Mehr Leistungen für Demenzkranke

2017 tritt die nächste Stufe der Pflegereform in Kraft

Verbraucher | Volle Kanne - Mehr Leistungen für Demenzkranke

Ab Januar 2017 bekommen alle Pflegebedürftigen statt einer Pflegestufe einen Pflegegrad zugeteilt. Insbesondere die Bedürfnisse von Demenzkranken sollen dadurch gerechter berücksichtigt werden.

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7 min
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Video verfügbar bis 29.11.2017, 09:05

Bis Weihnachten sollen alle Pflegebedürftigen in Deutschland von ihrer Pflegekasse per Post über ihren neuen Pflegegrad informiert werden. Die Überleitung von Pflegestufe zu Pflegegrad erfolgt automatisch. Soviel ist sicher: Wer bisher Leistungen bekommt, wird sich durch die Reform nicht schlechter stellen – das ist gesetzlich festgelegt.

Pflegegrade statt -stufen

Die bisherigen drei Pflegestufen werden durch fünf Pflegegrade ersetzt. Die Pflegegrade eins bis vier gelten für geringe, erhebliche, schwere und schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. Für die Umstellung gilt: Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen werden automatisch in den nächst höheren Pflegegrad übergeleitet: Pflegestufe I wird in Pflegegrad 2, Pflegestufe II wird in Pflegegrad 3 übergeleitet. Menschen mit geistigen Einschränkungen und erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz kommen automatisch in den übernächsten Pflegegrad: Pflegestufe 0 (nur für Demenzkranke) wird in Pflegegrad 2, Pflegestufe II wird in Pflegegrad 4 übergeleitet. Bei Pflegegrad 5 kommen besondere Anforderungen an die pflegerische Versorgung hinzu.

Wer also bisher in Pflegestufe I 244 Euro im Monat bekommen hat, bezieht 2017 im Pflegegrad 2 316 Euro. Vor allem bei Demenzkranken mit geringem körperlichen Pflegebedarf, die zu Hause leben, fällt das Plus noch deutlicher aus: Bisher gibt es in der Pflegestufe 0 123 Euro Pflegegeld und 231 Euro für Pflegesachleistungen. Ab dem nächsten Jahr entspräche das dem Pflegegrad 2 – macht monatlich 316 Euro und 689 Euro für Leistungen eines Pflegedienstes.

Neue Begutachtungskriterien

Bei der Einordnung in einen Pflegegrad wird zukünftig mehr darauf geachtet, inwiefern der Pflegebedürftige sich noch selbst versorgen kann und wie mobil er ist. Der Hilfsbedarf soll nicht mehr in Minuten, sondern nach dem Grad der Selbstständig- beziehungsweise Unselbstständigkeit des Betroffenen berechnet werden. Basis der neuen Einstufung ist ein neuer „Pflegebedürftigkeitsbegriff“, der auch geistige und psychische Erkrankungen einbezieht. Bisher waren Demenzkranke bei der Beurteilung benachteiligt.

In die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst fließen künftig sechs Lebensbereiche zu unterschiedlichen Teilen ein:

  • Mobilität (10 Prozent)
  • kognitive und kommunikative Fähigkeiten sowie Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 Prozent)
  • Selbstversorgung, darunter fallen Ernährung und Körperpflege, (40 Prozent)
  • Bewältigung von krankheits- und therapiebedingten Anforderungen (20 Prozent)
  • Gestaltung des Alltagslebens inklusive sozialer Kontakte (15 Prozent)

Mehr oder weniger Leistung?

Für Menschen, die nach der Einführung des neuen Systems pflegebedürftig werden, könne sich im Vergleich zu den Leistungen des alten Stufen-Systems eine Verschlechterung ergeben, schätzen Experten. Bisher gab es für die Pflegestufe I monatlich 244 Euro. Ab 2017 sind für den neuen Pflegegrad 1 nur noch 125 Euro angesetzt. Das heißt, wer zukünftig Pflegeleistungen beantragt, könnte erstmal in den Pflegegrad 1 eingestuft werden. Wer aber noch in diesem Jahr in der Pflegestufe I ist, kommt automatisch in den Pflegegrad 2.

Die Leistungen für Schwerstpflegebedürftige im Heim steigen zwar, doch für Heimbewohner ohne Demenz mit Pflegestufe I oder II fallen die Leistungen ab 2017 niedriger aus. Am stärksten trifft es Heimbewohner im zukünftigen Pflegegrad 2: Sie bekommen knapp 300 Euro weniger. Das betrifft aber nur Menschen, die nach dem 1.1.2017 einen Antrag stellen. Für alle, die bereits in einem Pflegeheim sind, zahlt die Pflegekasse die Differenz an die Einrichtung.

Zuschuss für pflegende Angehörige

Tatsächlich soll die ambulante Pflege mit der Reform gestärkt werden. Dafür spricht auch, dass die Pflegeversicherung künftig für pflegende Angehörige Rentenbeiträge zahlen. Wer dafür aus dem Beruf aussteigt, soll von den Pflegekassen dauerhaft Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlt bekommen. Bislang ist das nur für sechs Monate der Fall.   

Höherer Beitragssatz

Durch die Umstellung wird mit Mehrausgaben von rund sechs Milliarden Euro gerechnet. Zur Finanzierung der Reform wird der Beitrag zur Pflegeversicherung um insgesamt 0,5 Prozentpunkte angehoben. Für die Überleitung wird einmalig mit weiteren 4,4 Milliarden gerechnet. Diese Kosten sollen aus den Rücklagen der Pflegekasse finanziert werden.

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