Umweltlärm macht krank

Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Verbraucher | Volle Kanne - Umweltlärm macht krank

Lärm nervt nicht nur, er macht krank. Das ist seit langem bekannt, doch die Forschung hinkt immer noch hinterher. Es gibt kaum Studien dazu, welcher Lärm gesundheitsschädlicher ist: Akute, hohe Spitzen (peaks) oder Dauerlärm.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.04.2018, 09:05

Ab 120 Dezibel, ungefähr dem Lärm eines tief vorbeifliegenden Flugzeugs, halten sich die meisten Menschen instinktiv die Ohren zu. Dieser Wert bedeutet für die meisten eine Schmerzgrenze. Ab 150 Dezibel, was einem in der Nähe startenden Düsenjet entspricht, wird das Gehör in Sekunden geschädigt. Schwerhörigkeit oder Ohrgeräusche wie Tinnitus drohen jedem, der sich zu hohem Schall aussetzt.

Doch es gibt keine stille Welt, Geräusche sind überall, und bis zu einem gewissen Grad ist der menschliche Organismus auch in der Lage, Lärmeinwirkungen zu kompensieren. Das ist nötig, weil das Hören ein Sinneseindruck ist, den wir nicht abstellen können. Anders als zum Beispiel die Augen können wir die Ohren nicht schließen, und sind so immer allen Umgebungsgeräuschen ausgesetzt - selbst im Schlaf.

Wenn das Geräusch zu Lärm wird

Für jeden Menschen kommt aber irgendwann der Punkt, an dem Geräusche zu Lärm werden, also zu einem Ärgernis. Diese „Ärgerreaktion“ ist auch das, was Lärm so gesundheitsgefährdend macht, denn durch sie schüttet der Körper Stresshormone aus, die in der Folge zu Bluthochdruck und hormonellen Veränderungen führen können. Außerdem wird die Gefäßfunktion beeinflusst, es kommt zu oxidativem Stress, der wiederum zu einem erhöhten Arteriosklerose-Risiko führt.

Lärm kann Herzinfarkt und Schlaganfall auslösen, aber auch zu Depressionen führen. Menschen, die in Lärmregionen wohnen, sind im Durchschnitt dicker und haben ein erhöhtes Risiko für Diabetes. Zehn Millionen Deutsche haben mit Straßenlärm zu kämpfen. Der Lärmpegel steigt, auch durch die immer höhere, grenzenlose Mobilität. Bereits jetzt bezeichnen Experten Lärm als neuen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Lärm beim Schlafen

Man kann sich an Lärm nicht gewöhnen. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die im Schlaf Lärm ausgesetzt sind (zum Beispiel durch Flugzeuge), mit einem deutlich erhöhten Blutdruck auf diesen Lärm reagieren, ohne wach zu werden. Das heißt: Selbst im Schlaf ist Lärm gesundheitsschädigend.

Während ungefähr 200.000 Menschen in Deutschland von Fluglärm betroffen sind, wird auf eine andere Lärmquelle noch wenig Augenmerk gelegt: Den Schienenlärm. Unter ihm leiden jedoch ungleich mehr Menschen: Acht Millionen sind es in Deutschland. Die Deutsche Bahn AG hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 den Schienenlärm um zehn Dezibel zu senken, was einer gefühlten Halbierung des Lärms entspricht.

Das will sie mithilfe von Lärmschutzwänden und -fenstern und dem Einbau von Verbundstoffbremsen (so genannten „Flüsterbremsen“) bei den besonders lauten Güterzügen erreichen. Das Schienensystem wird jedoch nicht nur von der Deutschen Bahn AG genutzt, sondern auch von privaten Anbietern und vom europäischen Bahnverkehr. Inwieweit die Bemühungen der Deutschen Bahn AG also wirklich messbare Erleichterungen bringen, bleibt abzuwarten.

Studie belegt Gesundheitsschaden

Eine Studie der Europäischen Gesundheitsorganisation in Kopenhagen hat bereits gezeigt, dass europaweit mehr als 900.000 Menschen lärmbedingten Bluthochdruck haben, 45.000 erleiden deswegen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. 2011 hat die Weltgesundheitsorganisation festgestellt, dass Lärm als Krankheiten begünstigender Umweltfaktor bereits an zweiter Stelle steht, hinter der Luftverschmutzung.

Hier geht's zur Website "Tag gegen Lärm" mit vielen Infos rund ums Thema.

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