Zurück in den Job

Berufliche Wiedereingliederung nach längerer Krankheit

Verbraucher | Volle Kanne - Zurück in den Job

Wer nach langer schwerer Krankheit an den Arbeitsplatz zurückkehrt, kann mit einem Stufenplan Schritt für Schritt integriert werden - wie Marion Müller-Honerbom nach ihrer Leukämie.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.09.2017, 14:00

Nach längerer Krankheit bietet sich eine stufenweise Wiedereingliederung in den Beruf an. Der Experte Sebastian Bönisch erklärt, wie das funktioniert.

Für Genesende, die nach längerer Krankheit wieder arbeiten möchten, kann eine stufenweise Wiedereingliederung in den Beruf sinnvoll sein. Über dieses „Hamburger Modell“ sagt Sebastian Bönisch von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR): „Das Wiedereingliederungsprogramm können Sie auch als freiwilligen Arbeitsversuch bezeichnen, damit Sie schrittweise wieder Ihre Berufstätigkeit aufnehmen können.“

Ansprechpartner für Interessierte könnten Hausärzte, Reha-Kliniken oder Arbeitgeber sein; letztere im Rahmen des sogenannten Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM). Bönisch: „Jeder Arbeitgeber, ganz egal wie groß oder klein, ist seit 2004 gesetzlich verpflichtet, seinen Beschäftigten nach längerer Erkrankung ein Betriebliches Eingliederungsmanagement anzubieten. Längere Erkrankung meint dabei mindestens sechs Wochen in zwölf Monaten.“

Wiedereingliederungsplan aufstellen

Diesem Eingliederungsmanagement liege ein Wiedereingliederungsplan zugrunde: „Das kann zum Beispiel so aussehen, dass Sie mit zwei Stunden täglich anfangen und nach zwei Wochen auf vier Stunden pro Tag erhöhen und nach sechs Wochen wieder mit vollem Stundenumfang arbeiten.“ Wobei sich dieser Wiedereingliederungsplan natürlich an den jeweiligen Arbeitsgegebenheiten orientieren müsse: „Falls Sie einen Anfahrtsweg von zwei Stunden haben, wäre ein Beginn mit zwei Stunden Arbeitszeit eher ungünstig.“ Bestimmte Tätigkeiten könnten in diesem Plan auch ausgeschlossen werden: „Wenn Sie beispielsweise beruflich im Außendienst arbeiten oder auf Montage fahren, dann können Arbeitsablauf und Arbeitsschwere möglicherweise nicht Ihrem reduzierten Leistungsprofil angepasst werden.“

Die Aufstellung dieses Plans sollte in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen: „Er erörtert mit Ihnen die Dauer und Abstufung der Wiedereingliederung, je nachdem wie leistungsfähig Sie sind und welche Tätigkeit Sie ausüben.“ Genehmigt werde der Plan dann durch den Arbeitgeber und den zuständigen Reha-Träger, etwa die Krankenkasse.

Zwischen sechs Wochen und sechs Monaten

Die Dauer der Wiedereingliederung hängt vom Gesundheitszustand und den Arbeitsanforderungen ab, bewegt sich aber in der Regel zwischen sechs Wochen und sechs Monaten. Auch die Höhe des Lohns unterscheidet sich von Fall zu Fall. Bönisch: „Ist die Krankenkasse zuständig, erhalten Sie während der gesamten Wiedereingliederung Krankengeld in Höhe von rund 80 Prozent Ihres regelmäßigen Nettolohns. Wenn Sie unmittelbar vor der Wiedereingliederung eine medizinische Reha absolviert haben, kann auch die Rentenversicherung zuständig sein, sodass Übergangsgeld in Höhe von rund 70 Prozent Ihres Nettolohns gezahlt wird.“

Sollte sich im Laufe der Wiedereingliederung herausstellen, dass die Arbeitsbelastung zu groß ist, könne die Maßnahme angepasst oder auch abgebrochen werden: „Sie sollten sich immer wieder bewusst machen, dass es sich um einen freiwilligen Arbeitsversuch handelt.“ In jedem Fall sei es empfehlenswert, in ständigem Kontakt mit dem behandelnden Arzt zu bleiben, außerdem den Betriebsarzt mit einzubeziehen: „Oft lassen sich gemeinsam mit allen Beteiligten Lösungen finden, denn die betriebliche Wiedereingliederung liegt sowohl in Ihrem Interesse als auch in der Ihres Arbeitgebers.“

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