Vorsorgevollmacht – worauf es ankommt

Verbraucher | Volle Kanne - Vorsorgevollmacht – worauf es ankommt

Wenn man selbst nach einem Unfall beispielsweise nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen zu fällen - wer ist es dann? Um Irrungen und Wirrungen zu vermeiden, sollte man frühzeitig eine Vorsorgevollmacht ausstellen!

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.03.2018, 09:05

Es kann alles ganz schnell gehen: Ein Unfall, ein Schlaganfall oder eine schwere Krankheit - und von einem auf den nächsten Moment sind Sie nicht mehr in der Lage, selbst Entscheidungen zu treffen. Vor allem Verheiratete verlassen sich in solchen Situationen automatisch auf ihre Ehepartner. Doch das ist ein großer Irrtum. Denn Ehepartner sind nicht automatisch bevollmächtigt, im Interesse des Partners zu handeln oder Entscheidungen zu treffen. Sie sind nicht der gesetzliche Vertreter Ihres Ehepartners.

Doch wer kümmert sich dann um Vermögensfragen, Angelegenheiten rund ums Eigenheim oder um die Betreuungssituation? Das zuständige Amtsgericht bestellt einen sogenannten Betreuer, der sich um Ihre Angelegenheiten kümmert. Das kann zwar einer Ihrer Angehöriger sein – in der Hälfte aller Fälle ist dies aber eine völlig fremde Person.

Dem können Sie zuvorkommen, indem Sie eine Vorsorgevollmacht abschließen und selbst entscheiden, wer Ihre Entscheidungen treffen soll, wenn Sie es nicht mehr können. Mit einer Vorsorgevollmacht können Sie also vermeiden, dass es zu einem Betreuungsverfahren vor Gericht kommt. Sie bestimmen selbst Ihren Vertreter.

Was regelt die Vollmacht?

Eine Vorsorgevollmacht regelt verbindlich unter anderem gesundheitliche Angelegenheiten, Fragen zu Ihrer Unterbringung und Wohnung, die Verwaltung Ihres Vermögens, Ihrer Post und die Vertretung vor Behörden.

Beachten Sie: Eine Vorsorgevollmacht ist keine Patientenverfügung. Diese sollten Sie zusätzlich abschließen, damit die Ärzte und Ihr Bevollmächtigter im Notfall genau wissen, welche lebenserhaltenden Maßnahmen Sie wünschen – und welche nicht.

Vertrauensperson

Die Person, die Sie mit diesen Aufgaben bevollmächtigen, sollte Ihr uneingeschränktes Vertrauen genießen und mit der Bevollmächtigung einverstanden sein. Sprechen Sie mit Ihrer Vertrauensperson vorher alles genau durch. Fragen Sie sie, ob sie sich diese wichtige Aufgabe auch zutraut.

Wenn Sie mehrere enge Vertrauenspersonen in ihrem Umfeld haben, können Sie auch mehrere Vertraute bevollmächtigen und mit verschiedenen Aufgabenbereichen betrauen. Falls sich beispielsweise Ihre Tochter im Pflegebereich gut auskennt, Ihr Sohn aber mit Finanzen gut vertraut ist, könnten Sie die Tochter bevollmächtigen, Ihre gesundheitlichen und pflegerischen Angelegenheiten zu übernehmen, Ihr Sohn könnte der Bevollmächtigte für Vermögensfragen werden. Dann sollten Sie aber auch zwei verschiedene Vorsorgevollmachten erstellen: eine für die Tochter und den Gesundheitsbereich, eine für den Sohn und Ihr Vermögen.

Immer schriftlich!

Verfassen Sie die Vorsorgevollmacht in jedem Fall immer schriftlich und so ausführlich wie möglich! Sie ist nur mit Ihrer Unterschrift gültig und rechtssicher. Um keine Fehler zu machen, sollten Sie sich an offiziellen Vordrucken orientieren. Diese erhalten Sie unter anderem bei der Stiftung Warentest, den Verbraucherzentralen oder kostenlos zum Download beim Bundesjustizministerium.

