Wildtier gefunden! Und jetzt?

So handeln Sie richtig bei hilfebedürftigen Tieren

Verbraucher | Volle Kanne - Wildtier gefunden! Und jetzt?

Wildtiere brauchen nur Hilfe, wenn sie verletzt oder verwaist sind. Ansonsten sollte man sie besser in Ruhe lassen, empfiehlt Tierexpertin Valentina Kurscheid.

Beitragslänge:
10 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.04.2017, 14:00

Wer ein krankes oder verletztes Wildtier findet, weiß oft nicht, wie er sich richtig verhalten soll. Tierexpertin Valentina Kurscheid erklärt, wann ein Wildtier wirklich Hilfe braucht und worauf Sie bei wilden Jungtieren achten sollten.

Nur wenn es sich tatsächlich um ein verletztes oder verwaistes Wildtier handelt, braucht es menschliche Unterstützung. Daher sollten Sie das Tier zunächst eine Weile aus der Entfernung beobachten. Manch einer denkt beispielsweise, er habe einen kranken Feldhasen entdeckt. Doch die Feldhasen-Jungen liegen meist in der Sasse (Mulde) im erstarrten Zustand, weil sie so auf ihre Hasenmutter warten. „Wer dann solch ein Jungtier anfasst, geht das Risiko ein, dass die Hasenmutter ihr Kind nicht mehr annimmt. Also bitte die Finger davon lassen“, warnt Tierexpertin Valentina Kurscheid.

Bei verletzten Tieren am besten den örtlichen Tierschutzverein kontaktieren. Die Mitarbeiter können gute Pflegeadressen in der Nähe vermitteln, wie Wildtierstationen. Alternativ kann auch die örtliche Naturschutzbehörde mit geeigneten Adressen weiterhelfen. "Ein krankes Wildtier sollten Sie nicht mit nach Hause nehmen", rät die Tierexpertin. Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besagt, dass es generell verboten ist, Tiere der besonders geschützten Arten – dazu zählen beispielsweise Vögel, Igel oder Eichhörnchen – der Natur zu entnehmen. Eine Ausnahme macht Paragraph 45 (5) BNatSchG. Dieser erlaubt  kranke oder verletzte Tiere vorübergehend mitzunehmen, um sie gesund zu pflegen. Wichtig: Die Tiere muss man in die Natur zurückbringen, wenn sie wieder selbständig leben können. Es gibt allerdings „streng geschützte Arten“ wie Greifvögel, Fledermäuse oder Eulen. Einen Fund dieser Tiere muss man auf jeden Fall der Unteren Naturschutzbehörde melden. Wer hingegen einen verletzten oder verlassenen Fuchs, ein Wildschwein, ein Reh oder einen Feldhasen (Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen) findet, muss die Jagdbehörde oder den zuständigen Jagdpächter verständigen.

Junge Wildtiere

Bei kleinen Vögeln, die aus dem Nest gefallen sind, handelt es sich meist nicht um „verlassene" Jungvögel, sondern um junge Nestflüchter. Sie üben das Herumflattern. „Wer einen jungen Vogel findet, sollte ihn also bitte in Ruhe lassen“, empfiehlt Expertin Kurscheid. Wenn das Vögelchen allerdings irgendwo direkt an einer Straße sitzt, sollte man es einfach mit einem Tuch ins geschützte Dickicht setzen und abwarten. Wichtig: Im Gegensatz zu vielen Säugetieren haben Vögel einen schlechten Geruchssinn. Das heißt: Die kleinen Vögel werden von ihrer Mutter wieder weiter versorgt. Wer allerdings einen nackten, hilflosen Jungvogel findet, sollte diesen zu Experten bringen, zum Beispiel zum Tierschutzverein oder direkt zu einer Wildtierstation. Alleine ohne Sachkenntnisse schafft es fast keiner, solche Vögel aufzuziehen. Junge Kohlmeisen, Buchfinken oder Amseln beispielsweise brauchen circa alle zehn Minuten Nahrung. Dazu braucht man eine Pipette, Insekten und vieles mehr.

Auch wer ein verlorenes Rehkitz oder einen Frischling findet, sollte das Tier nicht einfach mit nach Hause nehmen, sondern Experten von Wildtierstationen dazu rufen. Die Mitarbeiter kennen sich mit der artgerechten Fütterung und dem idealen Pflegeplatz am besten aus.


Gassi gehen im Wald

Viele Hunde haben einen ausgeprägten Jagdinstinkt, sodass Rehkitze, Hasen, Füchse oder andere Wildtiere von ihnen gejagt werden. In den meisten Regionen sind Hunde daher im Wald an der Leine zu führen. Läuft der Hund allerdings frei im Wald und wildert, darf ein Jäger durchaus auf den Hund schießen.

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