Empty-Nest-Syndrom

Auszug der Kinder stürzt Eltern in Sinnkrise

Verbraucher | Volle Kanne - Empty-Nest-Syndrom

Wenn der Auszug der Kinder die Eltern in eine Sinnkrise stürzt, kann auch die Partnerschaft ins Wanken geraten. Was gilt es zu beachten, um den Lebensabschnitt "Elternsein" gut zu Ende zu bringen?

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Video verfügbar bis 18.07.2017, 10:05

Der Moment ist unausweichlich: Irgendwann packt der Nachwuchs seine Sachen und zieht aus. Zurück bleiben die Eltern, die im Schnitt zwei Jahrzehnte an dem eigenen Nachwuchs verzweifelt sind: Laute Musik, endlose Diskussionen um Wäsche, sauber machen und Essen kochen – das fällt alles weg. Endlich Freiheit, Zweisamkeit und mehr Lebensqualität? So sieht es zunächst aus. Aber viele Eltern – vor allem Frauen – stürzt der Auszug der Kinder in eine Sinnkrise, das Empty-Nest-Syndrom.

Zieht das Kind aus, hinterlässt es eine Lücke. Eine Familie hat eine lange Geschichte. Das Kind hat je nach Schulabschluss und Eigenantrieb zwischen 18 und 30 Jahren bei den Eltern verbracht. Man kennt sich und ist miteinander verbunden. Mit dem Auszug entsteht oft eine bedrohliche Leere. Daher sprechen Psychologen vom Empty-Nest-Syndrom.

Denn das Kind hat bisher für Lebendigkeit und Gesprächsstoff in der Familie gesorgt. Jetzt kann die Stille für eine große Traurigkeit bei den Eltern sorgen. Dann kommt es darauf an, ob die Eltern sich über die entstandenen Veränderungen – und was diese mit einem machen – austauschen können. Oder sich eher depressiv voneinander zurückziehen, wodurch die Einsamkeit noch gesteigert wird.

"Hotel Mama" soll Nachwuchs länger halten

Bevor es zu dem Auszug kommt, greifen Eltern - oft unbewusst - zu Strategien, um zu verhindern, dass der Nachwuchs das Nest verlässt. Die Eltern tun alles, damit sich der Jugendliche im „Hotel Mama“ wohl fühlt. Es werden keine Forderungen gestellt, es gibt kaum Grenzen, dafür aber viele Freiheiten, die Kinder werden verwöhnt. Dazu teilen die Eltern die Interessen der Jugendlichen: Sie gehen mit zum Rockkonzert oder planen gemeinsame Reisen. Alles Zeichen dafür, dass sie ihre Kinder noch nicht gehen lassen wollen.

Die Eltern können eigentlich stolz und glücklich sein, dass ihre Kinder dann auf eigenen Beinen stehen. Das Paar kann ein neues Leben nach der Elternpflicht beginnen. Und trotzdem tut die Trennung weh.

Endlich wieder zu zweit

Einerseits geht der Lebensabschnitt Elternsein zu Ende. Andererseits merkt man genau daran, wie alt man geworden ist. Eltern müssen sich daher als Paar erst wieder neu finden. Gelingt der Austausch über den Verlust, den es bedeutet auf ein Kind zu „verzichten“, kann die Krise überwunden und gemeinsam nach Interessen Ausschau gehalten werden. Vielleicht sogar Interessen wie eine Weltreise oder der Motorradführerschein, der mit Kindern einfach nicht möglich war.

Um das herauszufinden, empfehlen Psychologen die „wesentlichen Zwiegespräche“. Das Elternpaar vereinbart einen regelmäßigen, festen Termin für ein Paargespräch, in dem über die eigene Befindlichkeit, Wünsche aber auch Ängste geredet werden kann. So kann eine neue und spannende Tiefe in der Paarbeziehung entstehen – man fühlt sich wieder mehr als Paar und kann die Elternrolle in einem neuen Licht sehen.

Strategien gegen die Lücke

Nicht selten beugen Eltern vor, indem sie sich einen Hund oder eine Katze zulegen. Dann haben sie wieder ein Wesen, das sie versorgen können und das sich freut, wenn sie nach Hause kommen. Eine andere Strategie ist es, selbst „flügge“ zu werden. Die Eltern sind neidisch auf das Leben des Jugendlichen. Dieser scheint alles vor sich zu haben, was sie selbst schon hinter sich haben: Freiheit, eine spannende Ausbildung, Partys mit Flirts.

Ein oder beide Elternteile verspüren jetzt selbst die Abenteuerlust in sich und brechen aus, suchen sich neue Partner. Besonders stark wird diese Tendenz, wenn die eigene Jugend eher trostlos und anstrengend war. Dann kommt der mehr oder weniger bewusste Wunsch, die Jugendlichkeit nachzuholen, auf.

Die verlängerte Nabelschnur

Viele Eltern halten über soziale Netzwerke oder über Videochat Kontakt zu ihren Kindern. Psychologe Dr. Terje Neraal nennt das die „verlängerte Nabelschnur“. Das hilft, wenn die Trennung zu sehr schmerzt. Tröstlich kann für Eltern auch der Gedanke sein, dass die Kinder immer wieder mal zurückkommen. Dann mit weniger „kindlichen“ Wünschen und Anforderungen im Gepäck, sondern erwachsen, mit eigenen neuen Lebenserfahrungen und spannenden Geschichten.

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