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Innere Leere? Starke Niedergeschlagenheit?

Persönlichkeitsstörung Borderline

Verbraucher | Volle Kanne - Innere Leere? Starke Niedergeschlagenheit?

Bei Borderline handelt es sich um eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung. Ohne Therapie ist diese Störung sehr gefährlich, denn mehr als fünf Prozent der Betroffenen nehmen sich aus Verzweiflung das Leben.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.03.2019, 09:05

Bei der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline – vereinfacht als „Borderline“ bezeichnet – handelt es sich um ein psychisches Krankheitsbild, das Wissenschaftler auf der „Grenzlinie“ zwischen Neurose und Psychose einordnen (daher der englische Begriff „Borderline“). Ohne Therapie ist eine Borderline-Störung sehr gefährlich: Mehr als fünf Prozent der Betroffenen nehmen sich aus Verzweiflung das Leben.

Häufigkeit 

Da die Borderline-Persönlichkeitsstörung oftmals erst spät festgestellt wird, gibt es vermutlich eine hohe Dunkelziffer. Nach Schätzungen leiden bis zu fünf Prozent aller Menschen weltweit darunter. Dabei sind mehr Frauen als Männer diagnostiziert – möglicherweise, weil Frauen eher ärztlichen Rat suchen als Männer. In der Regel beginnt eine Borderline-Störung bereits in Kindheit und Jugend.

Ursachen

Hirnforscher halten Veränderungen in bestimmten, für die Regelung von Emotionen verantwortlichen Gehirnregionen (Amygdala) für eine potenzielle Ursache. Als gesichert gilt mittlerweile die Annahme, dass traumatische Erlebnisse im frühen Kindesalter das Borderline-Syndrom auslösen können. Diskutiert werden hierzu sexueller Missbrauch, körperliche Misshandlungen, Vernachlässigung mit emotionaler Kälte oder der Verlust einer Bindungsperson wie Mutter oder Vater. Insbesondere ein extremer Gefühlswechsel gegenüber den Eltern (Liebe, aber aufgrund traumatischer Erlebnisse Hass und Angst) überfordert die Psyche des Kindes und macht es emotional instabil.

Symptome

Betroffene leiden unter einem anhaltenden Gefühl innerer Leere und starker Niedergeschlagenheit. Zu der unerklärlichen Traurigkeit kommen extreme Stimmungsschwankungen. Dabei werden starke Emotionen wie Ärger, Wut oder Angst oft nicht als solche wahrgenommen, bleiben aber unterschwellig bestehen, stauen sich immer mehr an und führen letztlich zu einem Gefühl von innerem seelischem Druck. Menschen mit Borderline berichten, dass sie unter einer permanenten inneren Anspannung stehen. Vermeintlich nichtige Ereignisse reichen dann aus, um die Stimmungslage komplett zu ändern: Der angestaute innere Druck entlädt sich dann unkontrolliert in plötzlichen Wutanfällen oder aggressiven Handlungen, was vom (gesunden) Gegenüber in der Regel als völlig übertrieben und unangemessen empfunden wird. Auch Panikattacken sind möglich. Oft werden Betroffene von anderen als unberechenbar, egozentrisch, aggressiv und extrem launisch beschrieben.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind für Menschen mit Borderline extrem schwierig. Zu einem geringen Selbstwertgefühl kommt die Angst, verlassen zu werden. "Borderliner" neigen dazu, ihren Partner zunächst zu idealisieren. Sie suchen intensive Nähe, haben aber Probleme, Vertrauen aufzubauen. In einer Partnerschaft befürchten sie dauernd, verlassen oder verraten zu werden. Wird Letzteres (für den Partner aus oft nicht nachvollziehbaren Gründen) vermutet, schlägt die extreme Zuneigung spontan in Hass um.

"Ritzen" als typisches Anzeichen?

Menschen mit Borderline-Störung zeigen zahlreiche selbst verletzende und selbst zerstörerische Verhaltensweisen. Betroffene versuchen damit die als unerträglich empfundene innere Spannung abzubauen. Das gelingt zum Beispiel mit selbst zugefügten Verletzungen der Haut (Ritzen), sich selber schlagen oder dem Ausdrücken brennender Zigaretten auf der Haut. Mit Hilfe des äußerlichen Schmerzes erhoffen "Borderliner", sich wieder normal zu spüren und den inneren Schmerz zu übertönen. Experten weisen darauf hin, dass sich das selbst schädigende Verhalten auch anders äußern kann, beispielsweise mit unkontrolliertem Geldausgeben, Umgang mit falschen Freunden, Drogenkonsum, unverantwortlich schneller Fahrweise, dem Ausüben riskanter Sportarten oder gefährlicher Sexpraktiken. Oftmals ist es sehr schwierig, ein solches Verhalten als Hinweis für eine Borderline-Störung zu deuten.

Therapie

Es gibt keine Medikamente, die gegen die Borderline-Störung als solche wirken. Es können lediglich Begleitsymptome wie Depressionen behandelt werden. Als erfolgversprechend gelten Gesprächs- und Verhaltenstherapien bei auf Borderline spezialisierten Psychotherapeuten. Ein Therapieansatz ist die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT). Damit lernen Betroffene, ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten und überschießende Reaktionen mit gezielten Verhaltensweisen aufzuhalten. Wird die innere Spannung als zu groß empfunden, greifen Betroffene auf so genannte Skills zurück, mit denen sie den Druck auf ungefährliche Art abbauen. Die Skills können individuell sehr unterschiedlich sein – eiskaltes Wasser, Sprintläufe, das Beißen in eine Chilischote, Auftragen einer erwärmenden Salbe sind nur einige Beispiele.

Ein Achtsamkeitstraining hilft Borderline-Patienten, ihre Umwelt gezielt wahrzunehmen und eigene Gefühle besser zu erspüren. Zudem soll die Selbstsicherheit im Umgang mit anderen gestärkt und selbst schädigende Denkmuster (wie "ich bin es nicht wert" oder "ich kann nichts") durch positive Denkansätze ersetzt werden. Häufig beinhaltet die Psychotherapie auch traumatherapeutische Elemente. Damit werden mögliche traumatische Erlebnisse (oft aus der Kindheit) ermittelt und versucht, diese zu bewältigen.

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