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Stammzelltherapie bei MS

Mit alternativen Therapien bei unheilbaren Krankheiten ist ein kritischer Umgang geboten. Eine Stammzelltherapie allerdings könnte vielleicht vielen MS-Patienten in Deutschland helfen - an der Uniklinik Hamburg ist sie das Mittel der Wahl.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.05.2020

Am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf wird die Stammzelltherapie im Rahmen von Heilversuchen zur Behandlung von Multipler Sklerose (kurz: MS) durchgeführt. Im Gegensatz zur medikamentösen Behandlung stellt die Stammzellentherapie eine eher radikale Maßnahme dar, die von starken Nebenwirkungen begleitet wird.

Deswegen sei sie auch nicht für jeden geeignet, sondern nur für solche Patienten, die eine hohe Krankheitsaktivität haben und deren Krankheit sich nicht durch normale Medikamente kontrollieren lässt, so Dr. Christoph Heesen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Auch wenn sie nicht für jeden geeignet ist und MS eine Krankheit mit sehr unterschiedlicher Ausprägung und Verlauf ist, ist sie für Dr. Heesen zum Mittel der Wahl geworden:

Meine Haltung ist - und das gilt für das gesamte Team in der Neurologie - dass, wenn wir selbst eine hochaktive MS hätten oder jemand aus der Familie, wir eine Transplantation eher als eine der zugelassenen Therapien anstreben würden."
Dr. Christoph Heesen, Leiter der MS-Ambulanz am UKE

Wie funktioniert die Therapie?

Stammzellentherapie bei MS
Belastend für den Körper, aber Voraussetzung für die Stammzellentherapie: die Chemotherapie
Quelle: SRF

Bei der Therapie geht es um die Blutstammzellen. Im Knochen bilden sich aus ihnen die Abwehrzellen, darunter auch jene, die im Gehirn die Nervenhüllen angreifen und MS verursachen.
Für die Stammzelltherapie werden aus dem Blut zuerst eigene Stammzellen entnommen und für später eingefroren.

Dann erfolgt eine Chemotherapie: Die aggressiven Wirkstoffe zerstören weitgehend das Immunsystem, also Abwehrzellen und auch Stammzellen. Der Körper ist jetzt sehr anfällig für Infektionen.
Anschließend kommt der letzte Schritt. Die zuvor entnommenen Stammzellen werden wieder in die Blutbahn gebracht, sie wandern in die Knochen und bauen dort das Immunsystem neu auf.

Die neuen Abwehrzellen, die dabei entstehen, greifen die Nerven nicht mehr an. Die MS kann so vorerst gestoppt werden.

Ein umstrittener Therapieansatz

In der Schweiz waren bisherige Behandlungen dieser Art so erfolgreich, dass die Stammzellentherapie bei MS in den Leistungskatalog der Schweizer Krankenkassen aufgenommen wurde. So auch in Schweden und Großbritannien.
Allerdings ist die Stammzellentherapie bei MS unter Ärzten in Deutschland noch umstritten. Dr. Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München, sieht den Einsatz kritisch.

Uns fehlen [...] Studien, um zu sagen, wie wirksam die Stammzelltransplantation ist. Dass sie wirklich eine Heilung ist, glaube ich nicht. Wie wirksam ist sie im Vergleich zu den anderen Therapien, die wir haben? Und kann sie auch langfristig die Erkrankung heilen? Das sind offene Fragen“.
Dr. Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München

#sichtbarwerden als Motto des Welt-MS-Tags

Der Welt-MS-Tag findet jährlich am 30. Mai statt. Dieses Jahr steht er unter dem Motto #sichtbarwerden. Das Motto spielt auf die weitestgehend unsichtbaren Symptome an, unter denen MS-Patienten leiden und dadurch oftmals von ihrem Umfeld nicht ausreichend ernst genommen werden.

Volle Kanne berichtete letztes Jahr über eine Patientin, die an MS erkrankt ist und sich in dem Film trotz ihrer Krankheit optimistisch zeigte. Dies hatte zur Folge, dass sie auf sozialen Netzwerken diskreditiert wurde - Nutzer urteilten, sie übertreibe sicher, da es ihr ja scheinbar so schlecht nicht ginge. Dies nahm Volle Kanne zum Anlass, über das Phänomen der Unsichtbaren Krankheiten zu berichten, unter dem viele Menschen leiden.

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