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Mehr Thrombosen durch Coronavirus?

Experten nehmen aktuell eine Zunahme von schweren Thrombose-Verläufen wahr. Hierbei sehen sie besonders zwei problematische Entwicklungen: Der Verzicht auf Arztbesuche und die verstärkte Arbeit im Home-Office.

5 min
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13.10.2020
13.10.2020
Video verfügbar bis 13.10.2021

Bei einer tiefen Beinvenenthrombose kommt es zur Ausbildung eines Blutgerinnsels in einer tief gelegenen Bein- oder Beckenvene, welches die Vene teilweise oder vollständig verschließen kann. Eine gefährliche Komplikation, die aus diesem Befund erwachsen kann, entsteht, wenn sich das Gerinnsel löst und in Richtung Herz weiterwandert. Dort kann es die wichtige Lungenarterie blockieren oder gar verstopfen. Man spricht dann von einer Lungenembolie, die lebensbedrohlich sein kann und in Deutschland die dritthäufigste Todesursache unter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt.

Erhöhtes Thrombose-Risiko durch Coronavirus

Inzwischen ist in Studien erwiesen, dass Patienten, die an einem schwereren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung leiden, ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Thrombose und in der Folge dem Zustand einer gefährlichen Lungenembolie haben.

Außerdem gibt es in den letzten Monaten eine Besorgnis erregende Beobachtung vieler Hausärzte, Kardiologen und Angiologen, die allerdings aktuell noch nicht mit Studienergebnissen untermauert werden kann: Corona-Pandemie, Lockdown und verstärkte Tätigkeit im Home-Office haben offenbar zu einer Zunahme an schwereren Verläufen von Thrombosen und Embolien geführt – auch ohne, dass bei die Patienten an Covid-19 erkrankt waren. Zwei Aspekte werden hier als wesentliche Ursachen vermutet: Zum einen führten Home-Office-Tätigkeit und die zeitweise Einschränkung der Sportangebote zu Bewegungsmangel; zum anderen verzeichneten sowohl Hausärzte als auch Fachärzte in den vergangenen Monaten Rückgänge bei den Arztbesuchen zur Abklärung möglicher erster Symptome. Hierzu zählen zum Beispiel schmerzende oder schwere Beine.

Ursachen und Symptome einer Thrombose

Bei einer Gruppe von etwa fünf Prozent aller Menschen in Deutschland liegt grundsätzlich eine genetisch bedingte Veranlagung dazu vor, im Laufe des Lebens eine höhere Neigung zur Gerinnselbildung zu entwickeln. Das Gerinnsel in einer Beinvene entsteht aber in der Regel durch stark ausgeprägtem Bewegungsmangel. Der kann zum Beispiel vorliegen, wenn das Bein über einen längeren Zeitraum (zum Beispiel nachts im Stuhl eingeschlafen oder bei langer Schreibtisch-Tätigkeit) abgeknickt war. Ein ähnlicher Befund ergibt sich auch bei Unbeweglichkeit auf Langstreckenflügen oder wenn ein Bein eingegipst ist.
Darüber hinaus gibt es einige Risikofaktoren, die eine Beinvenenthrombose und in der Folge eine Lungenembolie begünstigen können. Neben Bewegungsmangel zählen zu den Risikofaktoren auch das Alter, Rauchen, Übergewicht, Schwangerschaft und Krebserkrankungen.

Eine tiefe Beinvenenthrombose zeigt sich in der Regel durch eine Schwellung am Bein und kann im Ultraschall oder mit einer Computertomografie (CT) diagnostiziert werden. Letzteres gilt auch für die Weiterentwicklung zur Lungenembolie. Wer betroffen ist, leidet unter mehr oder weniger stark ausgeprägter Kurzatmigkeit und Atemnot. Menschen mit einer Lungenembolie können zudem Beklemmungen, Brustschmerzen, Herzrasen und Herz-Kreislauf-Probleme bis hin zur Bewusstlosigkeit entwickeln.

Diagnose und Therapie

Abgesehen davon, dass erste Hinweise auf eine tiefe Beinvenenthrombose oft schon vom Hausarzt gegeben werden können, ist ein Angiologe oder Kardiologe der Facharzt für einen solchen Befund. Bei einer Lungenembolie kann ein lebensbedrohliches Krankheitsbild entstehen, das nicht selten tödlich endet. Betroffene müssen deshalb so schnell wie möglich ins Krankenhaus, gegebenenfalls unter Überwachung auf der Intensivstation. Eine wichtige erste diagnostische Maßnahme nach einer Blutentnahme ist der so genannte D-Dimer-Test zur Feststellung der Gerinnungsneigung im Blut. Der Verdacht auf eine Lungenembolie und deren Ausmaß lässt sich mit der Echo-Kardiographie konkretisieren und mit einem CT genau diagnostizieren.


In der Folge wird mit Blut verdünnenden Medikamenten versucht, das Gerinnsel aufzulösen oder mit Präparaten, welche die Gerinnung hemmen, therapiert. Bei schwer verlaufenden Fällen einer Lungenembolie (in Deutschland ca. 20 Prozent der Fälle) können auch Katheter-Eingriffe oder Operationen notwendig werden. Nach einer tiefen Beinvenenthrombose und erst recht nach einer Lungenembolie müssen die Betroffenen die gerinnungshemmenden Medikamente über einen gewissen Zeitraum weiter einnehmen. Zusätzlich müssen viele in der Folge Stützstümpfe tragen, die dazu dienen, die Beinvenen zu stabilisieren und einer Gerinnselbildung vorzubeugen. Darüber hinaus müssen Menschen nach einer Lungenembolie zunächst engmaschig kontrolliert werden, auch um möglicherweise entstandene Komplikationen, wie zum Beispiel einen erhöhten Lungendruck oder eine eingeschränkte Leistung des Herzens, rechtzeitig zu erkennen.

Vorbeugung und Selbsthilfe

Die Maßnahmen zur Vorbeugung einer Gerinnselbildung in den tiefen Beinvenen und in der Folge einer gefährlichen Lungenembolie entsprechen im Wesentlichen den Maßnahmen zur Selbsthilfe nach einer Erkrankung. Bewegung (zum Beispiel mit leichtem Ausdauersport) ist dabei ein wichtiger erster Schritt. Hinzu kommen eine möglichst gesunde Ernährung und der Verzicht auf das Rauchen. Wer unter Übergewicht leidet, sollte dieses möglichst reduzieren. Menschen, die zur Risikogruppe gehören (ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit genetisch bedingter Neigung zur Gerinnselbildung) sollten sich regelmäßig (zum Beispiel vom Kardiologen) untersuchen lassen. In Extremsituationen der Unbeweglichkeit, wie Langestreckenflügen, sollte man zwischendurch immer wieder mal aufstehen und herumlaufen und möglichst viel Wasser trinken.  

Besonders im Zusammenhang mit gestiegener Home-Office-Tätigkeit in den letzten Monaten ist Bewegung ein sehr wichtiges Stichwort. Zwischendurch sollten bei der Arbeit immer wieder Pausen mit Aktivität eingebaut werden. Unabhängig von sportlicher Aktivität gibt es sehr einfache Übungen zur Venen-Gymnastik am Schreibtisch, die jeder durchführen kann und die die Durchblutung der Gefäße fördern. Außerdem sollte man bei ersten Beschwerden im Bereich der Beine den Arztbesuch nicht scheuen.

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