Schuppenflechte beim Kind

Nicht heilbar, aber gut zu therapieren

Verbraucher | Volle Kanne - Schuppenflechte beim Kind

In Deutschland leiden rund 500.000 Kinder und Jugendliche unter Schuppenflechte. Die chronische Hautkrankheit, bei der die körpereigene Immunabwehr verrückt spielt, ist vor allem seelisch belastend.

Beitragslänge:
5 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.10.2017, 14:00

Schuppenflechte ist eine Hauterkrankung, bei der sich die Haut der Betroffenen circa siebenmal schneller als bei gesunden Menschen erneuert - also bereits alle sechs bis sieben Tage. Die Hautzellen vermehren sich so übermäßig, dass dadurch die Haut dicker wird und schuppt. Die Krankheit ist sehr belastend für die Betroffenen – auch für Kinder.

Schuppenflechte, medizinisch auch Psoriasis genannt, ist nicht ansteckend. Trotzdem treffen Betroffene oft auf Unverständnis und werden ausgegrenzt. Dadurch verstärkt sich der psychische Druck und Stressfaktor mehr und mehr, was die Psoriasis verschlimmern kann. Besonders Kinder leiden unter der Ausgrenzung und dem Unverständnis.

Wenn Kinder betroffen sind

Die kindliche Psoriasis hat eine Reihe von Besonderheiten - sowohl im Erscheinungsbild als auch in der Therapie. Sie ist häufig mit bakteriellen oder auch viralen Infektionen der oberen Luftwege verknüpft. Eine Spontanheilung, also das unerwartete Abklingen der Symptome ohne therapeutische oder medikamentöse Maßnahmen, tritt bei Kindern nur bei etwa 35 Prozent ein.

Häufig fängt die Schuppenflechte bei Kindern sehr plötzlich an und zeigt sich anfänglich oft auch im Gesicht (bei ungefähr 40 Prozent der Kinder). Die betroffenen Stellen, sogenannte Herde an Armen, Beinen, Brust und Rücken sind zwar deutlich gerötet, schuppen aber zumeist nur leicht.

Woran erkennt man Psoriasis?

Die Schuppenflechte hat bei Kindern und Erwachsenen viele Erscheinungsformen, bei sehr kleinen Kindern kann sie beispielsweise im Windelbereich auftreten. Am häufigsten (in etwa 80 Prozent der Fälle) kommt die sogenannte Psoriasis vulgaris vor, bei der sich Schuppungen auf gerötetem Grund an typischen Stellen wie den Streckseiten der Arme und Beine, Kopfhaut oder Rücken finden. Kinder leiden sehr häufig an einer Schuppenflechte auf der Kopfhaut.

Zunächst sieht man bei dieser Form am ganzen Körper kleine Stellen, die betroffen sind, häufig begleitet von Juckreiz. Die betroffenen Stellen sind stark gerötet und schuppen zunächst noch wenig. Bei 80 bis 90 Prozent aller Menschen mit Psoriasis vulgaris vergrößern sich im Lauf der Zeit diese Herde an den verschiedenen Körperstellen sehr langsam und kontinuierlich und fließen zusammen. Die Herde entwickeln sehr dicke, fest haftende, gelblich bis silbrig glänzende Schuppen und können sehr groß werden.

Schuppenflechten-Herde am Kopf

Bei mehr als 70 Prozent der Patienten sind auch betroffene Stellen auf dem behaarten Kopf vorhanden. Sie können lokal begrenzt oder großflächig auftreten und überschreiten typischerweise den Haaransatz. Die Herde sind stark schuppend und entzündlich gerötet.
Zusätzlich zur Psoriasis leiden Betroffene häufig unter Haarausfall, der sich in der Regel nach erfolgreicher Behandlung aber wieder zurückbildet. Juckreiz ist fast immer vorhanden.

Kinder erkranken am häufigsten an der Psoriasis guttata, bei der häufig nach einer Infektion über den Körper verteilt ein bis zwei Zentimeter große Stellen von den Hautveränderungen betroffen sind.

Diagnose

Der Arzt stellt die Diagnose in der Regel nach einer gründlichen Untersuchung der Haut. Dabei helfen ihm manchmal bestimmte Merkmale, die typisch für eine Schuppenflechte sind: Kratzt er eine Schuppe vorsichtig ab, verbleibt darunter zunächst ein dünnes Häutchen ("letztes Häutchen"). Löst er auch dieses, blutet die Stelle leicht und punktförmig ("blutiger Tau" oder "Auspitz-Phänomen").

Um andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen auszuschließen (zum Beispiel Ekzeme, Pilzinfektionen oder Neurodermitis), führt er ebenfalls Blutuntersuchungen und Abstriche durch und entnimmt gegebenenfalls Gewebeproben.

Symptome behandeln

Schuppenflechte ist nicht heilbar. Durch eine individuell geeinigte Therapie kann aber eine deutliche Besserung der Symptome erreicht werden. Gemeinsam mit dem Arzt sollten Kinder und Eltern entscheiden, welche Therapie die individuell richtige ist. Dabei sollten vor allem Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und der persönliche Nutzen abgewogen werden.

Wichtig ist dabei die gemeinsame Festlegung der angestrebten Ziele der Behandlung. Kinder sollten sich besonders mit der täglichen Pflege der Haut auseinandersetzen, um die Symptome gut in den Griff zu bekommen.

Alternativen zur klassischen Therapie

Neben äußerlichen und innerlichen Therapiemöglichkeiten gibt es auch Licht- und Klimatherapien, die Basistherapie und psychosomatische Behandlungen. Bei der Psoriasis der Kopfhaut dient die Anwendung von Shampoos mit Schuppen lösender Wirkung als Basis. Dafür eignen sich auch Shampoos aus der Drogerie.

Bei sehr starken, festsitzenden Schuppen kann eine Vorbehandlung mit auswaschbaren, emulgierenden Cremes oder Lösungen mit Salizylsäure oder Ölen erfolgen. Lösungen mit Kortikoiden (möglichst ohne Alkohol) oder Schäume stellen die wirksamste Therapie dar. Gerade bei Juckreiz sind Kortikoide besonders effektiv. Patienten berichten auch von guten Erfahrungen mit UV-Lichtkämmen. Vor deren Verwendung müssen allerdings die Schuppen beseitigt sein.

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