Gefäßrisiko im Bauch

Im Falle eines Falles schnell handeln

Verbraucher | Volle Kanne - Gefäßrisiko im Bauch

Albert Einstein, Thomas Mann und Charles de Gaulle haben eines gemeinsam: Sie sind alle an einem geplatzten Bauchaortenaneurysma gestorben. Regelmäßige Kontrollen mit Ultraschall könnten das Risiko, an solch einer Gefäßaussackung zu sterben, senken.

Beitragslänge:
10 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.09.2018, 09:05

Beim Aortenaneurysma handelt es sich um die krankhafte Erweiterung der Bauchschlagader. Diese hat normalerweise einen Durchmesser von ein bis zwei Zentimetern. Ab einer Größe von drei Zentimetern nimmt das Risiko zu, dass es zu einem Platzen dieser Schlagader kommt, da der Druck auf die Gefäßwände zunimmt. Ab einer Größe von 5,5 Zentimetern ist die Gefahr eines Risses so groß, dass Gefäßchirurgen in jedem Fall zu einer sofortigen Operation raten. Denn ab diesem Durchmesser steigt das Risiko einer Ruptur exponentiell an.

Mit Ultraschall vorbeugen

Ein Bauchaortenaneurysma ist tückisch, denn es macht lange Zeit keine Beschwerden. Erst wenn es zu spät ist und es platzt, tritt der absolute Notfall ein. Nur ein Viertel der Betroffenen überlebt dies. Dabei kann ein Aneurysma durch eine Ultraschalluntersuchung schnell und sicher frühzeitig diagnostiziert werden.

Bislang gehörte diese Ultraschalluntersuchung nicht zu den gesetzlichen Krankenkassenleistungen. Daher werden die meisten Aneurysmen als Zufallsbefund diagnostiziert. Dies wird sich ab dem kommenden Jahr allerdings ändern.
Dann haben gesetzlich krankenversicherte Männer ab dem 65. Lebensjahr Anspruch auf eine Ultraschallvorsorgeuntersuchung. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, kurz DEGUM, empfiehlt, zusätzlich auch Personen mit einem besonderen Risikoprofil mittels Ultraschall zu untersuchen: Dazu gehören Diabetespatienten und Raucher ab dem 55. Lebensjahr sowie Frauen ab dem 65. Lebensjahr.

Vor- und Nachteile der Früherkennung

Die großangelegten Untersuchungen haben zwar den Vorteil, dass viele Aneurysmen frühzeitig entdeckt werden, es gibt jedoch auch Nachteile. Zum Einen kommt es zu großen finanziellen Belastungen der Krankenkassen, wenn sich jeder der 65- jährigen und älteren Männer mittels Ultraschall untersuchen lässt. Die Kosten pro Untersuchung betragen etwa 20 Euro. Zum Anderen werden durch die Untersuchungen auch kleinere Aneurysmen entdeckt, die nie Probleme machen würden.

Die Diagnose führt ausserdem bei einigen Betroffenen zu psychischen Belastungen. Dies kann sogar so weit gehen, dass beispielsweise sportliche Aktivitäten eingeschränkt werden. Die Patienten befürchten, dass bei Anstrengungen das Risiko einer Ruptur steigt. In solchen Fällen ist unter Umständen im Einzelfall auch schon eine Operation bei einem geringeren Durchmesser als 5,5 Zentimetern in Erwägung zu ziehen.

Operieren - minimalinvasiv oder mit großem Schnitt?

Die Operation eines Bauchaortenaneurysmas kann entweder minimalinvasiv oder als offene Operation mit großem Bauchschnitt durchgeführt werden. Aktuell tendieren Gefäßchirurgen in den meisten Fällen zu einem minimalinvasiven Eingriff. Denn dieser birgt ein deutlich geringeres Infektionsrisiko. Bei dem Verfahren wird unter Röntgenkontrolle eine sogenannte Stent-Prothese von den Leisten bis zum Aneurysma vorgeschoben. Dann wird die Stent-Prothese wie ein Fächer auseinander gefaltet. Ein Netz bildet sich und legt sich so an die Gefäßwand der Aorta, dass es den Druck auf diese erheblich vermindert.

Doch auch dieses minimalinvasive Verfahren birgt Nachteile. Denn in circa 15 Prozent aller Fälle muss die Stent-Prothese in einem weiteren Eingriff nochmals korrigiert werden. Außerdem gibt es aktuell noch keine Langzeiterfahrungen zur Haltbarkeit der Prothesen, die derzeit auf 15 bis 20 Jahre geschätzt wird. Egal ob schon operiert wurde oder nicht: In jedem Fall muss ein diagnostiziertes Aneurysma in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Allerdings können auch regelmäßige Kontrollen nicht verhindern, dass es zu einem Platzen oder erneutem Platzen eines Aneurysmas kommt.

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