Verschluckte Knopfzellen

Lebensgefahr für Kinder

Viele Spielzeuge und technische Geräte funktionieren mit sogenannten Knopfzellen. Werden diese von Kindern verschluckt, tritt innerhalb weniger Stunden ein Notfall ein und es droht Lebensgefahr.

5 min
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10.06.2021
10.06.2021
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.06.2023

Strenge EU-Auflagen für Kinderspielzeug sorgen zwar dafür, dass die Batterien aus Spielzeug nur mit Minischraubenziehern aus den Batteriefächern entfernt werden können, doch es gibt z.B. Dekoartikel wie LED-Kerzen, die bereits von Kindern leicht geöffnet werden können. Ein ernstes Problem, denn werden die Knopfzellen von Kindern verschluckt, tritt innerhalb weniger Stunden ein Notfall ein und es droht Lebensgefahr.

Symptome

Knopfzellen
Knopfzellen, die sich in der Speiseröhre festsetzen, können lebensbedrohliche Verätzungen hervorrufen.
Quelle: imago/CHROMORANGE

Typische Symptome, die nach dem Verschlucken und dem Festsitzen einer Knopfzellbatterie auftreten können, sind Schmerzen in der Speiseröhre, die vor allem nach der Nahrungsaufnahme stärker werden, Appetitlosigkeit, das Vermeiden von Trinken und ein verstärktes Speicheln.

Doch diese Symptome müssen nicht auftreten. Möglich ist auch, dass betroffene Kinder keine Symptome zeigen, sondern lediglich über Bauchschmerzen klagen, weiterhin trinken und sogar essen. Dies ist vor allem dann möglich, wenn die Knopfzelle nicht waagrecht sondern senkrecht in der Speiseröhre festsitzt.

Diagnose

Die Diagnose einer in der Speiseröhre festsitzenden Knopfzellbatterie ist vor allem dann schwierig, wenn Kleinkinder betroffen sind, die ihre Beschwerden noch nicht artikulieren können, und dadurch die genauen Symptome nur schwer festzustellen sind. Zudem kommt es häufig vor, dass die Minibatterien von den Eltern unbemerkt verschluckt werden, sodass diese eine plötzlich auftretende Weinerlichkeit oder Appetitlosigkeit oft nicht zuordnen können und bei den Symptomen häufig von einer allgemeinen Erkrankung wie einem Infekt oder – wegen des Speichelns – vom Zahnen ausgehen.

Deswegen sollten Ärzte bei den beschriebenen Symptomen immer auch an verschluckte Gegenstände denken und eine Röntgenuntersuchung durchführen, mittels der Fremdkörper gut entdeckt werden können. Eine absolut sichere Diagnose kann letztendlich aber nur durch eine Gastroendoskopie gestellt werden. Hierbei schieben die Ärzte ein Endoskop mit einer Kamera über den Mund in die Speiseröhre und weiter in den Magen. Bei der Untersuchung, die unter Allgemeinanästhesie durchgeführt wird, können sie Fremdkörper genau lokalisieren und sich ein Bild vom Ausmaß eventueller Verletzungen machen.

Ursachen

Vor allem Kleinkinder, die sich in der oralen Phase befinden, nehmen Gegenstände in den Mund. Dabei besteht vor allem bei Kleinteilen die Gefahr, dass diese verschluckt werden. Eine besonders große Gefahr geht dabei von sogenannten Knopfzellbatterien aus, da sich diese in den natürlichen Engstellen der Speiseröhre festsetzen können. Aufgrund des feuchten Milieus in der Speiseröhre, in dem sich die flachen runden Minibatterien dann befinden, kommt es durch chemische Reaktion zu einem Stromfluss, bei dem elektrisch geladene Teilchen, sogenannte Hydroxidanionen, entstehen.

Bei dieser Reaktion entstehen Seifenstrukturen, sogenannte Basen, die ähnlich wie Säure wirken und die Schleimhaut der Speiseröhre verätzen. Dieser Vorgang kann so weit gehen, dass das Gewebe abstirbt, nekrotisiert, im weiteren Verlauf die Schleimhaut der Speiseröhre komplett durchdrungen und ein Loch in die Wand der Speiseröhre geätzt wird. Anschließend können anliegende Organe wie die Luftröhre oder auch die Aorta, die große Halsschlagader, von den Seifenstrukturen angegriffen werden, womit ein tödlicher Verlauf einhergehen kann.

Therapie

Die Therapie umfasst die Bergung des festsitzenden Gegenstandes bzw. der Knopfzellbatterie mittels einer Schlinge, die durch das Endoskop zum Fremdkörper vorgeschoben wird. Zudem kann es erforderlich sein, bereits abgestorbenes Gewebe abzutragen, sodass der Heilungsprozess erleichtert werden kann.

Sollte es bereits zu einem Loch in der Speiseröhre gekommen sein, besteht Lebensgefahr und das Loch muss so schnell wie möglich verschlossen werden. Sollte die Knopfzellbatterie in den Magen oder den Darm weitergewandert sein, ist gegebenenfalls eine Entfernung mittels Gastroendoskopie oder Darmspiegelung erforderlich.

Prognose

Die Prognose bei einer verschluckten Knopfzelle ist vor allem vom Ladezustand der Batterie und der Dauer abhängig, die sie sich in der Speiseröhre befindet, denn bereits innerhalb der ersten ein bis zwei Stunden kann es zu so schweren Verätzungen kommen, dass Lebensgefahr besteht. Außerdem können Narben entstehen, die die Speiseröhre so stark verengen, dass Schluckbeschwerden auftreten können, die erneute chirurgische Eingriffe erforderlich machen.

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