„Ich krieg die Krätze“

Die Hautkrankheit ist noch lange nicht ausgerottet.

Verbraucher | Volle Kanne - „Ich krieg die Krätze“

Seit Anfang des Jahres steigen die Fallzahlen einer Krankheit, die man längst besiegt glaubte. Die Krätze ist wieder da. Besonders in Nordrhein-Westfalen haben sich die Zahlen in manchen Gebieten in den letzten drei Jahren vervierfacht.

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2 min
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Video verfügbar bis 02.12.2017, 09:05

Manche Krankheiten sind durch den Volksmund fast jedem bekannt – und so verschrien, dass man damit auf keinen Fall in Kontakt kommen will. „Da krieg’ ich ja die Krätze“ ist ein solcher Spruch. Die Krätze war in Deutschland lange kein Thema mehr. In Nordrhein-Westfalen wird sie nun vielerorts wieder zum Problem: Aus Köln, Düsseldorf, Euskirchen und der Region Aachen wurde mehrere Fälle gemeldet. Die Hauterkrankung trifft übrigens oft auch sehr saubere, gepflegte Menschen.

Der Begriff „Krätze“ (medizinisch: Skabies) geht auf „sich kratzen“ zurück, da Betroffene einen heftigen Juckreiz empfinden. Krätze wird durch Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) ausgelöst, wobei die Parasiten maximal 0,4 Millimeter groß und mit bloßem Auge gerade noch wahrnehmbar sind. Sie haben sich auf den Menschen als einzigen Wirt spezialisiert. Außerhalb des Wirts, also beispielsweise auf Möbeln, können die Milben nur wenige Tage überleben. Eigentliche Erreger der Krätze sind die weiblichen Milben, die Gänge in die obere Hornschicht der Haut graben und dort Eier und Kot absondern. Nach drei Wochen schlüpfen dann die Larven, die zu Nymphen und kurze Zeit später zu geschlechtsreifen Milben werden.

Starker Juckreiz

Die Anzeichen für eine erstmalige Skabies-Infektion beginnen vier bis sechs Wochen nach dem ersten Milbenbefall. Bei erneuter Ansteckung kommen die Symptome schon nach wenigen Tagen. Die Betroffenen leiden unter einem unerträglichen Juckreiz (vor allem in der Bettwärme), der auf die Reaktion des menschlichen Immunsystems zurückgeht. Der Körper bildet gegen den Milbenbefall spezielle Immunzellen und Botenstoffe, auf die die Haut mit Jucken, Rötungen und Schwellungen reagiert. Dadurch entzünden sich die befallenen Hautpartien, was durch Kratzen verschlimmert wird.

Mikroskopisch untersuchen
Krätze entsteht vor allem an Stellen mit dünner Hornschicht wie an Handgelenken, zwischen den Fingern, im Brust- und Achselbereich und in der Genitalregion. Da einige Krätzeanzeichen auch bei anderen Hauterkrankungen wie Kontaktekzemen, Schuppenflechte oder Neurodermitis auftreten und es zudem auch unauffällige Krätzeformen gibt (gepflegte Skabies), wird die Parasiteninfektion manchmal lange nicht erkannt. Fachleute stellen die Diagnose häufig schon nach einer Untersuchung mit dem Dermatoskop (Leuchtlupe/Auflichtmikroskop). Der erfahrene Hautarzt erkennt die Gänge sowie die schemenhaften Umrisse der Milbe am Ende des Ganges.

Verschiedene Skabiesformen

Eine extrem schwere Krätzeform ist die „Borkenkrätze“ („Scabies norvegica“), die bei Kindern, alten und immungeschwächten Personen vorkommt. Sie ist überaus ansteckend und kann auch Gesicht, Kopfhaut, Rücken und Nacken befallen. Bei der „granulomatösen Krätze“ („Scabies granulomatosa“) sind die Milben durch Kratzen in tiefere Hautschichten gelangt und es bilden sich heftige Entzündungen und Knoten. Zunehmend sehen Hautärzte die Form der „gepflegten Krätze“ („larvierte Skabies“), die bei sehr sauberkeitsbewussten, häufig badenden Menschen auftritt und mit kaum auffälligen Hauterscheinungen einhergeht. Oft wird hier die Diagnose sehr spät gestellt.

Krätze wird direkt von Mensch zu Mensch durch Körperkontakt übertragen. Ein einziges begattetes Milbenweibchen reicht aus, um die Infektion auszulösen. Bettwärme begünstigt die Übertragung. Da das Ansteckungsrisiko insbesondere beim Geschlechtsverkehr hoch ist, gilt Krätze als sexuell übertragbare Erkrankung. Besondere Ansteckungsgefahr besteht, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen wie zum Beispiel in Altersheimen, Kindertagesstätten oder Jugendherbergen.

Mit Insektizid therapieren

Spezielle Medikamente sollen die Krätzmilben abtöten und vor einer erneuten Infektion schützen. In der Regel wird ein Insektizid mit dem Wirkstoff Permethrin einmalig auf die gesamte Haut außer dem Gesicht aufgetragen und dann nach zwölf Stunden abgewaschen. Anschließend sollte die gereizte Haut mit beruhigenden Lotionen gepflegt werden. Unter Umständen muss die Insektizidkur nach zwei Wochen wiederholt werden. Salben mit den Wirkstoffen Allethrin oder Benzylbenzoat müssen an drei Tagen hintereinander aufgetragen werden.

Sollte in der Familie oder im näheren Umfeld eine Person an Krätze erkrankt sein, gilt es natürlich, den engen Hautkontakt mit dem Infizierten zu vermeiden. Vorsichtshalber raten Hautärzte, alle Dinge mit direktem Hautkontakt wie Bettwäsche, Nachtkleidung oder Unterwäsche bei einer Temperatur über 60 Grad Celsius zu waschen oder für vier Tage bei einer Raumtemperatur von mindestens 20 Grad Celsius trocken zu lagern. Wichtig ist auch, nahe stehende Personen gegen den Milbenbefall zu behandeln, selbst wenn sich bei ihnen noch keine Krankheitssymptome zeigen.

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