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Zwiebelpflanzen: Farbe gegen graue Tage

Vorgezogene Zwiebelpflanzen sind jetzt wieder überall im Handel erhältlich. Ob gelb, rot oder blau - die duftenden Frühlingsboten bringen Farbe in den tristen Winter. Pflanzenexperte Elmar Mai zeigt, wie man sie richtig pflegt.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.01.2021

Blumenzwiebeln sind gestauchte, oberirdische Triebe. Schneidet man sie auf, so sieht man einzelne Schichten. Diese sind die Blätter, der Stiel ist auf das Mindestmaß von wenigen Millimetern reduziert. „In der Zwiebel steckt also eine komplette Pflanze in kompakter, unterirdischer Form. Das, was aus dem Boden ragt, ist nur ein minimaler Teil wie die Blüte und ein kleiner Teil der Blätter, denn Photosynthese muss sein“, erklärt Pflanzenexperte Elmar Mai.

Psychologische Wirkung

Farbe und Duft von Frühlingsblühern haben eine positive psychologische Wirkung. „Es gibt Studien in Schweden und anderen skandinavischen Ländern, die belegen, dass Frühlingsblumen eine starke psychologische Wirkung auf Menschen haben und sie analog zur Lichttherapie als Farbtherapie eingesetzt werden können“, sagt Elmar Mai. Nach der langen Winterzeit stimulieren sie die Menschen positiv, weil sie das kommende Frühjahr ankündigen.

Wer sich die positive Wirkung von Farben zunutze machen will, sollte sich bei der Gestaltung auf einen Farbton konzentrieren: Rot und Orange wirken anregend und strahlen Energie aus, Gelb stimmt heiter und optimistisch, Blau beruhigt und entspannt. Weiß beruhigt ebenfalls und soll eine klärende Wirkung auf Gedanken und Gefühle haben. „Die Wirkung der Farben lässt sich noch intensivieren, wenn Gefäße im gleichen Farbton gewählt werden“, rät der Pflanzenexperte. Die große Zahl kräftiger, klarer Farbtöne bei den Zwiebelblumen erleichtert die Suche nach einem passenden Gefäß. Besonders hübsch macht sich zum Beispiel eine Gruppe gelb blühender Narzissen in gelb lasierten Töpfen.

Zwiebelpflanzen und die Blüte

Narzisse
Quelle: imago/blickwinkel

Krokusse, Tulpen und Narzissen stammen aus Steppengebieten mit einer großen Sommertrockenheit, in der kein Wachstum möglich ist. Daher wachsen sie nur im Frühjahr, weil dann Regenzeit ist. Da in vielen Gebieten der Winter recht bald Einzug hält, wäre ein oberirdisches Wachstum im Herbst ebenfalls ineffizient. Die Zwiebelpflanzen nutzen diese Zeit trotzdem, um im Boden neue und gesunde Wurzeln zu bilden. Daher muss man Zwiebeln auch im September pflanzen.

Die Blüte wird durch Kälte herbeigeführt. Dabei wird die Stärke der Zwiebel in Zucker verwandelt und selbst bei wenig optimalen Bedingungen treiben dann sehr schnell Blüten. Die Blüten sind in aller Regel auffällig gefärbt, um eine große Fernwirkung zu haben, denn in der kalten Frühjahrszeit sind nur wenige Insekten unterwegs. „Dieser schöne Schauapparat der Blüten macht sie für uns so attraktiv. Hyazinthen verströmen zusätzlich einen betörenden Duft, um die Wirkung noch zu vergrößern – sowohl auf Insekten, als auch auf Pflanzenliebhaber“, sagt Elmar Mai.

Darauf kommt's beim Kauf an

Pflanzen, die mit ausgebildeten Knospen gekauft werden, gewöhnen sich noch an die Außentemperaturen und brauchen keinen Schutz. Gute Qualität bei Narzissen erkennt man an der Zahl der Blütenstiele. Tulpen und Hyazinthen bilden hingegen meistens nur einen Trieb aus.

Vorgetriebene Zwiebelblumen werden meistens dann gekauft, wenn sich die Blüten schon geöffnet haben. „Es kann aber auch faszinierend sein, die Pflanzen im Sprossstadium zu kaufen, um die Entwicklung von der sprießenden, kleinen grünen Knospe bis hin zur blühenden Pflanze zu verfolgen“, erklärt der Pflanzenexperte. Besonders reizvoll ist die Entwicklung der Hyazinthen: Anfangs ist das dichte Büschel kleiner Blüten noch von den schützenden grünen Blättern umrahmt, doch im Laufe der Zeit öffnen sich die Blüten mehr und mehr, bis sich eine große, dichte Blütentraube gebildet hat und einen intensiven Duft verströmt. Vor allem für Kinder ist es interessant zu beobachten, wie aus einer unscheinbaren Knospe eine Pflanze mit schönen Blüten entsteht.

