Wenn das Inkassobüro zuschlägt

Unrechtmäßige Forderungen erkennen

Verbraucher | Volle Kanne - Wenn das Inkassobüro zuschlägt

Wer Rechnungen nicht bezahlt, gerät schnell in die Fänge von Inkassounternehmen. Die zusätzlichen Kosten lassen auch Kleinstbeträge rasch zu stattlichen Summen anwachsen. Aber nicht alle Forderungen der Inkassounternehmen sind rechtens.

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.12.2017, 09:05

Wer etwas gekauft oder eine Leistung erhalten hat, muss dafür bezahlen. Wer sich nicht daran hält, muss mit Konsequenzen rechnen. Dies bedeutet, dass nach der Rechnung eine Mahnung ins Haus flattert, mit der Aufforderung, den Betrag zu bezahlen. Zeigt auch dies keine Wirkung, wird der Gläubiger ein Inkassounternehmen damit beauftragen, den ausstehenden Betrag einzutreiben. Und dann wird es für den säumigen Zahler richtig teuer.

Die Inkassounternehmen verlangen für ihre Tätigkeit Gebühren, die die Kosten für den Schuldner in die Höhe treiben. „Wir nennen das ‚die zweite Ernte‘“, sagt Veaceslav Ghendler, Fachanwalt für Insolvenzrecht. Die Inkassounternehmen orientieren sich bei ihrer Preisgestaltung an dem Vergütungsgesetz für Rechtsanwälte. Hierbei setzen sie oftmals unzulässigerweise die Höchstgebühren an. Ein Inkassounternehmen darf aber keine Phantasiekosten abrechnen wie etwa eine Vernunftappellgebühr. Unzulässig sind auch Posten wie Kontoführungsentgelte, Gebühren für Ratenzahlungsvereinbarungen, Reaktivierungsgebühren oder eine Titulierungsvergütung.

Den Kontakt suchen

Um zu verhindern, dass durch ein Inkassoverfahren die Kosten explodieren, sollte der säumige Zahler schon bei Rechnungseingang – spätestens aber mit Zugang der Mahnung – Kontakt mit dem Gläubiger aufnehmen. Eventuell ist es möglich, eine Ratenzahlung zu vereinbaren. Zumindest können finanzschwache Menschen, etwa Hartz-IV-Empfänger, durch die Kontaktaufnahme Inkassokosten abwehren, wenn absehbar ist, dass sie die Hauptforderung nicht bezahlen können und der Fall dennoch bei einem Inkassounternehmen landet.

Erhält der Schuldner entgegen der Vorschrift weder Rechnung noch Mahnung, sondern bekommt direkt Post von einem Inkassounternehmen, ist der Gläubiger in der Pflicht zu beweisen, dass vorherige Korrespondenz beim Adressaten angekommen ist. Viele Gerichte verlangen in solchen Fällen den Beweis in Form einer Faxbestätigung oder eines Einschreibens. Kostendoppelungen, die etwa durch die Beauftragung eines Inkassounternehmens und das anschließende Einschalten eines Rechtanwalts entstehen, seien nicht zulässig, sagt Ghendler.

Falsche Forderungen erkennen

Viele Forderungen von Inkassounternehmen sind nicht nur fehlerhaft, sondern regelrecht falsch. Oftmals steckt noch nicht einmal ein zugelassenes Inkassounternehmen dahinter. Meist ist in den dubiosen Zahlungsaufforderungen nicht ersichtlich, um welche Forderung es sich konkret handelt; es werden Waren aufgeführt, die man nie gekauft hat, oder es wird Bezug auf Verträge genommen, die man nie geschlossen hat. Stattdessen wird eine Druckkulisse aufgebaut, in der mit Pfändung durch den Gerichtsvollzieher oder mit gerichtlichen Mahn- und Vollstreckungsverfahren gedroht wird.

Wer unsicher ist, ob die Forderung eines Inkassounternehmens rechtens ist, sollte zunächst Kontakt mit dem Unternehmen aufnehmen und versuchen, die Forderung zu klären. Dann sollte man prüfen, ob das Inkassounternehmen überhaupt eine Zulassung hat. „Jedes Inkassobüro muss gemäß §10 Rechtsdienstleistungsgesetz registriert sein“, führt Ghendler aus. Nachprüfen kann man dies unter www.rechtsdienstleistungsregister.de. Ist das Inkassounternehmen nicht registriert, begeht der Betreiber eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld bis zu 50.000 Euro geahndet werden kann.

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