Auf Kundenfang mit „Cold Calls“

Was hilft gegen unerlaubte Telefonwerbung?

Verbraucher | Volle Kanne - Auf Kundenfang mit „Cold Calls“

Unerwünschte Werbeanrufe sind verboten: Doch selbst hohe Geldstrafen schrecken viele Callcenter nicht ab. Was Sie gegen lästige Telefonanrufe unternehmen können, erklärt Anwalt Michael Terhaag.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 04.04.2017, 14:00

Eigentlich dürfte es sie nicht mehr geben: ungebetene Werbeanrufe. Doch immer wieder versuchen Callcenter-Mitarbeiter auf diesem Wege etwas zu verkaufen. Seit 2009 sind „Cold Calls“ verboten. Seit 2013 gibt es hohe Strafen: Bis zu 300.000 Euro können verhängt werden. Doch das schreckt offensichtlich nicht ab. 24.455 Verbraucher haben sich im letzten Jahr bei der Bundesnetzagentur beschwert – die Dunkelziffer ist deutlich höher.

Der Begriff „Cold Call“ bedeutet, dass man von einem Anruf „kalt erwischt“ wird, ohne Vorankündigung oder Vorwarnung. Solche Anrufe sind seit 2009 verboten. Sie stellen einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht dar – es sei denn, der Angerufene hat vorher ausdrücklich erklärt, mit Telefonwerbung einverstanden zu sein. Oftmals erteilen Verbraucher diese Zustimmung unbewusst, etwa im Rahmen einer Gewinnspielteilnahme oder Verlosung.

Zudem zeigen sich einige Callcenter erfindungsreich – und täuschen beim ersten Anruf eine Umfrage vor. Am Ende der Telefonumfrage kann man dem erneuten Anruf eines „freundlichen Kollegen“ zustimmen. Erst bei diesem zweiten Anruf wird dann ein Produkt aufgeschwatzt. Ein raffinierter Trick, der aber illegal ist, wie Rosemarie Rodden vom Bundesverband der Verbraucherzentralen erklärt: „Das Unternehmen versucht die gesetzlichen Anforderungen an die Einwilligung zu umgehen, indem sie ein Unternehmen vorschaltet, das angeblich eine Befragung durchführt, mittelbar aber bereits den Absatz fördern möchte. Das Vorgehen ist immer noch unzulässig und stellt immer noch eine unerlaubte Telefonwerbung dar.“

Beweise sichern

Im Fall eines unerwünschten Anrufs empfiehlt Rechtsanwalt Michael Terhaag, um einen Vermerk zu bitten, nicht mehr angerufen zu werden. Wer gegen den Anrufer vorgehen möchte, sollte Datum, Uhrzeit, den Namen des Gesprächspartners und des Unternehmens sowie nach Möglichkeit auch eine im Display eingeblendete Telefonnummer notieren. Gut sei es auch, einen Zeugen des Telefonats zur Beweissicherung heranzuziehen, allerdings müsse man den Gesprächspartner vorher darauf hinweisen, wenn man den Lautsprecher zum Mithören einschaltet. „Nur mit genügend Beweisen hat man die Möglichkeit, rechtlich gegen den Anrufer vorzugehen“, resümiert Terhaag.

Die Verbraucherzentralen sammeln Beschwerden über unerbetene Anrufe. Hierfür gibt es ein spezielles Beschwerdeformular ( VZ NRW: Beschwerdeformular). Sollten sich Meldungen zu einem Unternehmen häufen, gehen die Verbraucherschützer gegebenenfalls rechtlich dagegen vor. Auch bei der Wettbewerbszentrale kann man "Cold Calls" melden ( Beschwerdestelle).

Schutzliste gegen unerlaubte Werbung

Eine Möglichkeit, sich im Vorfeld vor unerlaubter Werbung zu schützen, ist die Robinsonliste. Verbraucher können sich kostenlos in diese Schutzliste eintragen. Die Einträge können von seriösen Unternehmen zum verschlüsselten Abgleich ihrer Werbelisten genutzt werden, um unerwünschte Kontaktdaten zu löschen. Und natürlich kann jeder selbst Sorge tragen, indem er mit der Preisgabe seiner Daten vorsichtig ist.

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