Trinken in der Krise

Wer aufgrund der Coronakrise jetzt mehr Alkohol trinkt als sonst, sollte besser aufpassen: Gesundheitsexperten warnen vor Suchterkrankungen. Ängste, Stress, der Verlust des gewohnten Alltags oder Einsamkeit – all das kann zur Abhängigkeit führen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.05.2021

Die Coronakrise hat Auswirkungen auf den Alkoholkonsum in Deutschland. Untersuchungen von Konsumforschern deuten darauf hin, dass sich der Konsum von Kneipen und Bars in die eigenen vier Wände verlagert. Suchtexperten sehen dabei Risiken für Menschen mit riskantem Trinkverhalten und für deren Angehörige.

Alkohol als vermeintlicher „Krisenhelfer“

Viele Menschen trinken Alkohol zum Genuss, bei einigen steht aber die funktionelle Wirkung im Vordergrund. Sie trinken, um Ängste, Sorgen oder Einsamkeit zu verdrängen, zur Beruhigung gegen Stress oder zum Trost bei Einsamkeit. In diesen Fällen ist das Suchtrisiko erhöht.

Suchtexperten befürchten: Wer schon vor der Krise einen riskanten Alkoholkonsum hatte (etwa jeder sechste Erwachsene), kennt die enthemmende und dämpfende Wirkung von Alkohol und könnte nun versucht sein, häufiger zur Flasche zu greifen, um Alkohol als vermeintlichen Seelentröster oder Mutmacher zu nutzen.

Gefahr der Abhängigkeit

Alkohol setzt im Körper Endorphine frei, es kann also tatsächlich ein künstliches Glücksgefühl erzeugen. Bewusst oder unbewusst trinken manche deshalb auch ein „Feierabendbier“ zur Selbstbelohnung. Allerdings ist das Glücksgefühl nur vorübergehend.

Danach setzt ein – mehr oder weniger starker – Kater ein. Auf Dauer verstärken sich durch den Konsum depressive Stimmungen und Angstgefühle. Damit wiederum steigt das Verlangen, erneut zu trinken. Weil sich der Körper auf den Konsum einstellt, braucht es immer größere Mengen, um denselben Effekt zu erreichen. Auf lange Sicht kann dadurch eine Abhängigkeit entstehen.

Rückfallrisiko

Ehemals alkoholabhängige Menschen haben in der Coronakrise ein erhöhtes Rückfallrisiko. Nach einem Entzug raten Suchtexperten zum Besuch von Langzeittherapien und Gruppenangeboten.  Besonders bewährt haben sich Selbsthilfegruppen (beispielsweise Anonyme Alkoholiker, Blaues Kreuz, Kreuzbund), um trocken zu bleiben. Weil diese Treffen aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen seit Mitte März nicht stattfinden dürfen, steigt bei den Teilnehmern das Risiko rückfällig zu werden.

Gesundheitsrisiken

Alkohol ist ein Zellgift. Es schwächt das Immunsystem und erhöht das Risiko für Infekte und für schwere Krankheitsverläufe – auch bei Covid-19. Alkohol schädigt fast alle Organe und fördert beispielsweise Lebererkrankungen oder Herzkreislauferkrankungen. Er ist außerdem ein Risikofaktor für die Entstehung von Krebs oder Demenz.

Konsum kontrollieren

Studien zufolge gibt es keinen risikofreien Konsum. Selbst geringe Mengen können den Körper schädigen. Gleichzeitig gilt: Die Dosis macht das Gift. Zur Schwellendosis für den risikoarmen Konsum gibt es unterschiedliche Empfehlungen. Neuere Übersichtsarbeiten schlagen acht bis zehn Gramm Alkohol pro Tag für Frauen und 15 bis 20 Gramm Alkohol pro Tag für Männer vor.  Außerdem sollte man pro Woche mindestens zwei alkoholfreie Tage einlegen.

Selbsttest

Wer testen möchte, ob sein Alkoholkonsum problematisch ausfällt, findet unter "Kenn Dein Limit" einen Selbsttest der BZgA (siehe Links) sowie verschiedene Telefonhotlines: https://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/schaedlicher-konsum/beratung-und-unterstuetzung/

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