Teure Dispokredite

Hohe Zinsen und wenig Transparenz

Verbraucher | Volle Kanne - Teure Dispokredite

Für Erspartes gibt es so gut wie keine Zinsen, doch bei den Dispozinsen bitten die Banken ihre Kunden kräftig zur Kasse. Wie man aus einem teuren Dispokredit herauskommt, erklärt Markus Feck.

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5 min
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Video verfügbar bis 17.08.2017, 14:00

Fürs Ersparte auf dem Konto gibt es derzeit so gut wie nichts. Wer allerdings in die Miesen rutscht, wird kräftig zur Kasse gebeten. Knapp zehn Prozent Dispozinsen berechnen die Geldinstitute im Schnitt, wie "Finanztest" aktuell ermittelt hat. Dabei sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Banken erheblich.

Banken bitten ihre Kunden nach wie vor bei Dispozinsen kräftig zur Kasse. Die Zinssätze liegen durchschnittlich bei knapp zehn Prozent und damit nur minimal unter dem Vorjahreswert, wie "Finanztest" in ihrer September-Ausgabe berichtet. Bei einigen Kreditinstituten werden demnach gar Dispozinsen zwischen 13 und 13,75 Prozent fällig. Zudem verschwiegen oder verschleierten einige Geldhäuser die Höhe ihrer Zinssätze, obwohl sie gesetzlich zur klaren Nennung verpflichtet sind.

Bei ihrem jährlichen Vergleich nahm die Stiftung Warentest die Dispozinssätze von allen 1433 deutschen Banken und Sparkassen unter die Lupe. Am wenigsten müssen laut "Finanztest" Kunden von Direktbanken ohne eigenes Filialnetz zahlen, wenn ihr Konto ins Minus rutscht. Am besten schnitten das Trumpfkonto der Deutschen Skatbank mit einem Zinssatz von 4,24 Prozent und das Servicekonto der Augsburger Aktienbank mit 4,8 Prozent ab.

Sieben Euro und acht Prozent

Symbolbild "Zins"
Wenig Zinsen füs Ersparte, viele für die Miesen. Quelle: imago/Ralph Peters

Dabei hat sich seither einiges getan: Seit März müssen Banken ihre Zinssätze "klar, eindeutig und in auffallender Weise" angeben - und das bereits auf ihrer Internetseite. Verbraucher sollen durch diese gesetzliche Neuregelung Banken besser miteinander vergleichen können und dadurch für mehr Wettbewerb unter ihnen sorgen. Zugleich können sich die Kreditinstitute seit März kostenlos bei der Europäischen Bank Geld leihen. Doch auf die Dispozinsen scheint sich dies kaum ausgewirkt zu haben.

"Günstig" sind laut "Finanztest" Konten, die im Monat höchstens sieben Euro kosten und deren Dispozinsen maximal bei acht Prozent liegen. Die größten deutschen Geldhäuser können dies dem Vergleich zufolge nicht bieten: Bei der Commerzbank lag zum Testzeitpunkt am 1. Juli der Dispozins abhängig vom Kontomodell bei 8,5 bis 10,5 Prozent, bei der Deutschen Bank bonitätsabhängig bei 7,9 bis 10,9 Prozent.

Vorsicht, Lockangebote!

"Finanztest" bemängelt außerdem, dass immer mehr Banken Kunden mit sogenannten Premiumkonten locken. Diese bieten demnach niedrigere Dispozinssätze, sind aber in der Kontoführung deutlich teurer. Selbst wer den Dispokredit regelmäßig nutze, zahle beim Premiumkonto oft drauf, heißt es in dem Bericht weiter. Das Standardkonto sei für viele Kunden die "bessere Wahl".

Stiftung Warentest kritisiert zudem, dass sich viele Banken nicht an die gesetzlichen Vorschriften zur Veröffentlichung ihrer Zinssätze halten. So hätten 129 Kreditinstitute zu Beginn des Tests keine Angaben zur Höhe des Dispozinses auf ihrer Internetseite gemacht - bis auf eines besserten alle nach einem Hinweis der Stiftung Warentest nach. Anders als gesetzlich gefordert konnten die Kunden von 29 Banken allerdings nichts mit der Höhe des genannten Zinssatzes anfangen, wie "Finanztest" kritisiert. Bei ihnen sei nicht erkennbar gewesen, wie hoch der Dispozins tatsächlich ausfalle. So verlange eine Volks- und Raiffeisenbank in Bayern je nach Bonität des Kunden 4,75 bis 12,75 Prozent - sie verrate jedoch nicht, wie die Zahlungsfähigkeit eingeschätzt werde. Andere Banken koppelten den Dispozins an einen Referenzzinssatz, den sie nicht erläuterten.

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