Neben vorgezogenen Zwiebelgewächsen sind im Handel auch schon Vorfrühlingsblüher erhältlich. Außer Primeln in verschiedenen Wuchsformen und Farbvarianten gibt es Stiefmütterchen, Bellis, Vergissmeinnicht, Goldlack und Margeriten. Kombiniert mit Gräsern kann man mit ihnen ein schönes Arrangement gestalten, das Frühlingsflair in die Wohnung bringt.

Der richtige Standort

Die Gestaltung im Topf oder im Blumenkasten sollte nicht lückig, also nicht zu weit auseinander erfolgen. Zwiebelpflanzen benötigen eine humose und durchlässige Pflanzerde mit geringem Düngergehalt, da die Pflanzen noch wenig wachsen. Töpfe mit Blumenzwiebeln auf Balkon und Terrasse brauchen Frostschutz. Am besten setzt man sie in einen frostfreien Raum oder zumindest ganz dicht an eine Hauswand und schützt sie mit Noppenfolie. Vorgezogene Blumenzwiebeln bringen so nicht nur Farbe in den Garten, sondern auch in die Wohnung, lange bevor sie draußen blühen.

Nachts sollten sie aber auch im Haus möglichst kühl stehen. Je wärmer der Standort, umso schneller verblühen sie. Abgeblühte Zwiebelpflanzen sollte man nicht wegwerfen, sondern ohne Topf im Garten einpflanzen. Den Wurzelballen dabei unbedingt schonen! Blätter nicht abschneiden, sondern abwelken lassen. Das ist wichtig, denn im Frühling sammeln die Pflanzen Kraft für das ganze Jahr. Es kann zwar sein, dass sie in diesem Jahr nicht blühen, dann aber im darauffolgenden.

Schneeglöckchen als Geheimtipp

Schneeglöckchen
Quelle: imago/blickwinkel

Schneeglöckchen läuten in der Natur den Beginn des Vorfrühlings ein und waren daher immer schon beliebt. In den letzten Jahrzehnten sind sie verstärkt in Mode gekommen, denn der weiße Frühlingsbote ist vielfältiger als gedacht und ein echtes Sammlerobjekt. Sie bevorzugen halbschattige Standorte mit durchlässigen, frischen Böden. Die Standorte sollten auch im Sommer noch etwas feucht sein. Eine Ausnahme sind die Sorten von Galanthus elwesii: sie lieben sonnige Standorte, die im Sommer trockener sind. Staunässe wird von allen Schneeglöckchen nicht vertragen. Der pH-Wert sollte im neutralen bis leicht alkalischen Bereich liegen. Von einigen goldenen/gelben Sorten ist bekannt, dass sie die gewünschte Färbung nur auf sauren Böden zeigen. Schneeglöckchen sind sehr frosthart und vertragen Temperaturen unter -20 °C, außerdem benötigen sie keine spezielle Pflege. Wichtig ist, dass das Laub nicht entfernt wird, bevor es ganz trocken ist. Nur so können die Zwiebeln ausreichend Reservestoffe für den nächsten Austrieb einlagern. Rasenflächen mit verwilderten Schneeglöckchen sollten darum nicht vor Mitte Juni gemäht werden.

Mit der Zeit können Schneeglöckchen über ihre Tochterzwiebeln große Bestände ausbilden. Wer sie teilen und dadurch vermehren möchte, kann das alle vier bis fünf Jahre tun und sie so an neue Standorte pflanzen. Hierfür ist die Zeit direkt nach der Blüte perfekt. Wurzeln und Zwiebeln sollten dabei nicht beschädigt werden oder austrocknen. Nach der Blüte kann man etwas reifen Kompost zwischen den Pflanzen ausbringen, wobei das an geeigneten Standorten nicht vonnöten ist. Hier vermehren sich die Schneeglöckchen ganz ohne menschliches Zutun. Für Anfänger eignen sich am besten Schneeglöckchen, die nicht all zu viel kosten. Dazu gehören die gewöhnliche Galanthus nivalis, die blütenreiche Galanthus nivalis 'Flore Pleno' und die grünlich gefärbte Galanthus X 'Dionysus‘.


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