Organspende

Verbraucher | Volle Kanne - Organspende

Die Organspende ist in den vergangenen Jahren in Verruf gekommen, wodurch auch die Anzahl an Spendern gesunken ist. Viele Menschen sind verunsichert und gleichzeitig unzureichend aufgeklärt.

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.03.2019, 09:05

Die Gründe für die sinkende Anzahl an Organspendern sind vielschichtig. „Eine Ursache liegt darin, dass auf Intensivstationen die Therapien bei aussichtsloser Prognose häufiger begrenzt werden als früher. Untersuchungen der Krankenhäuser gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation haben gezeigt, dass in den Kliniken somit auch nicht immer an die Möglichkeit einer Organspende gedacht wird“, so die Geschäftsführende Ärztin der DSO Dr. Ana Paula Barreiros.

Ein Grund liegt auch in der Ablehnung lebensverlängernder, intensivmedizinischer Behandlungen in Patientenverfügungen. Die Weiterführung intensivmedizinischer Maßnahmen für einen begrenzten Zeitraum nach der Feststellung des Todes ist jedoch Voraussetzung für eine Organspende. In einer Patientenverfügung kann man festlegen, dass man diesen Maßnahmen für den Fall einer möglichen Organspende zustimmt. Dies ist aber nur selten eindeutig formuliert.

Wie Manipulation vermieden wird

Bei bereits aufgedeckten Manipulationsfällen ging es darum, dass Ärzte in Transplantationszentren unkorrekte Daten ihrer Patienten an die Vermittlungsstelle weitergegeben haben, damit sie schneller ein Spenderorgan erhalten. „Um dies in Zukunft zu unterbinden, wurde eine Reihe von Maßnahmen getroffen. Beispielsweise entscheidet jetzt nicht mehr ein einzelner Arzt über die Aufnahme eines Patienten auf die Warteliste, sondern eine Transplantationskonferenz, der mehrere Ärzte angehören.

Die Tätigkeit der Transplantationszentren wird regelmäßig überprüft. Es wurde eine unabhängige Vertrauensstelle zur Meldung (auch anonym) von Auffälligkeiten und Verstößen gegen das Transplantationsrecht eingerichtet. Weiterhin wurde die Einrichtung eines Transplantationsregisters beschlossen, das im Sinne der Transparenz medizinisch relevante Daten von Organspendern und Empfängern verknüpft“, erläutert Dr. Ana Paula Barreiros.

Voraussetzungen zur Organspende

Es gibt keine Altersgrenze für eine Organspende. Eine Organentnahme wird grundsätzlich ausgeschlossen, wenn beim Verstorbenen eine akute maligne Tumorerkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegen. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den vorliegenden Befunden, ob Organe für eine Entnahme infrage kommen. Man muss sich nicht untersuchen lassen, wenn man Organspender werden will. Es ist jedoch sinnvoll, bekannte Vorerkrankungen auf dem Organspendeausweis zu notieren.

Organspendeausweis
Organspendeausweis Quelle: Imago / Imagebroker / 54622105

Bevor es zu einer Organentnahme kommt, prüfen zwei dafür qualifizierte Ärzte unabhängig voneinander, ob die Gesamtfunktionen des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms unwiederbringlich ausgefallen sind. Mit dieser Diagnose wird der naturwissenschaftlich-medizinische Tod eines Menschen festgestellt. Der Zeitpunkt, zu dem diese Diagnose feststeht, wird auch als Todeszeitpunkt in den Totenschein eingetragen. Wenn es nicht zu einer Organspende kommt, werden die Maßnahmen, mit denen die Herz-Kreislauffunktion künstlich aufrechterhalten wird, beendet. Der Deutsche Ethikrat hat der Feststellung des Hirntodes als Voraussetzung für eine Organspende zugestimmt, auch die katholische und evangelische Kirche unterstützen diese Regelung.

Informationen für Jugendliche

Gemäß dem Transplantationsgesetz können sich Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr eigenständig gegen eine Organspende entscheiden – ab dem 16. Lebensjahr dafür. Wichtig ist, dass ausreichend Informationen zur Verfügung stehen, auf deren Grundlagen die Jugendlichen eine Entscheidung treffen können. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet Filme und Unterrichtsmaterialien an, deren Einsatz etwa ab dem neunten Schuljahr empfohlen werden.

Fazit

Letztendlich sollte jeder Mensch auf Grundlage seiner persönlichen, religiösen und ethischen Vorstellungen seine eigene Entscheidung zur Organspende treffen. Es gibt kein richtig oder falsch, denn es ist eine sehr persönliche Entscheidung. Wichtig ist, sich überhaupt mit der Frage nach Organspende auseinanderzusetzen, eine Entscheidung zu treffen, sie zu dokumentieren und in der Familie darüber zu sprechen. Das erleichtert es Angehörigen und Ärzten.

„Insgesamt sind - rein medizinisch betrachtet - die Organspende und Transplantation eine Erfolgsgeschichte. In den vergangenen 50 Jahren konnten in Deutschland rund 130.000 Organe erfolgreich transplantiert werden. Viele Organempfänger leben über Jahre bis sogar Jahrzehnte mit dem gespendeten Organ und feiern dankbar die Jahrestage ihrer Transplantation“, so Dr. Ana Paula Barreiros.

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