Verzögern und verweigern

Wenn Versicherungen nicht zahlen wollen

Verbraucher | Volle Kanne - Verzögern und verweigern

Manfred Siemion leidet bis heute unter den Folgen eines Radunfalls, doch die Versicherung des Unfallverursachers taktiert. Rechtsanwältin Dr. Susanne Punsmann gibt Tipps, worauf man achten sollte.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.04.2017, 14:00

Versicherte können sich wehren, wenn Versicherungen Schadensregulierungen ablehnen - es gibt mehrere Institutionen, an die sie sich wenden können.

Versicherungen haben bei vielen Versicherten einen zweifelhaften Ruf – der Vorwurf lautet, dass sie zwar über Jahre hinweg Beiträge kassieren, aber im Schadensfall eine Regulierung verzögern oder verweigern.

Ob Vorurteil oder nicht – Versicherte sollten Vorkehrungen treffen, um den Versicherungen eine solche Strategie zu erschweren. So sollten sie sich keinesfalls auf Versprechungen von Versicherungsvermittlern verlassen, sondern stattdessen die jeweiligen Verträge vor dem Unterzeichnen gründlich lesen und vor allem verstehen: Welche Schadensfälle werden reguliert, welche nicht?

Sorgfältig und wahrheitsgemäß

Ist der Schadensfall dann eingetreten, muss er der Versicherung unverzüglich gemeldet werden – die entsprechenden Anträge müssen sorgfältig und vor allem wahrheitsgemäß ausgefüllt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Schwindeleien von erfahrenen Sachbearbeitern bemerkt werden, ist relativ groß. Sollte es zu einem Prozess kommen, untergraben sie zudem die eigene Glaubwürdigkeit. Den Antrag auf Schadensregulierung schickt man am besten per Einschreiben an die Versicherung, um so belegen zu können, dass man die geltenden Fristen eingehalten hat.

Lehnt die Versicherung es ab, den Schaden zu regulieren, kann es sinnvoll sein, in einem zweiten Schreiben eine erneute Prüfung des Falls zu fordern – Hartnäckigkeit bei Versicherten kann die Verhandlungsbereitschaft von Versicherungen durchaus erhöhen. Gegebenenfalls kann man schon in dieser Phase der Auseinandersetzung eine Verbraucherzentrale oder einen in Versicherungsfragen spezialisierten Anwalt um Unterstützung bitten. Eine kostenpflichtige Mitgliedschaft vorausgesetzt, kann man sich auch vom Bund der Versicherten beraten lassen. Kostenlos ist ein Schlichtungsversuch durch den Ombudsmann für Versicherungen. Dieser kann schlichten, wenn es sich um Streitigkeiten handelt, die ein Versicherungsnehmer mit der eigenen Versicherung hat. Der Ombudsmann kann die Versicherung verbindlich verpflichten, einen Schaden in einer Höhe von bis zu 10.000 Euro zu regulieren. Für den Versicherten hingegen ist die Entscheidung in jedem Fall unverbindlich.

Im gerichtlichen Verfahren liegt dem Richter die Entscheidung des Versicherungsombudsmanns aber vor. „War diese für den Versicherungsnehmer negativ, kann es durchaus sein, dass das Gericht sich der Argumentation des Ombudsmanns bedient und der Versicherungsnehmer auch dann schlechte Karten hat“, warnt Dr. Susanne Punsmann, Fachanwältin für Versicherungsrecht und Honorarrechtsanwältin der Verbraucherzentrale NRW e.V..

Geld, Zeit und Nerven

Wenn es auf diesen Wegen zu keiner Einigung kommt, kann der Versicherte gegen die Versicherung vor Gericht ziehen. Vorher sollte er aber die ursprüngliche Schadenssumme gegen das Geld, die Zeit und die Nerven aufwiegen, die ein Prozess kosten kann. Hilfreich bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit einer Versicherung ist übrigens eine Rechtsschutzversicherung. „Diese muss der Versicherungsnehmer allerdings mindestens drei Monate vor dem Eintritt des Schadens abgeschlossen haben“ ergänzt Rechtsanwältin Dr. Punsmann.

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