Von den Krankenkassen werden heute in der Regel zwei nächtliche Untersuchungen im Schlaflabor übernommen. Besonders aufschlussreich ist die Beobachtung der REM-Schlaf-Phasen.

Therapie und Selbsthilfe

Sollten begleitend andere Schlafstörungen auftreten, ist es wichtig, diese gezielt zu behandeln. Darüber hinaus ist der Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum oder Drogen sehr wichtig. Ängste im Zusammenhang mit einer Schlafparalyse oder als Folge dieser empfundenen Lähmung können mit verschiedenen Anti-Depressiva behandelt werden. Aufgrund der zahlreichen möglichen Nebenwirkungen empfehlen Experten meist aber zunächst eine Therapie ohne Medikamente. Schlafmittel werden bei Schlafparalysen eher selten empfohlen. Pflanzliche Präparate oder Produkte, die den Hormon-Haushalt von Melatonin und Serotonin regulieren, können eine Option sein. Meist wird von Schlafmedizinern eine Verhaltenstherapie empfohlen, mit einem besonderen Blick auf das Schlafverhalten.

Betroffene sollten besonders auf ihren Tag-Nacht-Rhythmus achten und erst dann zu Bett gehen, wenn sie richtig schläfrig sind. Wer nicht schlafen kann, sollte im Umkehrschluss auch nicht wach im Bett liegen. Ein Schlaftagebuch oder Protokoll kann hilfreich sein. Neben Alkohol und Drogen sind auch grelle Lichter sowie Handys im Schlafzimmer und spätes schweres Essen zu vermeiden. Sport oder auch Yoga können die abendliche Schlafqualität verbessern. Darüber hinaus ist es immer gut zu wissen, dass Familienangehörige oder Freunde im Notfall auch nachts zur Beruhigung erreichbar sind.

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