Wiederkehrende Schulterluxation

Das Gelenk springt raus – und wieder rein

Verbraucher | Volle Kanne - Wiederkehrende Schulterluxation

Meist kugelt die Schulter nach einem Unfall oder beim Sport aus. Doch bei der "wiederkehrenden Schulterluxation" kugelt sie ohne ersichtlichen Grund immer wieder aus und von alleine wieder ein.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.02.2017, 10:56

Eine ausgerenkte Schulter kennt man in erster Linie vom Sport. Bei unglücklichen Stürzen und beim Zusammenprallen mit einem (Gegen-)Spieler kann dies durchaus passieren. Allerdings gibt es auch ein anderes Krankheitsbild, bei dem die Schulter ohne Fremdeinwirkung aus dem Gelenk heraus – und wieder hinein springt.

Wenn die Schulter auskugelt, ist häufig ein Unfall die Ursache. Aber es gibt noch einen anderen Fall: Das Auskugeln kommt immer wieder vor und die Schulter springt zudem von alleine wieder an die richtige Position zurück. In diesem Fall spricht man von einer habituellen Schulterluxation. Die Luxation, das Ausrenken, ist dann in einer angeborenen Schwäche der Schulter begründet.

Wunderwerk Schulter

Das Schultergelenk ist das beweglichste Kugelgelenk des Körpers. Das liegt zum einen daran, dass der Gelenkkopf des Oberarmes kugelförmig ist. Dadurch kann sich der Arm geschmeidig in alle Richtungen bewegen, wir können einen Tennisaufschlag schmettern oder durchs Wasser kraulen. Die Schulterpfanne ist im Vergleich zum Oberarmkopf sehr klein und flach ausgebildet.

Die Stabilisierung des Gelenkes erfolgt nicht nur durch eine knöcherne Formgebung, wie das zum Bespiel bei der Hüfte der Fall ist, sondern auch durch weichteilige Strukturen. Zu diesen Strukturen zählt die Schultergelenkkapsel. Sie stabilisiert durch ihre Bänder und die umliegenden Muskeln das Schultergelenk. Aber diese Konstruktion macht das Schultergelenk auch anfälliger für Instabilitäten.

Unfall oder Elastizität?

Handball: Christian Dissinger
Gerade beim Handball wird die Schulter stark beansprucht. Quelle: dpa

Durch einen Unfall oder Sturz kann es zum Auskugeln der Schulter kommen – beispielsweise beim Handballspieler, der mit ausgestrecktem Arm zu Boden stürzt. Bei solch einem Sturz werden meist die Stabilisatoren verletzt. Das heißt, die vordere Knorpellippe an der Schulterpfanne reißt ab oder die Schultergelenkkapsel und deren Bänder reißen ein. Dann spricht man von einer traumatischen (unfallbedingten) Schulterluxation (Ausrenken der Schulter).

Ein anderer Fall liegt vor, wenn die Schulter wiederholt auskugelt. Dann sind die Stabilisatoren meist von Geburt an zu schwach angelegt. Typisch ist, dass die Betroffenen durch ein elastisches Sehnen- und Weichteilgewebe sehr beweglich sind. Es reichen jedoch falsche Bewegungen oder Bagatellverletzungen aus, um die Schulter zum Auskugeln zu bringen. Eine Kernspintomographie zeigt dann keinen Abriss der Knorpellippe an der Schulterpfanne oder einen Riss in der Kapsel. Ein Bluterguss, wie er bei traumatischen Ursachen typisch ist, kommt ebenfalls nicht vor. Der Orthopäde erkennt eine habituelle Schulterluxation auch daran, dass der Oberarmkopf von alleine wieder zurück in die Gelenkpfanne springt. Das wäre bei einer unfallbedingten Luxation unmöglich. Hier ist das Einrenken zudem mit starken Schmerzen verbunden.

Operation ja oder nein?

Mit dem Ziel, wieder eine stabile und belastbare Schulter zu erreichen, welche schmerzfrei bewegt werden kann, wird häufig eine Schulterarthroskopie empfohlen. Bei einer habituellen Schulterluxation bedingt durch eine angeborene Bindegewebsschwäche gibt es drei wichtige Punkte, die für eine Operation sprechen:

1. Bei jeder Ausrenkung besteht die Möglichkeit, dass Nerven eingeklemmt oder geschädigt werden. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Taubheitsgefühl oder sogar zu einer Lähmung des Armes.

2. Bei einer zu lockeren Kapsel bringt es nichts, auf konservative Maßnahmen auszuweichen. Die Muskeln durch Krankengymnastik zu stärken, strafft nicht die Kapsel. Das Auskugeln kann daher immer wieder passieren, auch wenn die Muskeln gestärkt sind.

3. Mit jeder Ausrenkung können die Knorpellippe, die Kapsel, der Pfannenrandknochen oder der Oberarmkopfknochen zerstört werden. Das wiederholte Abschaben führt dann zu einem vorzeitigen Verschleiß der Schulter.

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