Tricksen für die Provision

Bestellerprinzip: Betrugsversuche immer seltener

Verbraucher | Volle Kanne - Tricksen für die Provision

Seit der Einführung des Bestellerprinzips bei Maklerprovisionen greifen einige Vermittler auf Tricks zurück, um an die Courtage zu kommen. Mietrechtsexperte Michaelo Damerow erklärt, was erlaubt ist.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.06.2017, 14:00

Wohnungssuchende können sich freuen: Ein Jahr nach Einführung des Bestellerprinzips ist es Usus, dass die Vermieter die Provision für den Makler zahlen. Schwarze Schafe, die versuchen, das Bestellerprinzip bei Maklerprovisionen zu umgehen, gibt es kaum noch. Doch eine Folge davon ist, dass zu vermietende Wohnungen nicht mehr so häufig wie früher inseriert werden. Gerade in großen Städten verschärft dies die Situation für Wohnungssuchende.

Das Gesetz zum Bestellerprinzip im Maklerrecht ist am 1. Juni 2015 in Kraft getreten. Sein Kern: Derjenige, der den Makler beauftragt hat, soll die Maklergebühren zahlen. In der Praxis ist dies meist der Vermieter. Das Bestellerprinzip gewährleistet also, dass Mieter nur dann den Makler selbst zahlen müssen, wenn sie ihn beauftragt haben und der Makler nur aufgrund dieses Auftrags für sie eine Wohnung sucht.

Immer wieder gab es Versuche, das Bestellerprinzip bei Maklerprovisionen zu umgehen. So zeigten manche Inserate „nur beispielhaft“ Bilder und Daten der angebotenen Wohnung – wer mehr wissen wollte, musste zuerst ein Auftragsformular an den Makler schicken. Ein anderer verlangte bei Mietabschluss eine dubiose „Servicegebühr“ in Höhe von zwei Monatsmieten, für die der Mieter Veranstaltungstipps und „Hilfe bei allen technischen Fragen“ erhielt. Andere Makler verlangten eine Besichtigungsgebühr von allen Interessenten, die zu einem Besichtigungstermin erschienen, um so über Umwege die Verluste auszugleichen.

Wohnraum durch Bestellerprinzip verknappt?

Doch offenbar kommen diese Betrugsversuche immer seltener vor. Ein Grund dürfte sein, dass Mieter, die einem dubiosen Makler auf den Leim gegangen sind, Zahlungen zurückfordern können. Zudem droht dem Makler ein Bußgeld. Abschreckungswirkung dürfte auch die Tatsache gehabt haben, dass Mietervereine in der Vergangenheit nicht davor zurückscheuten, Verstöße gegen das Bestellerprinzip vor Gericht zu bringen. Als langfristig angelegtes Geschäftsmodell taugten diese Maschen also nicht.

Während viele Makler sich inzwischen auf andere Geschäftsbereiche spezialisieren und beispielsweise Dienstleitungen nur noch selektiv anbieten, setzen offenbar immer weniger Vermieter auf die klassische Wohnungsvermittlung per Makler. Statt öffentlich nach Mietinteressenten zu suchen, setzen sie darauf, Mieter für ihre Objekte über die Familie oder den Freundeskreis zu finden. Zu befürchten ist, dass der Wohnungsmarkt durch dieses Vorgehen weniger öffentlich wird und immer weniger Mietwohnungen ausgeschrieben werden.

Maklerin zeigt Paar leere Wohnung
Einige Makler sind inzwischen auf bestimmte Dienstleistungen spezialisiert. Quelle: imago

Bei Verstößen von Maklern

Versuche seitens der Vermieter oder auch der Makler, die Gebühren trotzdem vom Mieter zahlen zu lassen, sind seit dem 1. Juni 2015 unzulässig. Sibylle Voßbeck, Fachanwältin für Mietrecht: „Verstöße gegen die Vorschriften zum Schutz des Mieters im Rahmen der Wohnungsvermittlung stellen eine Ordnungswidrigkeit dar und können mit einem Ordnungsgeld geahndet werden.“ Nicht erlaubt seien außerdem Tricks, mit denen die Maklergebühr auf Umwegen oder unter anderem Namen doch noch auf den Mieter umgelegt werden soll: „Vereinbarungen, die den Wohnungssuchenden verpflichten, das Vermittlungsentgelt zu bezahlen, sind schlichtweg unwirksam. Der Wohnungssuchende hat daher einen Rückforderungsanspruch.“

Dazu empfiehlt der Berliner Mietverein: Wer den Verdacht hat, von einem Makler zu einer unzulässigen Zahlung verpflichtet zu werden, sollte den Mietvertrag ruhig unterschreiben. Wichtig ist, dass der Mieter später mit Zeugen und einer Quittung den Vorgang beweisen kann. Nur dann kann gegen den Makler (zivilrechtlich) vorgegangen und die verkappte Provision zurückverlangt werden. In jedem Bundesland gibt es auch behördliche Stellen, die Bußgelder bis zu 25.000 Euro gegen tricksende Makler verhängen können. Bei denen sollten sich betrogene Mieter melden und den Makler anzeigen.

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