Was ist erlaubt im Schrebergarten?

Streit gibt's meist um die Laube

Verbraucher | Volle Kanne - Was ist erlaubt im Schrebergarten?

Eine beliebte und preiswerte Alternative zum heimischen Garten, allerdings mit vielen Vorschriften: Welche Regeln im Kleingarten gelten, erklärt Jurist Patrick Nessler.

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6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.08.2017, 14:00

Einst war er Gemüsegarten für Selbstversorger, später ein Paradies für Rentner. Das piefige Image hat der Schrebergarten längst abgelegt. Kleingärten sind auch bei jungen Familien gefragt, in Ballungsräumen gibt es oft lange Wartelisten. Doch anders als im heimischen Garten gelten hier die strengen Regeln des Kleingartenvereins.

Ein Paradies für die Kleinfamilie, die zu Hause keinen Garten hat. So möchten viele den Schrebergarten heutzutage nutzen. Doch einfach die komplette Fläche als Rasen aussähen und eine Rutsche oder Pool draufstellen – das geht so nicht. Was erlaubt ist, regelt das Bundeskleingartengesetz (BKleingG). „Hintergrund des Gesetzes war ursprünglich, dass sozial Schwachen die Möglichkeit gegeben wurde, eigenes Obst und Gemüse günstig anzubauen. Deshalb ist die Pacht eines Kleingartens sehr günstig“, erklärt Anwalt Patrick Nessler, der sich auf Vereins- und Kleingartenrecht spezialisiert hat.
Um Schrebergärtner zu werden, muss man in einen Verein eintreten. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages ist regional unterschiedlich. Hinzu kommen Kosten für die Pacht. Nach Angaben der Stadt Berlin kostet die Pacht für einen Schrebergarten in der Hauptstadt maximal 36 Cent pro Quadratmeter, inklusive Mitgliedsbeitrag und Betriebskosten fallen jährlich rund 500 Euro an.

Anbau von Obst und Gemüse ist Pflicht

Als Regel für die Flächenaufteilung gilt: ein Drittel Anbau, ein Drittel Gartenlaube und ein Drittel Freizeitgestaltung. Eine gewerbliche Nutzung, das Anlegen von Monokulturen oder die reine Freizeitnutzung sind verboten.
Hund, Schildkröte oder Meerschweinchen dürfen Sie in den Schrebergarten mitbringen, müssen sie dann aber wieder mit nach Hause nehmen. Die Kleintierhaltung ist im Schrebergarten verboten. Anders sieht es bei Bienenstöcken aus, da die Bienen indirekt einen kleingärtnerischen Nutzen haben, indem sie Pflanzen bestäuben. „Dies muss natürlich auch in einem bestimmten Rahmen geschehen. Man könnte also nicht auf einer kleinen Parzelle zehn Bienenstöcke aufstellen“, relativiert Nessler.

Streitpunkt Nummer eins: die Laube

Gartenlaube
Die Gartenlaube: nicht zum dauerhaften Wohnen gedacht

Immer wieder sorgen Verstöße gegen Vereinsregeln oder Missverständnisse zwischen Nachbarn für Streit in der Schrebergartenkolonie, wie Fachanwalt Patrick Nessler aus langjähriger Praxis weiß. Dabei lasse sich ein klarer Klassiker unter den Streitthemen ausmachen: „Etwa 75 Prozent aller Streitigkeiten drehen sich um die Laube, die zu groß ist oder zu nah an der Grenze steht.“ Eine Laube darf nicht größer als 24 Quadratmeter sein. Sie dient der Unterbringung von Geräten, Lagerung von Obst, Gemüse und Saatgut und darf nicht bewohnt werden. In der Praxis kommt es aber immer wieder vor, dass Lauben wie kleine Wohnungen ausgebaut werden.
Bundesweit sei auch gerade die Spültoilette ein Thema, weiß Patrick Nessler zu berichten: „Es gab sogar Demos und eine Petition, weil es keine Spültoiletten in den Lauben geben darf.“

Skurrile Fälle

Eine Klage wegen Gartenzwergen ist dem Fachanwalt noch nicht untergekommen. Ärger habe es eher gegeben, weil die Kinder zu laut waren oder auch, weil sich Oma über die halbnackte Nachbarin beschwert, von deren Anblick Opa sich nicht losreißen kann. Nackt sonnen sei übrigens erlaubt, erklärt Nessler, so lange der Nackte nicht im direkten Blickfeld des Nachbarn liege.
Auch mit krasseren Regelverstößen hat der Anwalt immer wieder mal zu tun gehabt. Ein Beispiel: „In einem Fall hat ein Pächter den umliegenden Händlern das nicht mehr brauchbare Gemüse gegen ein Entgelt abgenommen und im Kleingarten kompostiert. Am Ende war der Garten ein einziger Komposthaufen.“ In anderen Fällen hätten Pächter mit dem Argument der kleingärtnerischen Nutzung ein Hanffeld angelegt oder die Kleingartenlaube als Bordell genutzt.

Räumung ist langwierig

Allerdings ist es für die Vereine meist gar nicht so leicht, Pächter, die sich nicht an die Regeln halten, wieder loszuwerden – auch bei groben Verstößen, etwa wenn der Garten komplett vermüllt ist. „Wenn der Verein das Pachtverhältnis gekündigt hat, verliert der Pächter zwar mit Ende der Kündigungsfrist das Pachtrecht. Laut Bundeskleingartengesetz ist er aber dennoch solange „Besitzer“, bis er entweder freiwillig den Garten zurückgibt oder der Verein eine Räumungsklage erzielt hat und durch einen Gerichtsvollzieher wieder in den Besitz gesetzt wurde. Und das kann dauern.“, so Nessler.

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