Mit Kindern über Ängste sprechen

Wie Kinder Terror und Gewalt besser verarbeiten können

Verbraucher | Volle Kanne - Mit Kindern über Ängste sprechen

Bilder von Anschlägen und Terror häufen sich auch in Deutschland immer mehr. Wie verarbeiten Kinder Gewalt in den Medien? Psychologin Elisabeth Raffauf weiß, worauf Eltern achten sollten.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.07.2017, 14:00

Der Anschlag in Nizza, der Amoklauf in München, ein Attentäter in Ansbach: Die derzeitige Nachrichtenlage ist beunruhigend. Vor allem für Kinder können die Bilder dieser Ereignisse belastend sein. Eltern sollten sie mit ihren Fragen und Ängsten nicht allein lassen.

Traumatisierte und verletzte Menschen, bewaffnete Sicherheitskräfte, Menschen, die in Panik um ihr Leben rennen: Manche Nachrichtenbilder sind selbst für Erwachsene nur schwer zu verarbeiten.

Zuhören und bestärken

Auf Kinder haben solche Bilder einen ungleich stärkeren Effekt: Sie können verstörend wirken und Ängste in ihnen hervorrufen. Kristin Langer von der Medieninitiative „Schau hin!“ rät Eltern, die Berichterstattung zusammen mit ihren Kindern zu verfolgen und mit ihnen über die Zusammenhänge und die Hintergründe zu sprechen. Sie gänzlich von den Nachrichten abzuschirmen, halten Experten für keine gute Idee. Vielmehr sollten sich Eltern Zeit für ihre Kinder nehmen und ihnen die Möglichkeit geben, über ihre Ängste zu reden.

„Kinder bekommen viel mit, auch schon im Kindergarten oder in der Grundschule“, sagt Psychologin Elisabeth Raffauf. Man könne dies weder verhindern noch steuern. Deshalb sei es umso wichtiger, dass die Kinder ernst genommen werden und sie sich mit ihren Ängsten an die Eltern wenden können. „Kinder möchten eine Einordnung“, so die Psychologin weiter. Deshalb solle man ihnen erklären, welchen Einfluss die Ereignisse auf ihren persönlichen Lebensbereich haben. Gleichzeitig rät sie, das Sicherheitsgefühl wieder aufzubauen und die Kinder zu bestärken, weiterhin Unternehmungen einzuplanen wie etwa ins Schwimmbad zu gehen.

Altersabhängig reagieren

Die Medieninitiative „Schau hin!“ rät, auf die jeweilige emotionale Lage, das Interesse und das Verständnis des Kindes einzugehen, und zwar abhängig von dessen Alter. Vorschulkinder reagierten oft sehr emotional – sie können Fantasie und Realität noch nicht immer gut trennen. Deswegen könne es sein, dass sie schnell große und teilweise irrationale Ängste entwickeln, dass ihnen selbst oder ihren Eltern etwas Ähnliches zustoßen könnte. Ihnen sei besonders wichtig, sich sicher und beschützt zu fühlen.

Schulkinder wüssten, dass terroristische Anschläge geschehen können. Bei ihnen stünden oft moralische Fragen über Schuld und Bestrafung im Mittelpunkt. Sie fühlten sich oft besser, wenn sie in irgendeiner Form helfen könnten, über Spenden etwa. „Schau hin!“ rät dazu, Schulkinder zu ermutigen, ihre Gefühle beispielsweise in einem Bild oder einer Geschichte zu verarbeiten. Es gehe darum, die Ohnmacht und Hilflosigkeit der Kinder aufzuheben, sagt Kristin Langer. Teenager tendierten dazu, die Ereignisse auf ihr eigenes Leben zu beziehen. Zudem spielten größere ethische und politische Fragen eine Rolle.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet