Leistenbruch bei Kindern

Warnzeichen erkennen und schnell operieren

Verbraucher | Volle Kanne - Leistenbruch bei Kindern

Kinder mit einem Leistenbruch haben meist erst Schmerzen, wenn bereits wichtige Organe eingeklemmt sind. Wie können Warnzeichen erkannt werden und wann benötigt man ärztliche Hilfe?

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.06.2017, 10:05

Im Gegensatz zu Erwachsenen ist ein Leistenbruch bei Kindern angeboren. Vor allem Jungen und Frühgeborene kommen mit offenem Leistenkanal zur Welt. Ärzte raten bei einem Leistenbruch immer zu einer zeitnahen Operation. Eine schnelle Diagnose und Behandlung sind wichtig, damit es nicht zu Komplikationen kommt.

Leistenbruch-Operationen sind die häufigsten Operationen in Deutschland. Bei Erwachsenen ist der Leistenbruch in der Regel erworben: Die Leistengegend muss ziemlich viel Druck aushalten und wenn das Bindegewebe irgendwann schwach wird, können Schichten der Bauchwand (das Bauchfell) sowie Fettgewebe und Teile des Darms den Leistenkanal durchbrechen.

Dagegen ist der Leistenbruch bei Kindern angeboren. Das heißt zum Zeitpunkt der Geburt war die Leiste nicht richtig verschlossen. In den meisten Fällen macht sich diese Lücke schon im ersten Lebensjahr bemerkbar. Dies ist durch eine Schwellung oder Auswölbung in der Leistenregion zu erkennen. Betroffen sind circa drei Prozent aller Kinder. Ärzte raten bei einem Leistenbruch immer zu einer zeitnahen Operation.

Wie kommt es zum Leistenbruch?

Während der fetalen Entwicklung wird der Leistenkanal vom Bauchfell ausgekleidet. Bis zum Zeitpunkt der Geburt verklebt das Bauchfell normalerweise so, dass der Zugang zum Leistenkanal verschlossen ist. Geschieht dies bis zur Geburt nicht vollständig, bleibt eine Lücke. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen, weil bei männlichen Föten die Hoden durch den Leistenkanal in den Genitalbereich wandern, was ein ausreichendes Verkleben bis zur Geburt erschweren kann.

Durch die Lücke kann sich auch Darmgewebe schieben. Dadurch kann der Darm eingeklemmt werden, was zum Absterben des betroffenen Darmabschnitts führen kann, da dieser nicht mehr ausreichend durchblutet wird. "Beim Baby ist der Kanal so eng, dass es schneller zu einer Einklemmungssituation kommen kann. Und damit kann eine lebensbedrohliche Situation entstehen", so Kinderchirurg Fritz Kahl. Je kleiner betroffene Kinder sind, desto größer ist das Risiko.

Wie erkennt man den Leistenbruch?

Ein Leistenbruch ist an einer Wölbung der Haut in der Leistengegend zu erkennen. Eltern fällt dies meist beim Wickeln oder beim Baden des Kindes auf. Oft zeigt sich die Wölbung nur vorübergehend, zum Beispiel wenn sich ein Kind gerade anstrengt oder weint, und verschwindet danach wieder. Eltern sollten aber trotzdem einen Arzt aufsuchen und ihn darauf ansprechen. Da die Schwellung vielleicht gerade dann nicht sichtbar ist, kann es hilfreich sein, zuvor ein Foto davon zu machen.

Ein Leistenbruch bereitet Kindern zunächst keine oder nur geringe Schmerzen. Das kann sich allerdings ändern, wenn Teile des Darms einklemmen. Eine Rötung des Bruchs sowie Unruhe, Fieber, Weinen und Erbrechen sind Warnzeichen. Eltern sollten dann keine Zeit verlieren und direkt zum Arzt gehen.

Ärzte untersuchen die Leistenregion und tasten sie ab. Die Schilderungen der Eltern sind für die Diagnose besonders dann wichtig, wenn die Wölbung gerade nicht sichtbar ist. Ärzte können eine Schwellung auch vorsichtig zurückdrücken, um vorübergehend zu verhindern, dass Teile des Darms einklemmen. Der Arzt achtet auch auf mögliche Anzeichen einer Schwellung auf der anderen Leistenseite. In einigen Fällen wird noch ein Ultraschall gemacht, um die Diagnose zu sichern.

Operation in spätestens einem Monat

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Leistenkanal nach der Geburt noch von alleine schließt, ist minimal. Das Risiko eines eingeklemmten Darms ist dagegen groß. Um dem Kind Schmerzen zu ersparen und lebensgefährliche Situationen zu verhindern, raten Ärzte bei einem Leistenbruch deshalb immer zu einer Operation in spätestens einem Monat. Bei Notfällen ist eine sofortige Operation unumgänglich. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten und ist Routine. Ab dem dritten bis sechsten Monat erfolgt die Operation häufig ohne Vollnarkose und ambulant.

Kinderärzte machen meistens einen kleinen Hautschnitt, um sich Zugang zu verschaffen. Der Bruchsack wird dann vorsichtig zurückgedrückt und der Leistenkanal zugenäht. Die gegenüberliegende Leistenseite wird in Deutschland nur dann operativ versorgt, wenn Hinweise vorliegen, dass auch dort der Kanal geöffnet ist. Komplikationen wie zum Beispiel Verletzungen von Blutgefäßen oder Samenleitern oder Wundinfektionen sind sehr selten.

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