Neue Verschlüsselung bei WhatsApp

Was bringt das Sicherheits-Update?

Verbraucher | Volle Kanne - Neue Verschlüsselung bei WhatsApp

Das Chatprogramm WhatsApp ist sicherer geworden: Alle verschickten Inhalte sind von nun an per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt.

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6 min
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Video verfügbar bis 08.04.2017, 09:56

Der weltweit verbreitete Kommunikationsdienst WhatsApp hat den Datenschutz für seine Nutzer erhöht: Für alle verschickten Inhalte gibt es nun eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Damit soll es nur noch dem Absender und dem Empfänger möglich sein, auf die verschickten Inhalte zuzugreifen – selbst WhatsApp kann eigenen Angaben zufolge die Inhalte nicht einsehen.

Text-Messages, Fotos und Videos verschicken und sogar telefonieren: Die Kommuniktaion über WhatsApp ist praktisch. Rund eine Milliarde Nutzer zählt WhatsApp weltweit: Der Dienst, der zu Facebook gehört, erfreut sich äußerst großer Beliebtheit. Die Sicherheit der über den Messaging-Dienst verschickten Inhalte stand bei Datenschützern allerdings schon länger in der Kritik.

Nun hat WhatsApp nachgebessert: Alle Inhalte, die über WhatsApp laufen, sind künftig mit einer sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt. Dadurch sollen Texte, Fotos, Videos oder Anrufe nur für die beteiligten Nutzer verfügbar sein. Auch WhatsApp selbst wird keinen Zugriff mehr darauf haben.

Ungebremste Sammelwut

„WhatsApp war in der Vergangenheit sicherlich in der Lage unsere Nachrichten auszulesen, da diese ja über die WhatsApp-Server geleitet wurden“, sagt Computerexperte Marko Bagic. Denkbar sei auch, dass beispielsweise Hacker, die sich zwischen die Kommunikation der beiden Chat-Partner geklemmt haben, den Datenverkehr bislang auslesen konnten. Dabei sei WhatsApp per se kein unsicherer Messenger-Dienst, sagt Bagic. „WhatsApp hatte schon vorher eine Verschlüsselung eingebaut, diese jedoch nicht flächendeckend ausgefahren.“ Dennoch haftete dem Dienst seit der Einverleibung durch Facebook im Jahr 2014 der Ruf an, seine Nutzer auszuspionieren.

Wie sicher die Daten bei WhatsApp nach Einführung der Verschlüsselung tatsächlich sind, werde sich Bagic zufolge noch zeigen müssen. Zunächst müssten sich Experten und Analysten intensiv mit der neu eingeführten Verschlüsselung befassen und sie auf ihre Schwachstellen prüfen. „Bisher ist die Verschlüsselung jedoch effektiv und Lücken sind zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.“ Es dürfe allerdings bezweifelt werden, dass sich mit der Einführung des Sicherheitsmerkmals etwas an der Datensammelwut von WhatsApp und Facebook ändere. Marko Bagic: „Ob zum Beispiel das Adressbuch verschlüsselt bei WhatsApp archiviert wird, ist eine von vielen bisher ungeklärten Fragen.“

Behinderung bei Terrorbekämpfung?

Mit Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird WhatsApp die Inhalte auch nicht mehr an Sicherheitsbehörden weitergeben können. Eine ähnliche Politik von Apple ist zum Beispiel der US-Regierung schon lange ein Dorn im Auge.

Auch hierzulande könnten Behörden befürchten, durch die Verschlüsselung Schwierigkeiten bei der Terrorbekämpfung zu bekommen. Auf eine Art Generalschlüssel seien die Behörden aber nicht angewiesen, solange sie Zugriff auf die Meta-Daten hätten, sagt Bagic. „Diese Daten geben ihnen Auskunft darüber, wer mit wem Kontakt hatte, wie oft geschrieben wurde und von wo die Nachrichten verschickt wurden.“ Solche Daten seien automatisch verwertbar und unabhängig von der Verschlüsselung im Rahmen einer Telekommunikationsüberwachung aussagekräftig genug.

Sicherere Alternativen?

Im Bereich der Messaging-Dienste gibt es zahlreiche Alternativen zu WhatsApp, etwa das schweizerische Threema oder den deutschen Anbieter Hoccer. Der wohl markanteste Unterschied zwischen Threema und WhatsApp sei der Server-Standort, erklärt der Computer-Experte: „Während WhatsApp seine IT-Infrastruktur komplett in den USA und damit auch außerhalb der Reichweite europäischer Behörden hat, befinden sich die Threema-Server in der Schweiz.

Im Hinblick auf die Verschlüsselung gelten beide Systeme als sicher, obwohl sie sich nie in die Karten haben gucken lassen und ihren Quellcode nicht zur Analyse an ein unabhängiges Unternehmen gegeben haben.“ Ein Unterschied sei im Preis auszumachen: Während Threema knapp drei Euro kostet, gibt es WhatsApp umsonst. „Böse Zungen würden behaupten, dass nichts im Leben kostenlos zu haben ist und sich WhatsApp das Geld an anderer Stelle von uns holen will“, gibt Bagic zu bedenken.

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