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Wann müssen die Mandeln raus?

Ständige Mandelentzündung, oft auch vereitert: Fast jedes Mal ist ein Antibiotikum nötig. Doch ab wann müssen die Mandeln raus? Gibt es mittlerweile noch andere Möglichkeiten? Warum entzünden sich ausgerechnet die Mandeln immer wieder?

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.09.2020

Der Mensch besitzt im weichen Gaumen zwei Mandeln, medizinisch auch als Tonsillen bezeichnet. Sie gehören zu den lymphatischen Organen und sind im Normalzustand etwa ein bis eineinhalb Zentimeter groß.

Die Mandeln dienen der Immunabwehr. Durch ihre Position kommen sehr viele Krankheitserreger an den Gaumenmandeln vorbei. Die sich dort befindenden weißen Blutkörperchen bilden viele unterschiedliche Antikörper und alarmieren die entsprechenden Abwehrzellen zur Bekämpfung des Erregers.

Wann müssen die Mandeln raus?

HNO - Arzt schaut Frau in Hals
Quelle: imagoPanthermedia

Früher hat man die Mandeln bei Anzeichen von Entzündungen sehr schnell herausgenommen. Doch seit einigen Jahren gibt es eine ärztliche Leitlinie, die besagt, dass eine operative Verkleinerung oder Entfernung erst bei einer Häufigkeit von sechs ärztlich diagnostizierten und mit Antibiotika therapierten vereiterten Mandelentzündungen pro Jahr angezeigt ist.

Bei weniger als drei vereiterten Mandelentzündungen ist eine Operation keine Option, bei drei bis fünf nur, wenn innerhalb des nächsten halben Jahres weitere Episoden auftreten. Zwei weitere Hauptindikationen sind stark vergrößerte Gaumenmandeln, die Probleme beim Schlucken und Atmen bereiten, sowie der Verdacht auf einen bösartigen Tumor.

Warum sind die Mandeln so oft entzündet?

Wenn die Mandeln ständig entzündet sind, kann es sein, dass sie aus sich heraus eine Infektionsquelle sind. Dann spricht man von einer chronischen Mandelentzündung, die immer wieder aufblühen kann und nie vollständig verschwindet.

Eine stark entzündete Mandel hat eine sehr hohe Bereitschaft, sich immer wieder zu entzünden. Dann reichen auch kleinere Impulse, um eine Entzündung erneut aufkeimen zu lassen. Die Mandeln sind dann vermutlich in ihrer Funktion stark gestört und chronisch entzündet, sodass man annehmen kann, dass sie ihre normale Aufgabe in der Immunabwehr möglicherweise nicht mehr erfüllen.

Welche Risiken hat eine Mandelentfernung?

Bei jedem Eingriff am Organismus muss man zwischen Nutzen und möglichen Komplikationen abwägen. Eine Wunde im Mund-/Rachenbereich ist aufgrund der inneren Besiedlung mit Keimen nie wirklich steril, sie heilt nicht einfach und schnell, sondern es dauert einige Tage und man hat Schmerzen und schwere Schluckbeschwerden. Es gibt ein gewisses Risiko für Blutungen, weil die Mandeln eine eigene Blutversorgung haben - und an der Stelle, an der die Blutgefäße vom tieferen Gewebe in die Mandeln übertreten, werden die Mandeln entfernt.

Anders als bei vielen anderen Operationen lässt man die Wunde nach der Mandelentfernung offen zurück, man kann an dieser Stelle keinen Wundverschluss durchführen. Die Wunde bedeckt sich dann mit Wundschorf, der sich ungefähr im Laufe der nächsten zehn Tage von selbst wieder ablöst. Das Risiko für eine Blutung ist direkt nach der Operation sowie am circa sechsten bis zehnten Tag nach der Operation am Größten, weil sich dann die Wundbeläge ablösen und dies Blutungen zur Folge haben kann. Etwa vier Prozent der Operierten haben leichtere Blutungen nach einer solchen Operation bis hin zu schwereren Blutungen, die operativ gestillt werden müssen. Zeichnet sich in der Zeit nach der Operation eine Entzündung der offenen Wundfläche ab, gibt man ggf. auch ein Antibiotikum.

Wie läuft die Operation ab?

Die Mandeln liegen im Gaumen zwischen Zungen- und Nasenrachen. Hier hat die Mandel eine eigene Bindegewebskapsel. Bei der Tonsillektomie, also der vollständigen Entfernung der Gaumenmandel, wird die Mandel samt Kapsel entfernt.

Beim Lösen der Mandeln werden kleine Blutgefäße durchtrennt, die man so gleich verödet und das Risiko für interoperativen Blutverlust entsprechend senkt.

Was darf ich essen und trinken nach einer Mandel-OP?

In den ersten Tagen nach der Mandelentfernung empfiehlt sich pürierte und weiche Kost. Auf scharfes und scharfkantiges sowie heißes Essen und Trinken sollte man erstmal komplett verzichten.

Auch kohlensäurehaltige Getränke sind tabu. Generell sollte man sich ruhig verhalten, schonen und sich nicht körperlich betätigen, um den Blutdruck nicht zu erhöhen.

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