Wenn der Strand zum Büro wird

Mein Recht auf Urlaub – was darf der Chef?

Verbraucher | Volle Kanne - Wenn der Strand zum Büro wird

Dank Smartphones und Computer ist jeder Arbeitnehmer für seinen Chef schnell greifbar. Doch muss man auch im Urlaub erreichbar sein? Arbeitsrechtler Christoph Burgmer klärt auf.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.07.2017, 14:00

Endlich Urlaub! Dann freuen sich die meisten von uns auf zwei, vielleicht sogar drei entspannte Wochen weit weg vom Büro-Schreibtisch: Am Strand liegen, Sonne tanken, Stress und Arbeit hinter sich lassen. Doch dann passiert das, was man jetzt am wenigsten braucht - der Chef ruft an: „Können Sie sich bitte um unseren Kunden kümmern? Der braucht noch ein, zwei Infos ... geht auch ganz schnell ...“ Ein kleiner Auftrag mit weitreichenden Folgen: Immerhin jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer arbeitet im Urlaub. Dabei fallen pro Jahr rund 260 Millionen zusätzliche Arbeitsstunden an.

Nicht einmal jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland (24 Prozent) schaltet im Urlaub komplett ab und ist beruflich nicht erreichbar. Bei den Jüngeren bis 29 Jahre sind es mit 30 Prozent die meisten, bei den Beschäftigten ab 30 Jahren sind es rund 22 Prozent. Jüngere Arbeitnehmer beantworten dabei seltener Telefonanrufe (50 Prozent), aber häufiger Mails (56 Prozent). Bei den 50- bis 64-Jährigen wird häufiger das Telefon genutzt (64 Prozent) als E-Mail (48 Prozent). Rund jeder fünfte Berufstätige (18 Prozent) hat in den Sommermonaten keinen Urlaub.

Generell gilt: Je mehr ein Angestellter verdient, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er im Urlaub arbeitet. „Moderne Kommunikationsmittel wie Smartphone oder Laptop bergen die Gefahr, dass Arbeitnehmer immer erreichbar sind – auch dann, wenn sie sich eigentlich erholen sollten“, sagt Katharina Gerstmann. Sie ist Anwältin für Arbeitsrecht. „Dabei gilt das Recht auf Erholung!“

Vorgaben vom Gesetzgeber

Und das ist gesetzlich durch das Bundesurlaubsgesetz (BurlG) geregelt. Es wurde 1963 verkündet. Der Urlaub ist damit ein elementares Recht. Er soll den Arbeitnehmer vor allem vor gesundheitsschädlicher Überarbeitung schützen. Arbeitnehmer sollen außerdem Zeit für Familie, Freunde und zur Erledigung privater Angelegenheiten haben. „Deswegen ist der Erholungsurlaub dem Arbeitnehmer prinzipiell störungsfrei zu gewähren“, so Gerstmann.

Es gilt: Nach sechs Monaten in einem Unternehmen haben Mitarbeiter vollen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Wer fünf oder sechs Tage pro Woche arbeitet, hat Anspruch auf mindestens vier Wochen Urlaub, das Bundesurlaubsgesetz gibt 24 Werktage vor - zählt aber auch den Samstag als Werktag. Wer also fünf Tage die Woche arbeitet, hat gesetzlichen Anspruch auf 20 Tage Erholungsurlaub. Je nach Vertrag sind es in der Regel bis zu 30 Tage Urlaub.

Wer genehmigt was?

Urlaubsantrag
Wichtig: Den Urlaubsantrag schriftlich genehmigen lassen!

Laut Bundesurlaubsgesetz legt der Chef die Urlaubszeit fest und muss gleichermaßen die Wünsche des Arbeitnehmers berücksichtigen. Praktisch ist es aber andersherum. Im Prinzip entscheidet nämlich der Arbeitnehmer, wann er Urlaub nehmen mag. „Es handelt sich schließlich um Ihren Urlaubsanspruch“, erklärt Katharina Gerstmann. „Ihren Urlaubswunsch teilen Sie dem Arbeitgeber mit und der hat Ihnen den Urlaub auch zu gewähren. Das ist gesetzlich geregelt.“

Allerdings: In Ausnahmefällen kann der Chef den Urlaubsantrag verweigern, beispielsweise dann, wenn ein wichtiger Auftrag pünktlich fertig werden muss, plötzliche Produktionsnachfragen kommen, der Krankenstand sehr hoch ist oder Kollegen unter sozialen Gesichtspunkten bevorzugt werden – zum Beispiel Eltern in den Schulferien. Der Chef muss bei solchen Entscheidungen aber immer im Blick haben, dass dem Arbeitnehmer das Recht auf Freizeit zusteht. Heißt: Um einen Urlaubsantrag abzulehnen, muss der Chef diese Gründe auch nennen. Und: Sie dürfen auch nicht Dauerzustand sein.

Wenn der Chef anruft

Aber wie reagieren Arbeitnehmer, wenn der Chef im Urlaub anruft – oder sogar darauf besteht, den Urlaub abzubrechen, weil es betrieblich erforderlich ist? „Auch da gibt es klare Grenzen und gesetzliche Regelungen“, sagt Anwältin Gerstmann. Dabei sei es egal, ob der Urlaub am Baggersee oder weit weg auf einer Karibik-Insel verbracht werde.

So klappt der Urlaub ohne Arbeit!

Damit Sie weder auf Mails noch auf Anrufe von Ihrem Chef reagieren müssen, sollten Sie Ihren Urlaubsantritt vorher gut planen. Unsere Tipps:

- Melden Sie Ihren Urlaub rechtzeitig beim Chef an.
- Besprechen Sie mit ihm, wer Ihre Vertretung sein soll.
- Machen Sie eine transparente Übergabe mit Kollegen und Kunden.
- Verlangt Ihr Chef trotzdem von Ihnen, dass Sie im Urlaub arbeiten, suchen Sie zunächst das persönliche Gespräch.
- Blockt der Chef ab, wenden Sie sich an den Betriebsrat.
- Ist das nicht möglich, hilft nur der Gang zum Anwalt – am besten zu einem Spezialisten für Arbeitsrecht.

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