Elektrotherapie bei Rückenschmerzen

Wie mit Strom starke Schmerzen gelindert werden

Verbraucher | Volle Kanne - Elektrotherapie bei Rückenschmerzen

Gegen Rückenschmerzen kann eine Reizstromtherapie helfen. Dabei wird die Erregungsleitung der Nervenfasern blockiert, sodass der eigentliche Schmerz nicht weitergeleitet werden kann.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.06.2017, 10:05

34 Prozent der Bevölkerung leiden unter chronischen Rückenbeschwerden. Viele Menschen schlucken gegen ihre Schmerzen Tabletten, andere lassen sich operieren. Bei Rückenschmerzen gibt es aber auch eine andere Methode: Die Schmerzen werden mit Strom gelindert. Das Kribbeln überdeckt dann den Schmerz.

Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) bekämpft Schmerzen mit Strom. Sie wird auch als Reizstromtherapie bezeichnet. Es werden hierbei elektrische Impulse über Hautelektroden auf Körperteile übertragen. Die Schmerzforscher Prof. Ronald Melzack und Prof. Patrick Wall haben diese Möglichkeit der Schmerzlinderung entdeckt. In den 1960er-Jahren entwarfen sie die sogenannte Kontrollschrankentheorie, die zeigt, dass ein Schmerzreiz auf dem Weg zum Gehirn im Rückenmark auf eine andere Nervenzelle umgeschaltet wird. Aus dieser Theorie entwickelten die beiden Wissenschaftler dann das TENS-Verfahren.

Wie funktioniert die Reizstromtherapie?

Der durch ein Stimulationsgerät erzeugte Reizstrom blockiert die Erregungsleitung der Nervenfasern, so dass der Schmerz nicht weitergeleitet werden kann, erklärt Prof. Dr. Hans-Raimund Casser, Ärztlicher Direktor des DRK Schmerz-Zentrums: „Im Prinzip ist es so ein Gegenschmerz, der gesetzt wird, eine Gegenerregung. Es werden die Nerven gereizt, durch das TENS-Gerät. Diese überlagern damit den eigentlichen Schmerz.“ TENS wird als Begleittherapie empfohlen, um Beschwerden sofort und für kurze Zeit zu lindern. Die TENS-Geräte werden mit einer Batterie betrieben und können direkt am Körper getragen werden.

Zunächst sollte eine Einweisung des Therapeuten erfolgen. Gezeigt wird, wo genau die Elektroden aufgeklebt werden müssen, manch ein Therapeut markiert die Stellen auch mit einem wasserfesten Stift. Denn jeder Schmerz ist individuell und auch die Schmerzpunkte, an denen der Strom angewendet werden kann. Danach können die Patienten die Geräte auch zu Hause alleine verwenden. Mit Frequenzen zwischen 50 und 150 Hertz und mittlerer Stromstärke werden akute und örtliche Schmerzen für kurze Zeit gelindert. Für eine längere Wirkung werden niedrige Frequenzen und eine hohe Stromstärke verwendet.

Für wen eignet sich die TENS-Therapie?

Die TENS-Therapie eignet sich für Patienten mit Rückenschmerzen, die mit Nervenschmerzen einhergehen, vor allem Beschwerden im Lendenwirbelbereich, die ins Bein ausstrahlen. Besonders chronische Schmerzpatienten profitieren sehr von der sogenannten multimodalen Schmerztherapie, die in spezialisierten Zentren angeboten wird. Auch hier kommt TENS zum Einsatz – in Kombination mit Physiotherapie, Ergotherapie, Ausdauertraining, Entspannung, psychologischer Betreuung und medikamentöser Behandlung.

In der Regel übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Geräte, die den Patienten dann für einige Monate ausgeliehen werden. Nur eine geringe Zuzahlung ist meist zu leisten. Im Internet gibt es viele Angebote für TENS-Geräte zu kleinen Preisen. Sich selbst zu therapieren, ohne ärztliche Einweisung, ist aber nicht zu empfehlen.

Stimulation des Rückenmarks

Die Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS) benutzt elektrische Impulse, um bestimmte Nervenfasern entlang des Rückenmarks anzuregen, damit der Schmerz nicht mehr an das Gehirn übertragen werden kann. Hierzu werden aber keine Elektroden aufgeklebt, sondern diese werden im Bereich der Wirbelsäule implantiert. Dort, wo vorher die starken Schmerzen empfunden wurden, wird dann nur noch ein Kribbeln verspürt. Mit einem kleinen Gerät wird von außen die Intensität geregelt.

SCS ist nur für Patienten geeignet, die schon mindestens sechs Monate chronische Schmerzen haben. Eine Methode für Härtefälle: Die Patienten sollten konservativ austherapiert sein, das heißt die Medikamente, die Physiotherapie und alle anderen Verfahren, die weniger invasiv sind, haben zu keiner entsprechenden Schmerzlinderung geführt. Es muss vorher auf jeden Fall noch festgestellt werden, dass der Schmerz keine seelische Ursache hat; dann kommen die Patienten dafür grundsätzlich in Betracht. SCS bekämpft nur den Schmerz und von daher darf eine ursächliche Behandlung nicht mehr möglich sein.

Zwei Operationen nötig

Für die Rückenmarkstimulation sind zwei Operation erforderlich. Zunächst werden in der ersten Operation die Stimulationselektroden am Rückenmark implantiert. Dies geschieht hinter dem Rückenmark, wo die Schmerzweiterleitung zum Gehirn stattfindet. Der Patient liegt dabei auf dem Bauch und in Lokalanästhesie wird ein etwa 4-5 cm großer Schnitt am Rücken gemacht. Dann wird von der Muskelfaszie aus der Spinalkanal punktiert und die Elektrode über diese Kanüle hinter dem Rückenmark kopfwärts geschoben.

Die Elektrode wird über einen externen Impulsgeber gestartet. Der Patient wird dann gefragt, ob im Schmerzbereich ein angenehmes Kribbeln auftritt. Das System funktioniert nur, wenn dieses Kribbeln tatsächlich den Schmerzbereich zumindest zu 80 Prozent abdeckt. Ist das geschafft, dann ist der erste Eingriff beendet.

Implantat des Impulsgebers

Dann wird das Kabel ausgeleitet und der Patient wird im Krankenhaus stationär mit dem externen Impulsgeber vertraut gemacht, so dass er ihn selber auch gut bedienen kann. Nach einer mehrtägigen Testphase, mit dem externen Testgerät, wird bei Erfolg dann in einem zweiten Eingriff der eigentliche Impulsgeber implantiert. Dabei wird in Vollnarkose die Elektrode mit dem Impulsgeber im Bereich des Mittelbauches unter der Haut verbunden. Am nächsten oder übernächsten Tag kann der Patient dann wieder entlassen werden.

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