Beratung zur Vorsorgevollmacht

Falls Sie unsicher sind, können Sie sich selbstverständlich auch zum Thema Vorsorgevollmacht beraten lassen. Beratung finden Sie unter anderem bei folgenden Anlaufstellen:

Die sogenannten Betreuungsvereine haben zum einen die Aufgabe, Betreuer zu vermitteln. Gleichzeitig informieren sie aber auch über Vorsorgevollmachten und Betreuungsverfügungen. Welche Betreuungsvereine es in Ihrem Wohnort gibt und wie Sie diese kontaktieren können, erfahren Sie bei der örtlichen Betreuungsbehörde.

Informationsveranstaltungen und persönliche Beratungsgespräche bieten auch die Verbraucherzentralen in Ihrer Nähe an. Infoveranstaltungen sind in der Regel kostenlos. Die Preise für eine persönliche Beratung variieren von Verbraucherzentrale zu Verbraucherzentrale zwischen 60 und 110 Euro.

Auch Rechtsanwälte und Notare stehen Ihnen bei diesem Thema zur Verfügung. Eine Erstberatung beim Rechtsanwalt kostet in der Regel maximal 230 Euro. Gerade Fachanwälte für Erbrecht bieten häufig eine Rundum-Beratung an. Dann können Sie sich nicht nur zur Vorsorgevollmacht, sondern auch über Nachlassregelungen informieren und ein Testament erstellen lassen. Im Anschluss an das Beratungsgespräch erstellt der Rechtsanwalt dann eine individuelle Vollmacht für Sie, die Sie nur noch unterzeichnen müssen.

Vorsorgevollmacht aufbewahren und registrieren

Bewahren Sie die Vorsorgevollmacht im Original am besten zuhause in einem Notfallordner auf, zu welchem der Bevollmächtigte Zugriff hat. Übergeben Sie ihm zusätzlich Kopien aller wichtigen Unterlagen!

Wirksamkeit der Vorsorgevollmacht

Eine Vorsorgevollmacht ist mit Ihrer Unterschrift, Ort und Datum der Erstellung gültig. Für einige Fälle reicht Ihre bloße Unterschrift aber nicht aus. Banken benötigen beispielsweise eine spezielle Bankvollmacht, um Ihrer Vertrauensperson den Zugriff auf Ihre Konten zu gewähren. Ein Formular für eine solche Bankvollmacht erhalten Sie in der Regel direkt bei Ihrer Hausbank.

Notarielle Beurkundung

Wenn Sie Ihre Vorsorgevollmacht notariell beurkunden lassen, wird sie jedoch in aller Regel auch von Banken akzeptiert. Auch empfehlenswert ist dieser Schritt, wenn Ihre Vertrauensperson ein größeres Vermögen verwalten soll. Notwendig ist die notarielle Beurkundung sogar dann, wenn Ihr Bevollmächtigter befugt sein soll, einen Kredit aufzunehmen.

Falls Sie eine Immobilie oder ein Grundstück besitzen und Ihr Bevollmächtigter berechtigt sein soll, dieses Grundstück in Ihrem Namen zu veräußern, sollten Sie Ihre Vorsorgevollmacht beglaubigen lassen. Dies darf ebenfalls der Notar. Eine solche Beglaubigung erhalten Sie aber beispielsweise auch bei der örtlichen Betreuungsbehörde. Der Vorgang kostet dort rund 10 Euro.

Achtung: Der Gang zum Notar ist nicht günstig. Die Kosten für eine solche Beurkundung sind abhängig von der Höhe Ihres Vermögens. Auf der Webseite der Bundesnotarkammer finden Sie ein Beispiel, wie sich die Kosten für eine Vollmachtsbeurkundung berechnen.

