Übeltäter Weizenmehl?

Welche Weizen-Mythen wirklich stimmen

Weizenfeld

Verbraucher | Volle Kanne - Übeltäter Weizenmehl?

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Anscheinend leiden immer mehr Menschen unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten. In regelmäßigen Abständen geht es deshalb verschiedenen Nahrungsmitteln an den Kragen. Nach Zucker und Milch steht derzeit das Weizenmehl in der Schusslinie: Es soll dick und dumm machen, Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen verursachen. Was ist dran an diesen Vorwürfen?

Fast könnte den Eindruck bekommen, dass Weizen ein schlimmer Übeltäter sei. Verschiedene Studien haben das Grundnahrungsmittel in Verbindung mit diversen Krankheiten gebracht. So soll Weizen Alzheimer und Depressionen verursachen, für Schlafstörungen sorgen und sogar die Entstehung von Krebs begünstigen. „So stimmt das einfach nicht, da ist viel Halbwissen im Umlauf“, sagt Ökotrophologin Dr. Brigitte Bäuerlein.

Sein neues schlechtes Image hat der Weizen zwei amerikanischen Ärzten zu verdanken, die mit öffentlichkeitswirksamen Thesen für Aufmerksamkeit sorgten. „Doch unter Wissenschaftlern werden die beiden nicht ernst genommen, da sie nur jene Dinge veröffentlichen, die ihre eigene Theorie stützen – nicht aber, was dagegen spricht. Das ist unseriös“, führt Bäuerlein aus. Es gebe schlichtweg keine handfesten Beweise, dass Weizen krank mache. Für jene Menschen, die an einer Zöliakie (Gutenunverträglichkeit) leiden, gelte dies natürlich nicht. Brigitte Bäuerlein: „Für sie ist Weizen sogar gefährlich.“

Lieber vollwertig

Weizenmehl
Weizenmehl: Für viele unverzichtbar, für manche schlecht verdaulich.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht könne es durchaus sinnvoll sein, im Speiseplan einfachen Weizen gegen vollwertigen Weizen zu ersetzen. „Einfache Weizenmehlprodukte haben viele leere Kalorien, das ausgemahlene Mehl enthält keine Ballast- oder Mineralstoffe und ist vergleichbar mit purem Zucker“, erklärt die Ökotrophologin. Zudem können in Billigbrötchen auch Backtriebmittel und andere Zusatzstoffe enthalten sein. Als Ersatz bietet sich das Mehl von Getreidesorten wie Dinkel, Emmer, Kamut, Roggen oder Hafer an. „Wer nicht an einer Zöliakie leidet, kann vom vollwertigen Weizen profitieren, denn neben Kohlenhydraten sind auch B-Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Proteine darin enthalten.“

Wer sich nach dem Verzehr glutenhaltiger Speisen unwohl oder abgeschlagen fühlt, könnte unter einer Vorstufe der Zöliakie, der Glutensensitivität, leiden. Ihnen empfiehlt sie eine vollwertige Ernährung, anstatt auf glutenfreie Produkte zurückzugreifen, denn bei diesen speziellen Produkten werde das Gluten oft durch Fett oder Zucker ersetzt. Man nehme deshalb mehr Kalorien zu sich. Stattdessen bieten sich Sauerteigbrote aus Roggenmehl an. Durch die Milchsäurebakterien im Sauerteig sind die enthaltenen Kohlenhydrate und Eiweiße des Mehls besser verträglich. „Auch vollwertige Brote enthalten weniger Gluten und belasten den Blutzuckerspiegel nur leicht“, sagt Bäuerlein. Der Austausch von Weizenstärke durch Reis-, Mais- oder Kartoffelstärke sei nur für Menschen mit diagnostizierter Zöliakie und Normalgewicht geeignet, da diese Austauschstoffe den Blutzuckerspiegel stark in die Höhe treiben.

Trend „Overnight Oats“

Mittlerweile auch in Deutschland in aller Munde und in vielen Cafés im Frühstückssortiment: „Overnight Oats“ ist die Trend-Nahrung der Stunde. „Hinter dem englischen Begriff verbergen sich nichts anderes als über Nacht eingeweichte Haferflocken“, erklärt Brigitte Bäuerlein. Das klingt weder aufregend noch originell, ist aber gesund und lässt sich vielseitig variieren. Hafer ist sehr nährstoffreich und hat im Vergleich zu anderen Getreidesorten nur wenig Gluten. Vor allem der hohe Eiweißgehalt macht Hafer so wertvoll, aber auch mit Mineralstoffen und B-Vitaminen kann er punkten. Trotz des relativ geringen Glutengehalts sollten Menschen mit diagnostizierter Zöliakie beim Haferkonsum äußerst vorsichtig sein und zunächst Rücksprache mit dem Arzt halten. Wer nicht auf Gluten achten muss, kann das „Volle Kanne“-Summer-Overnight-Wheat-Rezept mit Brombeeren und Kokosblütenzucker ausprobieren – da kommen statt der Haferflocken sogar Weizenflocken zum Einsatz.

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