Tannenkauf mit gutem Gewissen

Tipps zum Weihnachtsbaum von Elmar Mai

Verbraucher | Volle Kanne - Tannenkauf mit gutem Gewissen

Pflanzenexperte Elmar Mai weiß, worauf man achten muss, wenn man einen nachhaltig gezüchteten Weihnachtsbaum möchte.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.12.2016, 10:40

Alle Jahre wieder werden allein in Deutschland viele Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Die meisten handelsüblichen Tannen werden unter prekären Bedingungen gezüchtet – ganz zu schweigen von dem Müll, der durch sie produziert wird. Pflanzenexperte Elmar Mai weiß, wie man den Tannenkauf nachhaltiger gestalten kann.

Weihnachtsbaumkulturen bedeuten immer häufiger auch ökologische Probleme: Viele Waldflächen gehen zu Lasten von Weihnachtsbaumkulturen verloren. „Weihnachten werden Millionen von Tannenbäumen benötigt, die gerade mal eine oder zwei Wochen im Wohnzimmer stehen und schließlich Tonnen von Müll erzeugen“, gibt Elmar Mai zu bedenken. Bei klassischen Weihnachtsbaumkulturen werden zudem viele Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die der Umwelt ebenfalls schaden.

Es gibt verschiedene Siegel bei den heimischen Weihnachtsbäumen, die darauf hinweisen, dass der Baum unter umweltverträglichen Bedingungen kultiviert wurde. Nicht jedes Siegel bedeutet eine „Bio“-Zertifizierung der Weihnachtsbaumkultur nach den Regeln des ökologischen Landbaus. Das internationale FSC-Gütezeichen beispielsweise ist kein Öko-Siegel, steht aber für eine verantwortungsvolle Forstwirtschaft.

Frisch, gut versorgt und lange haltbar

Ob der Baum frisch ist, kann man daran erkennen:

• Schütteltest: den Baum kräftig schütteln. Ein frischer Baum verliert keine Nadeln.
• Kratztest: ein Stückchen Rinde abkratzen. Das Holz eines frischen Baums ist darunter noch feucht.
• Streichtest: von innen nach außen über die Nadeln streichen. Der frische Baum behält seine Nadeln.
• Farbe der Schnittstelle: Ist sie braun und verharzt, ist der Baum schon länger unterwegs – nur wenn sie fast weiß ist, wurde der Baum erst kürzlich geschlagen.

Nach dem Kauf sollte der Tannenbaum gleich versorgt werden. Dazu das Stammende frisch mit einer scharfen Säge glatt anschneiden, den Baum sofort in einen Eimer mit Wasser stellen und so lange wie möglich draußen im Schatten lagern.  Der Ständer sollte ebenfalls einen Wasservorrat aufnehmen können. Weihnachtsbäume brauchen jeden Tag ein bis zwei Liter Wasser. „Um einen Weihnachtsbaum aufzustellen, spitzen viele den Stamm ein und entfernen dabei die Rinde. Doch genau das sollte man nicht tun. Ein Baum kann nur Wasser aufnehmen, wenn die Grenzschicht zwischen Holz und Rinde intakt bleibt“, warnt Elmar Mai.

Brandgefährlich

Die Bäume trocknen im Zimmer schnell aus. Das ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern auch ein Sicherheitsrisiko. Trockene Bäume stellen eine erhöhte Brandgefahr dar, vor allem bei der Verwendung von Wachskerzen. Trockene Bäume können regelrecht explodieren, weil sie viel Harz enthalten – auch deshalb die Bäume immer gut wässern.

Problem Nordmanntanne

Wer eine Nordmanntanne kauft, sollte wissen: Diese Bäume werden aus Samen gezogen, die fast ausschließlich in Georgien geerntet werden, dem Hauptverbreitungsgebiet dieser Art. Aber dort werden die Menschen für Billiglöhne ausgebeutet, die mit harter Arbeit und unter Einsatz ihrer Gesundheit oder sogar ihres Lebens ungesichert in die Bäume steigen müssen, um Zapfen zu pflücken.

Der Ursprung der Nordmanntannen liegt im Kaukasus, wo auch ein Großteil des Saatgutes für Weihnachtsbäume gewonnen wird. Organisationen wie "Fair Trees" setzen sich für die Arbeitssicherheit und die faire Bezahlung der Zapfenpflücker ein. Weitere Informationen zu fair gehandelten Weihnachtsbäumen unter: Fair Trade Weihnachtsbaum (Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich)

Weihnachtsbaum im Topf

Wer einen Baum draußen im Garten oder auf dem Balkon aufstellen möchte, kann als Alternative einen Baum im Topf wählen, der trocknet auch nicht so schnell aus. „Doch man sollte aufpassen: Weihnachtsbäume im Topf wurden im Wald gerodet und mit ein paar Wurzelstümpfen in einen Topf gepresst“, erklärt Elmar Mai. "Diese Bäume sind nicht überlebensfähig. Daher lohnt sich der Gang in eine gute Baumschule. Die Bäume werden dort in Containern kultiviert. Sie überleben es auch, wenn sie für ein paar Tage ins Zimmer gestellt werden – aber eben nicht übermäßig lange."

Nach wenigen Tagen sollten sie wieder nach draußen. Wer einen Garten hat, kann sie entweder gleich oder nach ein paar Jahren, wenn sie im Kübel zu groß geworden sind, in den Garten pflanzen. Es gibt mittlerweile eine schöne Auswahl an dekorativen Nadelbäumen, die auch im Garten einen großen Zierwert haben, ohne einem gleich über den Kopf zu wachsen.

An Zimmerwärme gewöhnen

Im Winter befindet sich der Baum in Vegetationsruhe. Durch das Hereinholen ins Zimmer erlebt er aber übergangslos einen Wärmeschock, um dann einen weiteren Kälteschock zu bekommen, wenn er anschließend wieder ins Freie kommt. Das bedeutet für den Baum Stress, der möglichst gemildert werden sollte.

Gewöhnen Sie den Baum langsam an den Temperaturwechsel: Draußen einige Tage an einem schattigen und windgeschützten Ort oder in einer hellen, ungeheizten Garage vor dem Wechsel ins Zimmer zwischenlagern, und nach dem Aufenthalt im Zimmer umgekehrt verfahren. Den Wurzelballen nicht austrocknen lassen und vor dem Hereinholen durchdringend gießen, im Zimmer dann jeden zweiten Tag. Einen kühlen Ort zum Aufstellen des Baumes wählen und möglichst weite Abstände zu Heizquellen halten. Den Baum zweimal täglich mit Wasser besprühen, damit die Nadeln nicht austrocknen. Den Verbleib im Zimmer möglichst kurz halten: zwei bis drei Tage sind ideal – maximal aber zehn Tage.

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