Gesundheit im Pendelstress

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Verbraucher | Volle Kanne - Gesundheit im Pendelstress

Über 20 Millionen Menschen pendeln täglich zu ihrer Arbeitsstelle und sind dabei im Schnitt circa 44 Minuten unterwegs. Das stresst, kostet Nerven und Lebenszeit. Dr. Stefan Häfner hat die gesundheitlichen Folgen des Pendelns untersucht.

Beitragslänge:
27 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.02.2019, 09:05

Über 20 Millionen Menschen pendeln täglich zu ihrer Arbeitsstelle und sind dabei im Schnitt circa 44 Minuten unterwegs. Das stresst, kostet Nerven und Lebenszeit. Dr. Stefan Häfner hat die gesundheitlichen Folgen des Pendelns untersucht.

Pendler sein ist Definitionssache

Der Definition des Bundesinstitutes für Bau, Stadt und Raumforschung (BBSR) zufolge, ist ein Pendler jemand der, um an seinem Arbeitsort zu gelangen, eine Gemeindegrenze überqueren muss. Andere, beispielsweise der Soziologe und Direktor des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung Norbert Schneider, sagen, dass eine Pendelzeit von mehr als 30 Minuten entscheidend sei.

Fakt sei jedoch, dass ein Zeitaufwand von mehr als ab 90 Minuten täglich für Hin- und Rückfahrt kritisch für die Gesundheit werde, so Dr. Häfner, Chefarzt der Abteilung Verhaltensmedizin und Psychosomatik an der Deutschen Klinik für Integrative Medizin und Naturheilverfahren in Bad Elster. Er therapiert Menschen, die unter der Last des Pendelns und anderen Stressfaktoren leiden.

Pendeln birgt gesundheitliche Gefahren

Pendeln wird oft ein Selbstläufer – aus den zunächst geplanten zwei Jahren werden schnell mehr – die Situation wird zur Dauerbelastung. Die Konzentration an Stresshormonen im Blut sei bei Pendlern insgesamt höher, dadurch sind sie generell gereizter und unkonzentrierter und leiden noch dazu oft unter Schlafmangel und erhöhtem Blutdruck, erklärt Dr. Häfner.

Häufige körperliche Symptome sind Rückenschmerzen im Bereich der Hals- oder Lendenwirbel oder Kopfschmerzen. Da sie aufgrund der langen Fahrtzeiten nicht so regelmäßig zum Essen kommen, ist oft das gesamte Essverhalten bei Pendlern gestört und es treten funktionelle Magenbeschwerden auf. Vor allem Autopendler neigen eher zu Übergewicht.

Folgeerkrankungen Depression & Co.

Dauerhaft kann es zur Entwicklung von Depressionen, Burnout oder Ängsten kommen. Männer sind eher davon betroffen, da sie öfter größere Fahrtstrecken und längere Zeiten in Kauf nehmen. Häufig sind es Menschen mit qualifizierten Berufen, die eher leistungsorientiert sind, die, durch die zusätzliche Belastung des Pendelns an ihre psychische oder physische Belastungsgrenze kommen.

Das Gefühl, nicht mehr Herr der eigenen Lage zu sein, da man beispielsweise keinen Einfluss auf den Autostau oder Zugverspätungen hat, ist dabei besonders prekär. Es ist wichtig diesem Gefühl des Kontrollverlustes und Machtlosigkeit entgegen zu wirken.

Was kann ich tun?

Wer sich dafür entschieden hat zu pendeln, muss vorausschauend planen: Kommunikation und Organisation sind dabei essentiell. Im Privatleben muss ein Berufspendler durch die verlorene Zeit beim Fahren viele Abstriche hinnehmen, weshalb es wichtig ist, sich für Familie und Hobbys am Wochenende umso mehr Zeit zu nehmen. Auch können autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder fernöstliche Techniken wie Yoga oder Qi Gong zu einer gezielten Reduzierung des Stresslevels in kurzer Zeit verhelfen. Entsprechende Präventionskurse bieten Krankenkassen an.

Bahnfahrer sollten beispielsweise das Umsteigen so gut es geht vermeiden und es in Kauf nehmen, auch mal längere Strecken zu fahren. Das Erwischen des Anschlusszuges oder auch das simple Finden eines Sitzplatzes kann zu einem großen Stressfaktor werden. Dr. Häfner, der selbst Berufspendler ist, rät deshalb, die Situation mitzugestalten und mit Lesematerial, entspannender Musik, Hörbüchern oder Handarbeiten sich selbst das Gefühl zu geben beschäftigt zu sein.  

Klären Sie Ihren Arbeitgeber über die Umstände auf und versuchen Sie flexiblere Arbeitszeiten zu vereinbaren, um die Rush Hour zu vermeiden. Wenn Sie Auto fahren, ziehen sie alternative, nicht so stark befahrene Routen in Erwägung. Sprechen Sie die Option ab, an bestimmten Tagen Homeoffice zu machen oder Videokonferenzen von zu Hause zu schalten.  

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