Depression nach der Geburt

Therapien gegen die Wochenbettdepression

Verbraucher | Volle Kanne - Depression nach der Geburt

Das Kind ist auf der Welt – doch dann bleibt die Freude aus. Die Wochenbettdepression ist eine Erkrankung, die bis zu 20 Prozent aller Mütter betrifft. Eine Psychotherapie kann helfen.

Beitragslänge:
5 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.04.2017, 10:05

Sie wird durch eine Umstellung der Hormone nach der Geburt ausgelöst: Die Wochenbettdepression, auch postpartale Depression (PPD) genannt, stürzt junge Mütter in eine depressive Phase – ohne, dass diese zwingend selbst davon Notiz nehmen. Eine Psychotherapie, Medikamente und die verstärkte Interaktion mit dem eigenen Kind können bei einer PPD wirksam sein.

Die Hormone sind schuld: Dass frischgebackene Mütter nach der Geburt unter Stimmungsschwankungen und Empfindungsstörungen leiden, ist keine Seltenheit. Dieser sogenannte Babyblues wird durch die Hormonumstellung nach der Geburt ausgelöst und betrifft 50 bis 80 Prozent aller Mütter in den Tagen nach der Geburt. Er verschwindet innerhalb von zehn bis 14 Tagen ohne Behandlung wieder, ist also keine Erkrankung.

Wenn ein solches Stimmungstief aber länger anhält und die Frau in ihrem Alltag eingeschränkt ist, sollte man dies ernst nehmen und sich an den behandelnden Arzt oder die Hebamme wenden. Auch Selbsthilfegruppen können ein Ansatz bei der Suche nach einem Psychologen/ Psychiater sein.

Überforderung durch neue Situation

Die Ursachen einer Wochenbettdepression sind vielfältig: Die Frau befindet sich nach der Geburt in einer neuen Situation. Neben der hormonellen Umstellung kommen neue Aufgaben mit viel Verantwortung auf sie zu. Sie muss sich nach der Geburt in der Mutterrolle einfinden, sich an das Kind gewöhnen. Die Beziehung zum Mann verändert sich.

Man geht davon aus, dass diese Faktoren zusammen mit einer eventuell vorhandenen genetischen Veranlagung, bereits zuvor aufgetretenen psychischen Problemen und Erkrankungen, traumatischen Erlebnissen oder sozial schwierigen Verhältnissen und wenig Unterstützung eine Wochenbettdepression begünstigen. Allerdings können auch Frauen erkranken, ohne dass solche Umstände vorhanden sind. Jede Frau kann von einer Wochenbettdepression betroffen sein und sollte eine solche Veränderung ernst nehmen.

Meist späte Diagnose

Da viele Frauen und ihr Umfeld das auftretende Stimmungstief zunächst nicht als ernst einstufen, dauert es häufig lang bis Frauen eine entsprechende Diagnose erhalten. Erschwerend kommt hinzu: Mutterliebe wird als selbstverständlich angesehen. Empfindet eine Mutter diese Gefühle nicht und bleibt das Glücksgefühl über das Kind aus, schlägt ihr häufig großes Unverständnis entgegen.

Auch die Mutter selbst kann ihre Situation oft nicht einordnen. Das erschwert den Weg zu einem Fachmann (Psychologe/Psychiater), der weiter helfen könnte. Wichtig ist es deshalb, aktiv zu werden und Hilfe zu suchen. Bei der Diagnostik kann ein Fragebogen helfen, die sogenannte Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale.

Viele Therapieansätze

Die Therapie soll zunächst der Mutter helfen, wieder gesund zu werden. Hier wird vorrangig mit Psychotherapie gearbeitet, die ambulant, teilstationär oder stationär erfolgen kann. Zusätzlich wird in vielen Fällen eine medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka unterstützend eingesetzt. Es gibt Medikamente, die sich mit dem Stillen vertragen, sodass nicht zwangsweise abgestillt werden muss. Außerdem wird mit Ergotherapie, Sport und Entspannungsübungen gearbeitet.

Da das Verhalten der Mutter starke Auswirkungen auf das Kind hat, wird heute auch versucht, das Kind in die Therapie mit einzubinden. Dies geschieht häufig in Mutter-Kind-Kliniken/-Stationen. Dort wird neben der Therapie der Mutter auch versucht, die Interaktion zwischen Mutter und Kind zu verbessern (zum Beispiel durch Babymassage oder gemeinsames Spielen). Ziel ist zunächst, dass die Mutter die Versorgung des Kindes gut gewährleisten kann und dass eine Bindung zwischen Mutter und Kind entsteht. Das ist wichtig für die Mutter – und auch für das Kind, dessen weitere Entwicklung unmittelbar von der Interaktion mit der Mutter abhängt. Unterstützung durch Angehörige kann sich positiv auswirken, gerade, weil betroffenen Frauen viel Unverständnis von außen entgegenschlägt und die Wochenbettdepression immer noch ein Tabuthema ist.

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