Trotz Depression im Job

Die Rückkehr ins Berufsleben kann helfen

Verbraucher | Volle Kanne - Trotz Depression im Job

Menschen mit Depressionen leiden unter Symptomen, die einen geregelten Arbeitsalltag erschweren oder unmöglich machen. Ärzte sagen, dass die Rückkehr ins Berufsleben gut tut, Schübe verringert und sogar als Teil einer Therapie gewertet werden kann.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.11.2018, 09:05

Psychische Erkrankungen, darunter auch Depressionen, führen nicht nur zu langfristigen Krankschreibungen, sondern sind auch einer der Hauptgründe für das frühzeitige Ausscheiden aus dem Berufsleben. Nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts wird jede dritte frühzeitige Berentung durch eine dauerhafte, psychische Erkrankung verursacht.

Menschen mit Depressionen leiden unter Symptomen, die einen geregelten Arbeitsalltag erschweren oder unmöglich machen: unter anderem Antriebslosigkeit, Abgeschlagenheit, extreme Schlafstörungen oder auch Ängsten. Betroffene haben unter Umständen Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, leiden unter ihrer teilweise verringerten Leistungsfähigkeit, fürchten Kritik, kommunizieren weniger oder zeitweise gar nicht und scheuen sich davor, verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. Auch ein koordiniertes Zeitmanagement ist oft unmöglich.

Rückkehr in den Job als Therapie

Ärzte sind sich einig, dass die Rückkehr ins Berufsleben Menschen mit Depressionen gut tut, depressive Schübe verringert und sogar als Teil einer Therapie gewertet werden kann. Begründung: Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil des Erwachsenenlebens. Der tägliche Lebensrhythmus und die Alltagsstruktur können Betroffenen das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Zudem kann ein Job Anerkennung verschaffen, das Selbstwertgefühl stärken und dem Leben neue Perspektiven geben. 

Menschen mit einer Depression werden häufig über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben, weil sie sich dem Arbeitsalltag nicht gewachsen fühlen. Will ein Betroffener an die alte Arbeitsstelle zurückkehren, kann zum Beispiel die stufenweise Wiedereingliederung (auch ‚Hamburger Modell’ genannt) in Frage kommen. Diese Maßnahme, die sogar gesetzlich vorgesehen ist (§ 74 Sozialgesetzbuch SGB V, § 28 SGB IX), wird in der Regel im Anschluss an eine Rehabilitation oder einen längeren Krankenhausaufenthalt empfohlen.

Schritte der Wiedereingliederung

Dabei legt der behandelnde Arzt mit dem Arbeitnehmer einen stufenweisen Eingliederungsplan fest, der individuell auf die Situation des Patienten zugeschnitten ist. In diesem Wiedereingliederungsplan stehen unter anderem die tägliche Zahl der Arbeitsstunden und eine ärztliche Prognose, wann der Kranke seine volle Arbeitsfähigkeit erwartungsgemäß wiedererlangt. Vorgesehen ist, dass Betroffene mit wenigen Arbeitsstunden täglich beginnt und diese dann nach und nach bis zur vollen Arbeitszeit steigert. Das kann bis zu mehreren Monaten dauern.

Während dieser Wiedereingliederungsphase bekommt der Arbeitnehmer entweder weiter Krankengeld von seiner Krankenkasse oder Übergangsgeld von der Rentenversicherung. Der Betroffene gilt während dieser Zeit weiter als arbeitsunfähig erkrankt, der Arbeitgeber hat keinen Anspruch auf Arbeitsleistung. Allerdings ist der Arbeitgeber zu dieser Vereinbarung nur im Fall von Schwerbehinderten grundsätzlich verpflichtet. Wenn der alte Arbeitsplatz nicht mehr verfügbar ist, bieten auch die bundesweiten Berufsförderungswerke oder Integrationsfachdienste Maßnahmen zur Wiedereingliederung an. Darüber hinaus gibt es psychosoziale Einrichtungen, die Betroffenen helfen, den für sie passenden Weg in die Arbeitswelt zu finden. Diese Institutionen werden unter anderem über die Arbeitsämter und die Rentenversicherung vermittelt, die vielfach auch die Kosten für die Wiedereingliederungsmaßnahmen übernehmen.

Wie kann eine Wiedereingliederung ablaufen?

Menschen, die wegen ihrer Depressionen längerfristig aus dem Beruf ausgeschieden sind, kann eine mehrwöchige Orientierungsphase helfen. Dabei sollen sie mit Hilfe von Tests unter Anleitung von Pädagogen und Psychologen herausfinden, welche beruflichen Interessen und Fähigkeiten vorhanden sind, wie es mit der Belastbarkeit aussieht und welche Art von Arbeit zum aktuellen Zeitpunkt geeignet ist (unter Umständen ist das eine andere Tätigkeit als die vormals erlernte). Dabei geht es auch darum, Schlüsselkompetenzen herauszufinden, also persönliche Stärken zu erkennen.

Unter Umständen wird Betroffenen ein persönlicher Coach (meist ein Psychologe) an die Seite gestellt, mit dem alle Erfahrungen zu persönlichen Problemen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgetauscht werden. Um die Arbeitsfähigkeit zu testen und zu trainieren, vermitteln Wiedereingliederungsinstitute oft Betriebspraktika, die sich über mehrere Monate erstrecken können. Die Praktika zeigen, welches Betätigungsfeld geeignet ist und geben Aufschlüsse über das Leistungsvermögen. Im Rahmen der Maßnahmen sind auch Seminare zu arbeitsbezogenen Themen und Bewerbungstrainings vorgesehen.

Voraussetzungen für den erfolgreichen Wiedereinstieg

Will jemand mit Depressionen in den Job zurückkehren, sollte er in der Lage sein, seinen Tag zu strukturieren, zu einer bestimmten Uhrzeit aufzustehen und in gewisser Weise eine Leistung zu erbringen. Das gelingt meist nur mit einer begleitenden Therapie, wozu eine regelmäßige Psychotherapie, aber bei mittel- und schwergradigen Depressionen auch die Einnahme von Medikamenten (Antidepressiva) gehören. Wichtig ist auch, Schlafstörungen in den Griff zu bekommen: Experten raten dazu, früh aufzustehen und tagsüber nicht zu schlafen, um den abendlichen Schlafdruck zu erhöhen und das Einschlafen zu erleichtern.

Seitens des Arbeitgebers und der Kollegen ist vor allem Rücksichtnahme gefragt: Trotz Therapie haben Betroffene depressive Phasen, in denen sie mitunter nur reduziert leistungsfähig sind. In diesen Phasen wären Leistungsdruck und Kritik kontraproduktiv. Besser helfen beispielsweise Absprachen, wer an diesen Tagen die Aufgaben übernimmt und wie der Betroffene seinen Arbeitstag an solchen Tagen anders organisieren kann.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.