Antidepressiva

Gezielt das passende Medikament finden

Bei schweren Depressionen setzt die Therapie unter anderem auf Medikamente. Hier das passende Antidepressivum zu finden, ist oftmals nicht leicht und häufig sehr langwierig. Es gibt Tests, die helfen sollen, schneller den richtigen Wirkstoff zu finden.

5 min
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08.04.2021
08.04.2021
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.04.2022

Um bei schweren Depressionen das richtige Medikament zu finden, müssen häufig viele verschiedene ausprobiert werden. Diese Testphase geht oft über mehrere Wochen, da die Dosis meist langsam gesteigert wird und eine Wirkaussage erst nach etwa vier Wochen Einnahme möglich ist. Ausprobieren, abwarten, wechseln – für Betroffene mit einer schweren Depression eine schwierige Herausforderung. Es gibt Tests, die aufgrund von genetischen Merkmalen helfen sollen, schneller den für die Betroffenen richtigen Wirkstoff zu finden, indem sie schon vor der Einnahme prognostizieren sollen, ob ein Medikament bei dem Patienten anschlägt oder nicht.

Wie funktionieren diese Tests?

Es werden vor allem zwei verschiedene Testverfahren angeboten. Für beide ist eine Blutprobe notwendig. Der Cytochrom P450-Gentest untersucht die genetischen Voraussetzungen für ein Enzym, dass an der Verstoffwechselung der Medikamente beteiligt ist. Wenn Antidepressiva eingenommen werden, werden sie verstoffwechselt, also in der Leber abgebaut. An diesem Abbau ist das Cytochrom P450-Enzym beteiligt. Dieses Enzym wird durch bestimmte Gene codiert. Auf dem entsprechenden Gen gibt es Mutationen, also Variationen, die dazu führen, dass das Enzym entweder eher stark aktiv ist und das Medikament schneller abbaut oder dass das Enzym eher schwach aktiv ist und das Medikament langsamer abbaut. Dies hat Auswirkungen auf den Wirkspiegel des Antidepressivums im Blut. Der Test untersucht auf Mutationen, jedoch nicht alle möglichen. Inwieweit die Ergebnisse aussagekräftig sind für die Wahl des passenden Antidepressivums, sehen die Verfasser der Deutschen Leitlinie zur Behandlung von Depressionen noch nicht in umfassenden Studien belegt. Daher ist der Test in diese Leitlinie nicht aufgenommen worden und bleibt eine sogenannte Selbstzahlerleistung. Der Test kostet 400 Euro.  

Ähnlich ist es bei dem ABCB1-Testverfahren. Es ist mit knapp 200 Euro günstiger, ebenfalls jedoch keine Kassenleistung. Hierbei wird im Blut der ABCB1-Genotyp bestimmt. Eine bestimmte Sequenzvariante auf dem ABCB1-Gen soll Rückschlüsse geben, wieviel Wirkstoff im Gehirn überhaupt ankommt. Der Test analysiert dafür den auf dem ABCB1-Gen vorliegenden genetischen Bauplan des P-Glykoproteins. Dieses ist an der Blut-Hirn-Schranke aktiv. Die Blut-Hirnschranke soll das Gehirn vor Fremdstoffen schützen. Jeder antidepressive Wirkstoff muss hier durchgelangen, um überhaupt wirken zu können. Wie viel Wirkstoff gelangt ins Gehirn? Das ist unter anderem abhängig von der Aktivität des P-Glykoproteins. Aufgrund der derzeitigen Studienlage ist das ABCB1-Testverfahren von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft ebenfalls nicht in die offiziellen Behandlungsleitlinien aufgenommen worden.   

Alternative

Während der Einnahme von Antidepressiva wird bei Problemen mit der Wirksamkeit eine Blutspiegelmessung durchgeführt. Diese untersucht, wieviel Wirkstoff tatsächlich im Blut vorhanden ist und lässt dadurch gewisse Aussagen über die Dosierung und Wirksamkeit zu. Die Wirksamkeit ist unter anderem abhängig von Lebensgewohnheiten (z.B. Rauchen), Wechselwirkung mit anderen Medikamenten oder Einnahmefehlern. Die Blutspiegelmessung kann erst nach etwa vier Wochen Einnahme durchgeführt werden und kann eine Hilfestellung in der pharmakologischen Therapie sein. Diese sollte therapeutisch begleitet werden und wird gemäß der Leitlinie nur bei schweren Depressionen empfohlen. Bei leichten Depressionen wird primär die Psychotherapie empfohlen.

Informationen im Internet

Deutsche Depressionshilfe: https://www.deutsche-depressionshilfe.de

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