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Wenn Kinder ihre Eltern pflegen

In Fachkreisen nennt man sie "Young Carer": Kinder, die ihre Kindheit an den Nagel hängen, um für kranke Familienangehörige zu sorgen. Was läuft schief, dass solche Fälle unsichtbar bleiben?

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.07.2020

"Young Carer" sind Minderjährige, die in den meisten Fällen regelmäßig für ein oder mehrere chronisch kranke Familienmitglieder sorgen, ihnen helfen oder sie pflegen. Je nach Notwendigkeit helfen sie bei der Nahrungsaufnahme oder Körperpflege, übernehmen medizinische Tätigkeiten, leisten emotionale Unterstützung und sorgen für die Sicherheit des pflegebedürftigen Angehörigen. Sie erledigen außerdem noch Haushaltstätigkeiten, Einkäufe und Besorgungen und kümmern sich um jüngere Geschwister.

Die meisten Kinder übernehmen ihre Rolle sehr selbstverständlich und begründen dies aus ihrem Familienverständnis heraus. Der Umfang ihrer Tätigkeit reicht von gelegentlichen Hilfestellungen bis hin zur allein verantwortlichen Rund-um-die-Uhr-Betreuung.

Folgen der frühen Verantwortung

Das kann sowohl negative als auch positive Auswirkungen auf die Kinder haben. Positive Folgen können sein: gesteigertes Selbstwertgefühl, frühe Reife, Ausbildung von Identität, das Gefühl, gut auf das Leben vorbereitet zu sein, sowie eine besonders enge familiäre Bindung. Für manche Kinder wird die Pflege jedoch zu einer unüberwindbaren Belastung, insbesondere wenn der Familie Unterstützung von außen fehlt.

Sie fehlt oft auch deshalb, weil pflegende Kinder oder Jugendliche nur selten darüber sprechen, was sie zu Hause leisten. Viele fürchten sich vor Ausgrenzung und Stigmatisierung, und nicht selten besteht auch ein Schweigegebot für die Kinder. Viele Familien scheuen die Öffentlichkeit, weil sie fürchten, dass die Familie durch das Einschreiten von Behörden getrennt wird. Je größer der Unterstützungsbedarf, desto unsichtbarer ist die Familie und damit für Hilfs- und Unterstützungsangebote schwerer zugänglich.

Elternassistenten könnten helfen

Ein weiteres Problem ist, dass sich Hilfsangebote des Gesundheitssystems, der Sozial- und Kinder- und Jugendhilfe oft auf einzelne Personen statt auf die ganze Familie fokussieren. Eine chronische Erkrankung betrifft jedoch nie nur die erkrankte Person, sondern auch das familiäre Umfeld.

Damit Familien ihren Alltag selbstbestimmt gestalten können, schlägt beispielsweise der Bundesverband behinderter und chronisch kranker Eltern e.V. vor, einen Anspruch auf Elternassistenz einzuführen. Elternassistenten könnten helfen zu verhindern, dass viele Tätigkeiten aus Mangel an Alternativen von Kindern und Jugendlichen übernommen werden.

Mangel an Organisation

Familien wünschen sich zudem Organisation von Hilfen über eine zentrale Anlaufstelle. Eine der größten Belastungen besteht für betroffene Familien darin, aufgrund der Unvorhersehbarkeit vieler Krankheitsverläufe nicht planen zu können.

Tätigkeiten, die morgens noch möglich sind, können bereits am Nachmittag zu einer unüberwindbaren Hürde werden. In akuten Situationen werden somit schnelle, flexible und unbürokratische Hilfen, wie beispielsweise eine Haushaltshilfe, ein Fahrdienst, ein „Nottelefon“, erforderlich.

Familienorientiertes Hilfskonzept nötig

Zentrale Komponenten eines familienorientierten Hilfskonzeptes sind: Unterstützung der erkrankten Person, jemanden zum Reden haben, Information und Beratung, Hilfe bei behördlichen und rechtlichen Fragen, flexible Alltagshilfen sowie Auszeiten. Bislang scheitern adäquate Hilfe und Unterstützung an der schwierigen Vereinbarkeit der unterschiedlichen Sozialgesetzbücher.

Kinder können und sollten nicht gegen eine elterliche Erkrankung abgeschirmt werden. Die Erkrankung gehört zum Alltag der Familie, und Kindern wird es meist ein Bedürfnis sein, ihren Beitrag zu leisten und zu helfen. Es besteht allerdings Handlungsbedarf, wenn die Grenzen der Belastbarkeit überschritten werden. Hilfsangebote müssen dann die Unterstützung der gesamten Familie im Blick haben.

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