Therapiehunde für kranke Kinder

Wie Tiere Schmerzen und Beschwerden lindern

Verbraucher | Volle Kanne - Therapiehunde für kranke Kinder

Wenn dauerhafte Schmerzen den Alltag bestimmen, dann geht es ums Lindern und eine möglichst positive Atmosphäre im Krankenhaus. Dafür werden Therapiehunde eingesetzt.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.05.2017, 10:05

Im Zentrum für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie arbeitet unter anderem eine Golden-Retriever-Hündin "Tante Lisbeth". Sie wird als Therapiehund eingesetzt und soll das emotionale Wohlbefinden und die Lebensqualität der Patienten verbessern. Der medizinische Nutzen der Therapiehunde lässt sich nachweisen.

Der Hund, der den Patienten im Universitätsklinikum des Saarlandes entgegen trottet, hat sich nicht verlaufen. Tante Lisbeth, so der Name der Golden-Retriever-Hündin, arbeitet hier. Ins Zentrum für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie kommen Menschen mit dauerhaften Schmerzen. Ihnen soll die Hündin gemeinsam mit ihrem „Kollegen“ Balou helfen. Und nicht nur dadurch, dass sie nett anzuschauen sind, sondern bei den Menschen etwas bewirken. "Tiere bewirken bei Menschen etwas, was wir nur sehr schwer erreichen können", bestätigt Hundetrainerin Ewa Hadel. "Die Reaktion ist direkt und positiv."

Brücke zwischen Arzt und Patienten

Als einer der ersten im deutschsprachigen Raum holte Prof. Dr. Sven Gottschling die Therapiehunde 2010 ans Krankenhaus, um eine tiergestützte Therapie anzubieten. Der Einsatz der Tiere ist immer begleitend zu den medizinischen Maßnahmen. Die Hunde sollen keine Therapie oder Tablette ersetzen. Sie sind da, um den Zugang zum Patienten zu erleichtern. Sie sind bei einem unangenehmen Arzt-Patienten-Gespräch dabei oder fördern spielerisch die Beweglichkeit und Motivation.

Trotzdem hatte Palliativmediziner Gottschling zunächst die Befürchtung, dass die Hunde nicht akzeptiert werden. Er musste viel Überzeugungsarbeit leisten: "Die meisten meinen, dass von den Hunden ein erhöhtes Risiko gerade für schwerstkranke Patienten ausgeht. Und das ist überhaupt nicht der Fall. Das Hauptrisiko geht vom Menschen aus." Gottschling setzte sich durch: Die Hunde wurden vor ihrem Einsatz etwa ein Jahr lang ausgebildet. Sie werden regelmäßig vom Tierarzt untersucht und sogar die Basishygieneverordnung der Uniklinik wurde für die Tiere erweitert.

Wem helfen die Hunde?

Die Therapie ist individuell an den Patienten angepasst. Denn hier geht es nicht ums Heilen, sondern ums Lindern. Am Uniklinikum in Homburg werden pro Jahr etwa 1100 Menschen mit lebensbegrenzenden Erkrankungen versorgt, darunter 80 bis 100 Kinder. Dazu zählen Patienten mit fortgeschrittenen Tumorleiden, Erkrankungen des Herzens, neurologische Erkrankungen im Endstadium, schwere Demenz, Mukoviszidose oder Stoffwechselerkrankungen. Hinzu kommen etwa 800 Kinder mit chronischen Schmerzen, die ambulant versorgt werden.

Ziel ist es, mithilfe der Therapiehunde das emotionale Wohlbefinden und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Wenn die Hunde da sind, strahlen regelmäßig die Augen der Patienten. Die Patientin Celina Jungblut kann sich nicht gut bewegen, jede Bewegung fällt ihr schwer. Doch mit dem Therapiehund kommt die Bewegung ganz von alleine, denn das Spielen mit dem Hund lenkt ab. Für diese Situationen wurde Tante Lisbeth ausgebildet. Einem weiteren Patienten nimmt die Hündin die Angst und beruhigt durch Kuscheln.

Sinkender Stresslevel

Nachweisen kann Prof. Dr. Sven Gottschling solche positive Effekte anhand mehrerer Studien. Diese zeigen zum einen, dass die Patienten ihren Stresslevel selbst niedriger einschätzen. Aber auch anhand von Messung des Blutdrucks und der Cortisolwerte im Speichel lässt sich feststellen: der Kontakt mit den Tieren beruhigt. Die Hunde erreichen das, was normalerweise nur Morphin schafft: Sie reduzieren die Schmerzwahrnehmung deutlich.

Die Arbeit mit Hunden leistet daher neben Physio-, Musik-, Kunst- und Ergotherapie einen wichtigen Beitrag zur Linderung von Beschwerden, gerade bei Kindern. Das Krankenhaus ist dann nicht mehr nur der Ort von Horrorerlebnissen wie Angst und Schmerzen, sondern die Tiere vermitteln die Botschaft: "Hier gibt es auch etwas Positives."

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