Gefahr der eingeschränkten Atmung

Codein-haltige Hustenstiller für Kinder ungeeignet

Verbraucher | Volle Kanne - Gefahr der eingeschränkten Atmung

Ärzte dürfen Kindern keine Codein-haltigen Hustenmittel mehr verschreiben, weil es zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen kann. Alternativen dazu gibt es zwar, doch helfen die wirklich?

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.01.2017, 10:12

Wenn Kinder unter Husten leiden, ist die Auswahl an guten Hustenstillern klein. Denn viele Wirkstoffe, die diese Säften enthalten, sind für diese Altersgruppe nicht geeignet. Bislang konnte man zumindest auf Hustenstiller mit dem Wirkstoff Codein für Kinder unter zwölf Jahren zurückgreifen. Doch dieser wird mittlerweile auch als zu riskant eingestuft. Da bleibt als letzte Alternative oft nur noch der Griff zu bekannten Hausmitteln.

Zur Behandlung von Husten können zwei unterschiedliche Medikamente eingenommen werden: da sind zum einen die Hustenlöser. Diese sollen dazu beitragen, dass der Schleim abgetragen wird und die Betroffenen wieder freier atmen können. Hustenstiller hingegen sind vor allem für die Nächte gedacht, um einen ruhigen Schlaf zu gewährleisten. In vielen dieser Hustenstiller ist der Wirkstoff Codein enthalten.

Im Winter 2015 verkündete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) allerdings, dass Hustensäfte mit diesem Inhaltsstoff nicht mehr zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen herausgegeben werden dürfen. Im Zuge dessen legte das BfArM auch fest, dass alle Arzneimittel mit dem Wirkstoff einen kindersicheren Verschluss haben müssen.

Was macht Codein?

Codein wirkt, indem es durch ein körpereigenes Enzym zu Morphin umgewandelt wird. Dieses Enzym ist bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Fünf bis zehn Prozent der europäischen Bevölkerung haben eine genetische Sonderform dieses Enzyms. Sie weisen entweder einen Mangel davon auf, sodass bei ihnen kein schmerzstillender Effekt durch Codein eintritt. Diese Personen werden in der Medizin als „langsame Metabolisierer“ bezeichnet. Oder sie haben einen hohen Anteil des Enzyms im Körper und wandeln daher Codein schneller oder in größeren Mengen in Morphin um. Diese Personen werden in der Medizin als „ultraschnelle Metabolisierer“ bezeichnet.

Bei der Neubewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses stellte sich heraus, dass die tödlichen oder lebensbedrohlichen Fälle im Zusammenhang mit Codein bei Kindern auftraten, die ultraschnelle Metabolisierer waren. In ihrem Körper wurde Codein sehr schnell in Morphin umgewandelt. Der hohe Morphingehalt im Körper wirkte betäubend und führte schließlich zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie der eingeschränkten Atmung. Da keine Schnelltests zur Überprüfung auf das Vorliegen einer entsprechenden genetischen Veranlagung verfügbar sind, kann man nicht voraussehen, wie ein Patient Codein verstoffwechselt. Daher wurden Einschränkungen bei der Verwendung des Arzneimittels beschlossen.

Weitere Vorgabe des BfArM

Mädchen schläft
Der Traum aller Eltern: Wenn das Kind ruhig schläft. Quelle: imago

Neben der Vorgabe, Medikamente mit dem Wirkstoff nicht mehr an Kinder unter zwölf abzugeben, wurde vom Bundesinstitut weiter festgelegt, dass stillende Mütter kein Codein anwenden dürfen aufgrund des Risikos für Säuglinge. Für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren mit Atemwegsbeeinträchtigungen wird Codein wegen der erhöhten Anfälligkeit für Atemstörungen nicht mehr empfohlen.

Patientinnen und Patienten jeglichen Alters, die Codein sehr schnell verstoffwechseln, dürfen Codein wegen des Risikos schwerwiegender Nebenwirkungen (beispielsweise Atemprobleme) nicht mehr anwenden. Eltern und Pflegepersonal, die eines der folgenden Symptome bei Patientinnen und Patienten beobachten, die Codein anwenden, sollten die Medizin absetzen und unverzüglich ärztlichen Rat einholen: verlangsamte oder flache Atmung; Verwirrung, Müdigkeit, enge Pupillen, Übelkeit, Verstopfung oder Appetitverlust.

Alternative Hausmittel

Als klassische Hausmittel gegen Husten gelten vor allem Hühnersuppe, Kartoffelwickel und Zwiebelsirup. Besonders wirksam soll auch ein Hustensirup aus Schwarzem Rettich sein.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet