Cybermobbing bei Jugendlichen

Anzeichen erkennen und handeln

Verbraucher | Volle Kanne - Cybermobbing bei Jugendlichen

Vor allem Jugendliche missbrauchen das Internet für Verleumdungen und Mobbing. Fast jeder fünfte Schüler ist schon einmal Opfer von Cybermobbing geworden.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.12.2017, 09:05

Das Internet ist fester Bestandteil des Kinder-Alltags in Deutschland: 86 Prozent aller Kinder zwischen neun und 13 Jahren sind online, von den 14- bis 17-Jährigen bewegen sich sogar 98 Prozent im Internet. Umso schlimmer ist es, wenn das Internet für Verleumdungen und Mobbing missbraucht wird. Fast jeder fünfte Schüler ist schon einmal Opfer von Cybermobbing geworden.

Vom Schulhof ins Internet verlagert

Sozialpsychologin Catarina Katzer bestätigt, dass die Fälle von Cybermobbing in den letzten Jahren zugenommen haben. „Zudem werden die Betroffenen immer jünger“, sagt sie und ergänzt: „Wir sehen, dass es schon an Grundschulen Fälle von Cybermobbing gibt.“ Vor allem komme Cybermobbing jedoch in der Pubertät vor. Dies sei eine besonders schwierige Phase, in der sich Kinder mit sich selbst und der eigenen Identität auseinandersetzen. Die Einfachheit moderner Kommunikation und die weite Verbreitung von internetfähigen Smartphones und Tablets tue da ihr Übriges dazu.

„Das klassische Mobbing hat sich ins Internet verlagert“, sagt die Sozialpsychologin. Noch vor etwa 12 Jahren seien vor allem Jungs als Täter und Opfer in Erscheinung getreten, da internetfähige Handys noch nicht so weit verbreitet gewesen seien. Inzwischen seien Mädchen jedoch stärker involviert. Allerdings gehen Jungs und Mädchen beim Mobbing unterschiedlich vor: Während Mädchen eher mit Lügen und Verleumdungen agieren, mobben Jungs mit peinlichen Fotos und Videos. Messenger-Apps, soziale Netzwerke und Video-Portale sind dafür die idealen Plattformen.

„Die Wirkungskraft von Cybermobbing wird von den Tätern oft unterschätzt. Das ist eine neue Form von Gewalt, die mit normalem Mobbing nicht vergleichbar ist“, sagt Catarina Katzer. Man könne dieser Gewalt nicht entrinnen, es gebe keinen Schutzraum mehr, da alles innerhalb kürzester Zeit öffentlich gemacht werden könne. Angesichts dieser Tatsache sei auch ein Schulwechsel oft keine Lösung mehr. Hinzu komme: „Was einmal im Netz steht, bleibt dort auch – selbst wenn man es an der ein oder andere Stelle löscht.“ Manchmal tauchen alte Einträge Jahre später erst wieder auf. Dadurch seien die Traumatisierungen durch Cybermobbing viel schlimmer als beim Mobbing auf dem Schulhof.

Eltern mit wachem Auge und Verständnis

Eltern sollten auf Veränderungen bei ihrem Kind achten: Wird es stiller? Wird es aggressiv? Will es über bestimmte Dinge nicht sprechen? Reagiert es komisch, wenn man es auf bestimmte Themen anspricht, etwa die Whatsapp-Gruppe? Möchte es nicht mehr an sozialen Ereignissen teilnehmen und beispielsweise nicht mehr in den Sportverein gehen? Klagt es häufiger über Bauch- oder Kopfschmerzen? Dies alles können Anzeichen für Mobbing sein – müssen es aber nicht. Deshalb sei es wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern ganz klar über ihre Vermutungen sprechen. „Sie müssen dem Kind das Gefühl geben, dass es ihnen vertrauen kann, denn es wird große Angst und Scham haben, darüber zu sprechen.“ Kinder könnten auch befürchten, dass ihnen Smartphone oder Tablet weggenommen werden. Eltern sollten diese Maßnahme vermeiden, so die Expertin.

Auf keinen Fall sollte dem Opfer die Schuld an den Geschehnissen gegeben werden. Vielmehr sollten Eltern dem Kind beistehen und ihm sagen, dass sie gegen die Täter vorgehen. An der Schule sollten Ansprechpartner gesucht werden. Allerdings zeige sich in dieser Hinsicht nicht jede Schule und jeder Lehrer kooperativ, sagt die Expertin. Oftmals stießen Eltern auf Gegenwind statt auf Hilfsbereitschaft. Hilfe im Internet sei recht schwierig zu finden. Erstberatung gebe es zum Beispiel beim Online-Portal Juuuport.de; save-me-online.de sei ein bundesweites Expertenportal mit Psychologen; das Hilfe-Telefon „Nina“ (nina-info.de) könne auch lokale Anlaufstellen für Opfer von Cybermobbing nennen.

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