Patientenverfügung

Wichtig: Mit der Vorsorgevollmacht bestimmen Sie, welche Vertrauensperson Ihre Gesundheitsangelegenheiten regeln und mit Ärzten kommunizieren soll. Aber: Welche Behandlungen Sie möchten und welche medizinischen Maßnahmen Sie ablehnen, steht in einer Patientenverfügung. Diese sollten Sie zusätzlich zur Vorsorgevollmacht abschließen!

Falls Sie nur die Vorsorgevollmacht haben, aber keine Patientenverfügung, wird Ihr Bevollmächtigter im Zweifel über Ihren medizinischen Willen mutmaßen und entsprechend in Behandlungen einwilligen oder Maßnahmen ablehnen. Mit einer Patientenverfügung machen Sie es auch Ihrer Vertrauensperson im Zweifel einfacher. Ob Sie eine solche Verfügung abschließen, bleibt Ihnen selbst überlassen.

Was passiert?

Kaum jemand möchte sich gedanklich in die Lage versetzen, wie es wohl ist, wenn man im Endstadium einer unheilbaren Krankheit angekommen und nicht mehr ansprechbar ist. Oder wenn man irgendwann einmal an Demenz erkrankt sein sollte und selbst nicht mehr weiß, was man eigentlich möchte. Aber es kann sehr hilfreich sein, sich mit diesen Gedanken auseinanderzusetzen und sich in gesunden Tagen zu fragen: Was möchte ich, wenn diese oder jene Situation eintreffen sollte. Denn: Ärzte müssen sich an Ihren Willen halten – egal, ob Sie ihn direkt aussprechen oder bindend schriftlich in einer Patientenverfügung verfasst haben.

Wichtig: Geben Sie in einer Patientenverfügung so genau wie möglich an, in welcher Krankheitssituation, Sie welche Behandlungen wünschen oder ablehnen. Nehmen Sie sich Zeit und sprechen Sie mit einem Arzt Ihres Vertrauens!

Beachten Sie: Falls Sie Ihre Patientenverfügung vor Juli 2016 verfasst haben, sollten Sie Ihre Verfügung noch einmal genau durchlesen! Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Formulierungen wie „lebenserhaltende Maßnahmen“ zu unkonkret seien. Viele Patientenverfügungen verlieren aufgrund solch unkonkreter Formulierungen ihre Wirksamkeit.

Betreuungsverfügung

Der Unterschied zwischen einer Vorsorgevollmacht und der Betreuungsverfügung ist auf den ersten Blick nicht klar erkennbar. Mit der Vorsorgevollmacht bestimmen Sie, wer für Sie entscheiden soll, wenn Sie geschäftsunfähig sind. In der Regel sind diese Vertrauenspersonen die eigenen Ehepartner, Kinder, enge Freunde oder nahe Angehörige.

Für viele Alleinstehende und Personen, deren Angehörige weit weg wohnen, ist es schwierig oder gar unmöglich, eine solch enge Vertrauensperson zu finden, die die Aufgaben eines Vorsorgebevollmächtigten übernehmen könnten. Eine Vorsorgevollmacht kommt also kaum in Frage. Für sie ist eine Betreuungsverfügung eine gute Alternative.

Selbst über Betreuer entscheiden

Für den Fall, dass Sie nicht mehr handlungsfähig sind, wird das zuständige Betreuungsgericht tätig und macht sich auf die Suche nach einem Betreuer. In der Betreuungsverfügung können Sie angeben, wen Sie als gesetzlichen Betreuer wünschen – und wen nicht.

Auch für Personen, die eine Vorsorgevollmacht erstellt haben, ist eine Betreuungsverfügung als zusätzliche Absicherung empfehlenswert. Für den Fall, dass Ihre Vorsorgevollmacht doch nicht ausreicht und sich das Betreuungsgericht doch einschaltet, können auch Sie einen Wunsch hinsichtlich Ihres gesetzlichen Betreuers angeben.

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