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Kinder & Videospiele für Erwachsene

Verbraucher | Volle Kanne - Kinder & Videospiele für Erwachsene

In Deutschland spielen rund vier von fünf Jungs mehrmals die Woche Videospiele. Zu den beliebtesten Spielen gehören harmlose Fußballspiele aber auch Spiele, die gar nicht für Kinder geeignet sind.

Beitragslänge:
10 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.04.2019, 09:05

Autos, die durch die Stadt rasen und Passanten überfahren, Gangster, die andere mit Waffen bedrohen, Alkoholkonsum, Sexszenen: Es gibt Videospiele, die mit drastischen Darstellungen so manchen Erwachsenen schockieren. Viele dieser Spiele stoßen gerade bei Jugendlichen auf großes Interesse – und obwohl sie erst ab 16 oder 18 Jahren freigegeben sind, hat manch Jüngerer sie schon einmal gespielt. Bekommen die Eltern mit, dass ihre jugendlichen Kinder mit diesen Spielen zu tun haben, sind sie meist beunruhigt.

Spielen als Ventil

„Ich sehe solche Spiele zwar kritisch, aber differenziert“, sagt Kinder- und Jugendpsychotherapeut Dietmar Langer. „Kinder wollen solche Spiele nicht spielen, um Menschen umzubringen. Meist geht es allein um Effekte: Es knallt, es passiert etwas. Ich kann in einem solchen Spiel Grenzen überschreiten, kann Sachen machen, die nicht erlaubt sind, Held sein, mächtig sein, unbesiegbar sein“, erklärt er die Attraktivität, die solche Spiele auf Jugendliche ausüben. Die Spiele funktionierten sozusagen wie ein Blitzableiter, mit dem auch ohne hohe Intelligenzleistung Spannungsabbau möglich sei.

In der Spieltherapie für Kinder sind auch Waffen ein Thema. Dabei suchen sich Kinder Dinge aus, mit denen sie spielen wollen, zum Beispiel Fabelwesen, Monster oder auch Waffen. „So kommen Emotionen zum Vorschein, Konflikte werden widergespiegelt“, sagt Langer. „Man könnte auch sagen, dass die Aggressionen ein Forum haben; man kann alles loswerden, ohne Sinn und Verstand.“

Eingeschränkte Wahrnehmung

Man müsse sich zunächst keine Sorgen machen, wenn das eigene Kind Interesse an solchen Spielen hat. Vor allem bei Jungs sei dies normal, sagt Langer. „Das ist so wie wenn in unserer Generation Cowboy und Indianer gespielt wurde. Da wurden im Spiel auch Menschen getötet oder an den Marterpfahl gebunden.“

Ausschlaggebend sei die Häufigkeit und Intensität. „Werden solche Spiele häufig gespielt, wird die Wahrnehmung eingeschränkt.“ Forschungen hätten gezeigt, dass durch das Zuschauen Gehirnzellen angeregt werden, Dinge nachzuempfinden. „Spiegelneuronen nennt man diese Gehirnzellen. Ein Beispiel: Wenn jemand gähnt, muss man mitgähnen“, erklärt Langer. Das Gehirn speichere diese Reaktionen selbst dann, wenn sie durch Videos ausgelöst werden. Im Gehirn werde dann die Reaktionsbereitschaft auf bestimmte Situationen vorgebahnt. Die Folgen können Albträume, Ängste und eingeschränkte Handlungsfähigkeit sein.

Eltern müssen Grenzen setzen

Das Unterbewusstsein bei Kindern könne nicht unterscheiden zwischen Realität und Spiel, deshalb sei der Schutz der Kinder wichtig. „Die Eltern müssen sie vor solchen Eindrücken bewahren. Es gibt nicht umsonst Altersbeschränkungen und Jugendschutzsoftware. Es ist Aufgabe der Eltern, Grenzen zu setzen“, sagt Langer und mahnt: „Je jünger die Kinder sind, desto weniger können sie sich emotional abgrenzen.“ Je realistischer die Darstellung der Spielwelt, desto leichter finde der Transfer in die Realität statt, erläutert Langer. Je stärker der Realitätsbezug, desto emotionaler die Beteiligung. Nicht von Ungefähr orientiere sich die Altersfreigabe am Realitätsbezug des Spiels.

Kinder müssen nicht alles bekommen, was sie wollen. Allerdings dürfe man ihnen auch nicht alles komplett verbieten. „Wenn der Kontakt zum Kind stimmt, es sich um eine funktionierende Familie handelt, in der Gedankenaustausch stattfindet, das Kind sozial integriert ist und Freunde hat, dann sehe ich es nicht als problematisch an, wenn das Kind mal ein solches Spiel spielt, das halbwegs im Altersrahmen liegt,“ sagt der Diplompsychologe.  Die Eltern sollten sich aber auch informieren und wissen, um welche Spiele es sich handelt. „Man sollte untereinander besprechen, ob und in welchem Rahmen gespielt werden darf – oder eben nicht.“ Für Kinder und Jugendliche sei es wichtig zu wissen, dass sich die Eltern für ihre Belange interessieren. Eltern sollten hingegen darüber informiert sein, was das Kind macht – und wie viel Zeit es mit Videospielen verbringt. „Auch medienfreie Zeit ist wichtig“, sagt Langer.

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