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Wie viel Schutz bieten Masken?

Was die verschiedenen Schutzmasken tatsächlich leisten können, haben Krankenhaushygieniker‎ der Uni Marburg im Labor untersucht - mit durchaus überraschenden Ergebnissen.

5 min
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05.10.2020
05.10.2020
Video verfügbar bis 01.10.2021

Die AHA-Regel ist in diesem Jahr das große Thema, wenn es darum geht, sich und andere vor einer Infektion mit SARS COV 2 zu schützen: Neben dem Einhalten eines sicheren Abstands, dem Beachten von Hygienemaßnahmen, wie regelmäßigem Händewaschen, zählt dazu das Tragen von Alltagsmasken. Doch an der Frage, welche Bedeckung für Mund und Nase besonders gut geeignet ist, um sich und andere vor einer Infektion mit SARS COV 2 zu schützen, scheiden sich die Geister. Verschiedene Standpunkte treffen aufeinander, die bis heute viele Menschen verunsichern.

Tests zur Schutzleistung

Auch für Krankenhaushygieniker Prof. Dr. Frank Günther und Christian Sterr vom Universitätsklinikum Marburg (UKGM) stellten sich im Frühjahr 2020 die Fragen: Wie gut schützen selbst genähte Community-Masken den Träger und sein Gegenüber vor einer Infektion? Welche Rolle spielt das Material und die Passform? Welchen Wert hat das Tragen von einem medizinischen Mund-Nasen-Schutz, wenn man keinen Abstand halten kann? Und wie sinnvoll ist das Tragen von Atemschutzmasken der Filterklassen FFP2 oder FFP3 in bestimmten Situationen?

In einem eigens konstruierten Versuchsaufbau, der internationalen wissenschaftlichen Standards entspricht, haben sie angefangen, verschiedenste Exemplare so realitätsnah wie möglich zu testen. Dabei sollte nicht nur die Filterleistung des Materials bestimmt werden, sondern auch die Rolle, die der Sitz und die Passform beim Tragen spielt – sowohl für den Träger als auch für sein Gegenüber. 

Passform entscheidend

Über Monate haben die Hygiene-Spezialisten in Marburg hunderte Masken überprüft – mit durchaus überraschenden Ergebnissen: Bei allen Maskenvarianten konnten sie sowohl eine Eigen- als auch eine Fremdschutzkomponente feststellen. Teilweise habe sich in den Versuchen sogar gezeigt, dass die Eigenschutz-Komponente besser ausgeprägt war als der Fremdschutz, da sich die Maske beim Einatmen an das Gesicht angelegt habe und daher am Rand besser abdichtet. Dadurch ströme dann der Großteil der Luft tatsächlich über das Filtergewebe hinein, so Prof. Dr. Frank Günther.

Die Passform ist bei den Tests in Marburg ein entscheidendes Kriterium gewesen. Je besser die Passform gewesen ist, und je weicher das Material war, desto besser war das Ergebnis der Messungen. 

Alltags- oder Community-Masken

Bei diesen Masken, die oftmals aus Stoffen selbst genäht werden, kommt es laut den Experten auf folgende Eigenschaften an:

  • Ein weicher, unbeschichteter, kochfester Baumwollstoff ist gegenüber beschichteten und starren Textilien zu bevorzugen.
  • Am besten sollten zwei bis drei Lagen des Stoffs verwendet werden, und nicht nur eine einzige, dünne Stofflage.
  • Es sollte ein flexibler, nicht zu starrer Nasenbügel eingearbeitet werden, der formstabil ist, um sich der Nase anzupassen, und der auch eine Wäsche übersteht.
  • Einlagen von zusätzlichem Filtergewebe in Community Masken haben sich nicht bewährt, weil dadurch die Maske insgesamt nicht mehr so flexibel ist, und die Passform leidet.

Die Masken sollten regelmäßig heiß gewaschen werden, sie lediglich zu Bügeln reicht nach Ansicht der beiden Experten nicht aus. Außerdem sollten durchfeuchtete Masken nicht in geschlossenen Plastikbeuteln aufbewahrt werden – es könnten sich Bakterien und Schimmelpilze vermehren.

Medizinischer Mund-Nasen-Schutz (OP-Maske)

Bei diesen Masken handelt es sich in der Regel um Schutzausrüstung für medizinisches Personal, das nur für eine einmalige Verwendung gedacht ist. Abhängig von Marke und Lieferant stießen die beiden Experten bei dieser Art von Masken zum Teil auf erhebliche Qualitätsunterschiede. Um eine möglichst hohe Schutzfunktion zu erzielen, kommt es auf Folgendes an:

  • Ein gutes Modell erkennt man daran, dass der Stoff schön weich ist und es sich gut an die Form des Gesichts anpasst.
  • Der Nasenbügel sollte sich sehr gut formen lassen. Wenn man ihn auf einer ebenen Fläche hinlegt, sollte er bleiben wie er ist – also auch an der Nase stabil geformt bleiben und diese gut umschließen.
  • Da ein medizinischer Mund-Nasenschutz als Einmalprodukt konzipiert ist, sollte er jedoch nicht länger als vier bis fünf Stunden, und nicht über mehrere Tage getragen werden.

Atemschutzmasken

Diese Art von Masken weist eine höhere Filtrationsleistung des Materials auf. Sie werden abhängig von der Schutzklasse auch als FFP2 oder FFP3 Masken bezeichnet (FFP steht dabei für „Filtering Face Piece“). In der Regel werden diese Masken auch nicht um die Ohren sondern rund um den Kopf befestigt, um einen höheren Anpressdruck an das Gesicht und damit eine geringere Leckage des Luftstroms über den Maskenrand zu erreichen. Bedingt dadurch, und durch die höhere Filtrationsleistung des Materials führt das jedoch auch zu einem geringeren Tragekomfort und zu einem erhöhten Widerstand beim Atmen. Aus diesem Grund werden in diese Art von Masken teilweise Atemventile eingebaut, die für den Träger zumindest das Ausatmen erleichtern sollen. Auf diese Weise geht allerdings der Fremdschutz komplett verloren, und die Maske schützt lediglich den Träger.

Das Tragen von Atemschutzmasken ohne Ventil zeigte auch im Vergleich zu OP-Masken einen höheren Eigen- und Fremdschutz. Doch durch ihren geringen Tragekomfort bringen diese Masken den Träger schnell an seine Grenzen. Auf folgende Punkte sollte bei Atemschutzmasken geachtet werden:

  • Nur Masken ohne Atemventil bieten neben dem Eigenschutz auch einen Fremdschutz.
  • Atemschutzmasken werden rund um den Kopf fixiert – nicht hinter den Ohren.
  • Hersteller und Zertifizierung sollten kritisch hinterfragt werden, da auch falsch deklarierte Produkte auf dem Markt sind.
  • Durch den geringeren Tragekomfort sind sie primär für kurze Einsätze in Situationen, die nachweislich ein hohes Infektionsrisiko bedeuten, geeignet.

Abschließend lässt sich sagen, dass die bisherigen Ergebnisse der Laborversuche von Prof. Dr. Frank Günther Hoffnung und Christian Sterr zeigen, dass nicht nur der Fremdschutz, sondern auch der Eigenschutz bei Community-Masken, oder medizinischem Mund-Nasen-Schutz höher sein kann, als dies bislang angenommen wurde. Inwieweit diese Masken den Träger aber im Alltag konkret vor einer Infektion mit SARS COV 2 schützen können, muss wissenschaftlich noch untersucht werden.

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