Ärztefehler - was nun?

Das richtige Vorgehen bei einem Anfangsverdacht

Verbraucher | Volle Kanne - Ärztefehler - was nun?

Auch Ärzten unterlaufen Fehler. Mediziner Dr. Christoph Specht erklärt, was Patienten unternehmen können, wenn es zum Behandlungsfehler kommt.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.04.2017, 14:00

Überflüssige Operationen, falsche Diagnosen und Behandlungsfehler: Immer wieder kommt es vor, dass Ärzte den Krankheitsverlauf verschlimmern, statt zu heilen. Zahlreiche Behandlungsfehler haben bereits zum Tod geführt. Patienten, die falsch behandelt wurden, fühlen sich häufig hilflos. Sie sollten zunächst das Gespräch mit dem verantwortlichen Arzt suchen und wenn nötig weitere Schritte einleiten.

Wenn das Ergebnis einer ärztlichen Behandlung für den Betroffenen nicht zufriedenstellend ist, kann dies die unterschiedlichsten Ursachen haben. Vielleicht war die Therapie ungeeignet, die Diagnose falsch gestellt – oder die behandelnden Ärzte haben schlichtweg einen Fehler gemacht. Wer Letzteres vermutet, sollte sich zunächst einmal von einem anderen Arzt eine zweite Meinung einholen. Gleichzeitig aber sollte bereits jetzt damit begonnen werden, alle Untersuchungen und Behandlungsschritte ausführlich zu dokumentieren – am besten in Form eines Patiententagebuchs.

Darin sollte alles notiert werden, was im Zusammenhang mit der Behandlung steht: Was wurde wann mit dem Arzt besprochen (Diagnosen, Untersuchungen)? Was wurde über den Krankheits- und Behandlungserfolg gesagt (Medikamente, Therapievorschläge)? Notieren Sie sich Namen und Anschrift eventueller Zeugen, etwa von Bettnachbarn oder deren Angehörigen. Beschaffen Sie sich darüber hinaus die Dokumentationen der Diagnosen und Behandlungen. Sie haben einen Anspruch auf die komplette Kopie Ihrer Krankenakte gegen Erstattung der Kopierkosten. Achten Sie darauf, sich schriftlich bestätigen zu lassen, dass die Unterlagen vollständig und richtig sind. Ebenfalls hilfreich sind umfangreiche Aufzeichnungen der gesamten Krankengeschichte. Je detaillierter Ihre Aufzeichnungen und Belege sind, desto besser kann Geschehenes rekonstruiert werden.

Außergerichtliche Einigung anstreben

Zunächst sollten Sie eine gütliche Einigung mit dem Arzt suchen. Der Kontakt geht in der Regel schriftlich vonstatten. Ist auch der Arzt an einer gütlichen Einigung interessiert, wird er seine Haftpflichtversicherung einschalten.

Scheitert der Versuch, können Sie sich auch an die Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen der Ärztekammern wenden. Um festzustellen, ob ein Arzt bei der Behandlung einen Fehler gemacht hat oder die ärztliche Aufklärungspflicht über Risiken verletzt hat, können Sie ein Verfahren vor der Schlichtungsstelle der Ärztekammern beantragen.

Beratungsstellen konsultieren

Die Schlichtungsstellen und Kommissionen sind mit Juristen und Ärzten, jedoch nicht mit Patientenvertretern besetzt. Alle Beteiligten müssen der Begutachtung zustimmen und können das Verfahren auch jederzeit abbrechen. Die Entscheidung ist nicht bindend und muss von keinem der Beteiligten akzeptiert werden. Das Verfahren ist für den Patienten kostenfrei. Es kann nur schriftlich beantragt werden. Wer ein Verfahren beantragt, kann nicht gleichzeitig den Rechtsweg beschreiten.

Ein negatives Gutachten der Schlichtungsstelle kann allerdings den Verlauf eines Gerichtsverfahrens für den Patienten ungünstig beeinflussen. Sie sollten daher vor Inanspruchnahme der Schlichtungsstelle den Rat eines Rechtsanwaltes oder einer Patientenberatungsstelle einholen. Darüber hinaus ist es ratsam, alle außergerichtlichen Schlichtungsmöglichkeiten wahrzunehmen, bevor der Rechtsweg beschritten wird.

Der Gang zum Rechtsanwalt

Wer einen Rechtsanwalt beauftragt, sollte darauf achten, dass dieser auf Medizin- und Patientenrecht spezialisiert ist. Das gerichtliche Verfahren sollte erst eingeleitet werden, wenn der Versuch einer Einigung, in der Regel mit der Berufshaftpflichtversicherung des Arztes oder dem Haftpflichtversicherer des Krankenhauses, fehlgeschlagen ist. Sollen die Kosten von einer Rechtsschutzversicherung übernommen werden, muss die Versicherung bereits vor der Behandlung abgeschlossen worden sein. In der Regel gilt zudem eine Sperrfrist von drei Monaten.

Unter Umständen kommt auch die Gewährung von Prozesskostenhilfe infrage, wenn das Einkommen des Patienten niedrig ist und die Klage hinreichende Aussicht auf Erfolg hat. Doch Vorsicht: Wer den Prozess verliert, muss die Kosten der Gegenseite übernehmen. Beim Strafverfahren sind die Erfolgschancen für die Patienten verschwindend gering. Im Zivilverfahren liegen sie um 50 Prozent. Sie müssen aber einen langen Atem haben. Daher empfiehlt es sich, keine Strafanzeige zu stellen, sondern sich außergerichtlich zu einigen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet