Ver.di: Warnstreiks gehen weiter

Streiks auch an den Flughäfen

Verbraucher | Volle Kanne - Ver.di: Warnstreiks gehen weiter

Seit gestern läuft im Nahverkehr vielerorts kaum noch etwas, heute liegt der Schwerpunkt auf den Flughäfen. Allein die Lufthansa hat fast 900 Flüge abgesagt.

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Video verfügbar bis 25.04.2017, 14:00

Die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen gehen in die nächste Runde. Vor dem Start der dritten Verhandlungsrunde am Donnerstag, dem 28. April 2016, rief die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ihre Mitglieder zu Protestaktionen und Warnstreiks auf. Streik-Schwerpunkte werden am Mittwoch zahlreiche Flughäfen sein.

Schon am Montag, dem 25. April, hatten tausende Beschäftigte im öffentlichen Dienst an Protestaktionen in Berlin, Brandenburg und in der Region Stuttgart teilgenommen. In Berlin waren für Montag und Dienstag Beschäftigte der Kliniken Vivantes und Charité zu ganztägigen Warnstreiks aufgerufen. In Nordrhein-Westfalen sind die Streikschwerpunkte am Dienstag und Mittwoch unter anderem in Düsseldorf, Bochum, Dortmund und Köln. Bestreikt werden unter anderem Verkehrsbetriebe, Jobcenter, Kitas und Krankenhäuser.

Warnstreiks an Flughäfen

Am Mittwoch, dem 27. April, werden zudem zahlreiche Flughäfen in die Warnstreiks einbezogen. Betroffen sind am Flughafen Frankfurt (Streik ab Schichtbeginn bis 15 Uhr) die Bodenverkehrsdienste, Check-In, Werkstätten und Luftsicherheitskontrolleure sowie ab 8 Uhr die Flughafenfeuerwehr. Der Warnstreik am Flughafen München wird ganztags andauern und alle Bereiche des Flughafens umfassen. In Köln/Bonn streiken die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste (Vorfeld, Fracht, Gepäck und Verwaltung) ab 00:00 Uhr für 24 Stunden, hier ist auch die Flughafenfeuerwehr im Streik.

In Düsseldorf befinden sich ab 3 Uhr nachts bis 14 Uhr unter anderem die Werkstätten, die Verwaltung, Warenkontrolleure, der Terminalservice und die Busdienste im Streik, in Dortmund die Bodenverkehrsdienste ab Schichtbeginn. Hannover-Langenhagen wird ab 4:30 Uhr bis 15 Uhr in den Bodenverkehrsdiensten, Verwaltung und Technik bestreikt. Damit muss am Mittwoch mit starken Verzögerungen bis hin zu massiven Flugausfällen gerechnet werden. Allein die Lufthansa hat wegen des Streiks an deutschen Flughäfen für Mittwoch 895 Flüge gestrichen. Betroffen sind davon 87.000 Passagiere.

Pünktlich zum Arbeitsplatz

Auch wenn Bus- und Bahnfahrer streiken, müssen Arbeitnehmer pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen. „Das Wegerisiko trägt der Arbeitnehmer“, erläutert Rechtsanwalt Kay P. Rodegra. Wer unterwegs absehen kann, dass er es nicht rechtzeitig schafft, muss sich umgehend beim Arbeitgeber melden und auf die Verspätung hinweisen. Eine Abmahnung hat man dann nicht zu befürchten. Allerdings muss der Arbeitgeber für die verlorene Zeit kein Gehalt zahlen, wenn der Mitarbeiter die ausgefallene Zeit nicht nacharbeitet. Dauern Streiks länger und ist absehbar, dass auch am nächsten Tag wieder Busse und Bahnen ausfallen, muss man früher aufstehen und Alternativen suchen. Wiederholtes Verspäten ist dann nicht mehr entschuldigt.

Sich einfach krankschreiben zu lassen, um den Anreise-Stress zu vermeiden, ist keinesfalls zu empfehlen. Ansonsten riskiert man eine Abmahnung oder sogar die fristlose Kündigung. Wer in ein Taxi steigt, zum Beispiel um einen wichtigen Arzttermin wahrzunehmen, kann das ausgelegte Geld nicht von den Verkehrsbetrieben zurückverlangen. „Flächendeckende Streiks im öffentlichen Dienst gelten als höhere Gewalt“, erklärt Anwalt Rodegra.

Wohin mit den Kindern?

Wenn Kita-Mitarbeiter streiken, werden berufstätige Eltern vor logistische Probleme gestellt. Wer auf die Schnelle keine Ersatzbetreuung findet, darf sein Kind nicht kurzerhand mit zur Arbeit nehmen. Hierfür benötigt er die Erlaubnis des Arbeitgebers.

Schafft man es nicht rechtzeitig zur Arbeit, weil man zunächst eine Kinderbetreuung organisieren muss, muss man sich ebenfalls sofort beim Arbeitgeber melden und auf das Problem hinweisen. In den meisten Fällen wird er Verständnis dafür haben. Für die ausgefallene Arbeitszeit muss die Firma kein Gehalt zahlen. Wer eine besondere verantwortungsvolle Aufgabe hat – etwa das Aufschließen eines Ladens – muss zunächst, notfalls mit Kind im Schlepptau, zum Arbeitsplatz fahren.

Wenn die Kita länger schließt

Wenn der Streik andauert und die Kita länger geschlossen bleibt, müssen manche Eltern Urlaub nehmen. Allerdings muss der Arbeitgeber den Urlaub genehmigen. Sprechen dringende betriebliche Gründe gegen einen Urlaub, bleibt den Eltern nichts anderes übrig, als irgendeine Lösung für die Betreuung zu finden.

Findet man trotz aller Bemühungen keine Möglichkeit, seinen Sprössling zu versorgen, kann man zu Hause bleiben, da man ansonsten seine Aufsichtspflicht verletzen würde. Die Kosten für einen Babysitter oder die Tagesmutter müssen die Eltern übrigens selbst übernehmen.

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