Diagnose Epilepsie

Viele wissen nicht, wie sie sich bei einem epileptischen Anfall richtig verhalten sollen. Vor allem Eltern stehen dieser Diagnose häufig besorgt und hilflos gegenüber. Wie können sie helfen? Und welche Veränderungen kommen auf die Familie zu?

5 min
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05.10.2020
05.10.2020
Video verfügbar bis 05.10.2021

Die Epilepsie stellt die häufigste chronische Erkrankung des Zentralnervensystems dar. Dabei werden verschiedene Ausprägungen der Erkrankung unter einem Oberbegriff zusammengefasst. Sie alle haben das wiederholte Auftreten epileptischer Anfälle gemeinsam.

Ursachen und Symptome

Die genaue Ursache (oder Verkettung von Auslösern) einer Epilepsie ist noch unbekannt. Sicher ist, dass Veränderungen im Bau oder Stoffwechsel von Nervenzellen eine Anfallsbereitschaft begünstigen.
Experten gehen davon aus, dass bei einem Anfall mehrere Auslöser wie begünstigende Anlagen, hirnorganische Störungen, Infektionen, Stress, altersgebundene Reifungsvorgänge und starke Reizungen einzelner Sinne zusammenwirken können. Auch Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum können eine Rolle bei der Entstehung spielen.

Epilepsie ist keine Erbkrankheit, allerdings kann eine erhöhte Anfallsbereitschaft vererbt werden. Es gibt viele unterschiedliche Formen dieser Krankheit, die man heute vor allem hinsichtlich des Ursprungs und der Ausprägung und Schwere der Anfälle einteilt. Dabei wird zwischen fokalen Epilepsien, die an einem begrenzten Ort im Gehirn entstehen, und generalisierten Epilepsien, bei denen der Anfall das gesamte Gehirn umfasst, unterschieden.

Mögliche Merkmale eines Anfalls können Bewusstseinsstörungen, Muskelzuckungen und Krämpfe, Wahrnehmungsstörungen, Benommenheit, Automatismen, Erröten, Speichelfluss, Herzstolpern oder Schweißausbrüche sein. Die Anfälle können lediglich Sekunden anhalten, aber auch in einen lebensgefährlichen Dauerzustand übergehen („status epilepticus“).

Diagnose

Für eine möglichst genaue Beurteilung von Epilepsie und Anfällen durch einen Neurologen ist die genaue Schilderung der Symptome von entscheidender Bedeutung. Videoaufnahmen können sehr hilfreich sein. Besonders wichtig ist die Untersuchung mit einem Elektroenzephalogramm (EEG), das in der Regel auch in anfallsfreien Zeiten viele Hinweise auf die Vorgänge im Gehirn liefern kann. Ein Langzeit-EEG oder eine Ableitung im Schlaf können die Diagnose weiter erhärten.

Wird eine Schädigung des Gehirns oder ein Tumor als Ursache vermutet, erfolgen in der Regel weitere Untersuchungen im CT oder im MRT zur genauen Lokalisation. Für die Diagnostik gibt es in Deutschland einige spezialisierte Epilepsie-Zentren.

Therapie und Prognose

Bei einem Anfall heißt es für Außenstehende Ruhe zu bewahren. Gegenstände, die eine Verletzungsgefahr bedeuten könnten, sollten außer Reichweite gelegt werden. Der oder die Betroffene sollte nach dem Anfall in die stabile Seitenlage gebracht und auf ein Kissen gebettet werden.
Wichtig ist, den Anfall laufen zu lassen und nicht mit Gewalt einzugreifen. Manche Epileptiker können Maßnahmen zur Selbsthilfe ergreifen, weil sich die Anfälle durch eine Aura ankündigen.
Bei manchen Epileptikern treten die Anfälle aber plötzlich und spontan auf. Dann kann es zu gefährlichen Sturzverletzungen kommen. Bei schweren Anfällen (Grand mal) kann durch Probleme mit der Atmung zudem ein medizinischer Notfall entstehen.

Wichtig ist für Außenstehende auch, beengende Kleidung (Knöpfe, Gürtel etc.) vorsichtig zu lösen und den Anfall abzuwarten. Sollte er länger als fünf Minuten andauern, sollte unbedingt ein Notarzt gerufen werden. Das Ziel bei der Behandlung einer Epilepsie ist immer, zuerst medikamentös (es stehen unterschiedliche Wirkstoffe für die Behandlung zur Verfügung) weitestgehend Anfallsfreiheit zu erzielen. Gegebenenfalls wird die Dosierung dieser Präparate erhöht, um den Anfällen vorzubeugen. Sollte das nicht zum Ziel führen (etwa zwanzig Prozent der Betroffenen) kommt nach sorgfältiger Diagnostik ein operativer Eingriff (zur Entfernung oder Trennung betroffener Areale im Gehirn) in Frage. Außerdem stehen zur weiteren Behandlung Verfahren der Neurostimulation zur Verfügung.

Selbsthilfe

Eine Epilepsie bedeutet in der Regel eine einschneidende Diagnose für Betroffene, die gravierenden Veränderungen des Lebens mit sich bringt. Oft können Betroffene in der Folge der Anfälle zum Beispiel nicht mehr Autofahren. Bei der Berufswahl sind (gerade für junge Menschen) technische Berufe (zum Beispiel verbunden mit Arbeiten an Maschinen) nicht mehr geeignet, weil in Verbindung mit der Gefahr von Anfällen auch Verletzungsgefahr besteht.

Eine Epilepsie ist in vielen Fällen auch verbunden mit einem Grad der Behinderung und einem Behindertenausweis. Viele Betroffene benötigen in ihrem Leben viel Ruhe und Schlaf. Einige berichten von einem positiven Einfluss von Sport auf den Verlauf der Erkrankung. In Deutschland gibt es einigen Selbsthilfegruppen für Epileptiker. Viele Ärzte raten ihnen zudem auf den Verzicht des Konsums von Alkohol.

Die Epilepsie verändert aber in der Regel nicht nur das Leben des Erkrankten, sondern den Alltag der gesamten Familie oder des privaten Umfeldes. Häufig wird Eltern, Geschwistern oder Freunden viel abverlangt: Eine Epilepsie kann mit einer 24-Stunden-Betreuung verbunden sein. Auch Ängste vor Anfällen müssen überwunden werden. Eltern müssen sich Wissen über die Erkrankung aneignen, Wege finden, mit der Sorgen vor Anfällen zu leben, und auch lernen, bei Anfällen richtig zu handeln. Oft müssen viele Arztbesuche, Untersuchungen und Krankenhausaufenthalte organisiert und Hilfsmittel angeschafft werden. Das ist nicht selten eine große Belastungsprobe, auch weil pflegerische Hilfe oder Beistand bei der Organisation des Schulalltags erkämpft werden muss. Dabei können natürlich auch finanzielle Aspekte eine große Rolle spielen. Ein Hilfsmittel, das für einige Betroffene im Umgang mit einer Epilepsie mehr Freiheit und Selbstbestimmung bedeuten kann, ist ein Armband, das Körperfunktionen aufzeichnet und bei Hinweisen auf einen epileptischen Anfall Signale an den Erkrankten sendet und zugleich einen Notruf auf das Handy von Vertrauenspersonen wie Familienangehörigen absenden kann.

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