WISO-Tipp: Ärger auf Kreuzfahrten

Verbraucher | WISO - WISO-Tipp: Ärger auf Kreuzfahrten

Urlaube auf See sind in der Regel komfortabel, doch es kann - wie bei anderen Reisen auch - zu bösen Überraschungen kommen. Welchen Ärger Sie auf Kreuzfahrten vermeiden können, zeigt der WISO-Tipp.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.08.2018, 19:25

In den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Schiffsreisenden fast verdreifacht: Rund zwei Millionen Deutsche haben im letzten Jahr ihren Urlaub auf dem Wasser verbracht, und es sind längst nicht mehr nur die Wohlhabenden oder die Generation 50plus. Auch Familien und die junge Partyszene haben Kreuzfahrten für sich entdeckt, die meist als Pauschalreisen angeboten werden.

Vor der Buchung der Kreuzfahrt

Folgende Punkte sollten Sie vor der Buchung der Kreuzfahrt beachten: Prüfen Sie genau, welche Leistungen im Reisepreis enthalten sind. Extrakosten wie beispielsweise Tagesausflüge, Getränke und Trinkgelder besser gleich mit in die Urlaubskasse einplanen.

Wichtig: Lesen Sie sich Detailbeschreibungen genau durch. Kontrollieren Sie zum Beispiel, wie Ihre Kabine und die Lage beschrieben werden. Reiserechtsexperte Paul Degott rät: „Wichtig ist bei jeder Reisebuchung, so auch für eine Kreuzfahrt, dass man möglichst präzise Informationen in der Reiseausschreibung erhält, beispielsweise wie die Kreuzfahrt ablaufen soll, mit welchem Routen- und Zeitplan gerechnet werden muss und welche Besichtigungspunkte und Häfen zwingend angelaufen werden. Wenn man hier nur allgemeine pauschale Informationen erhält, weist dies darauf hin, dass der Ablauf dieser Reise eher unsicher sein dürfte. Die harten Fakten der Buchung müssen dann in der Reisebestätigung festgehalten sein. Auch muss bei Buchung der vom Gesetz vorgeschriebene Sicherungsschein übergeben werden, über den das Insolvenzrisiko des Reiseveranstalters abgesichert ist. Denn der Reisende zahlt seinen Kreuzfahrtpreis vorab.“

Visum erforderlich?

„Bereits vor der Buchung der Reise muss der Reiseveranstalter den Reisenden umfangreich über Pass- und Visumerfordernisse und über gesundheitliche Vorschriften des jeweiligen Reiseziels informieren“, erklärt Reiserechtsexperte Kay P. Rodegra. Außerdem rät er: „Kontrollieren Sie auf der Reisebestätigung, ob alle Punkte Ihrer Reiseanmeldung bestätigt werden. Weicht die Bestätigung inhaltlich von Ihrer Buchung ab, können Sie die abweichende Bestätigung ablehnen. Kann Ihre Buchung nicht inhaltsgleich bestätigt werden, kommt ohne Ihre Zustimmung kein Reisevertrag zustande“.

Wann liegt ein Reisemangel vor?

In der Regel handelt es sich bei einer Kreuzfahrt um eine normale Pauschalreise. Als Reisender haben Sie bei einer Pauschalreise viele Rechte. Beispielsweise können Sie den Reisepreis mindern, wenn Reisemängel auftreten. Das gleiche gilt für eine Kreuzfahrt. „Es gibt nur eine paar Besonderheiten, die sich aus der Spezialität der Reise ergeben, wie zum Beispiel die Berechnung der Minderungshöhe. Hier muss man genau hinschauen, ob es sich um eine Beeinträchtigung bei Anlandung handelt oder ob Seetage betroffen sind“, sagt Reiserechtsexperte Oliver Matzek.

Ein Reisemangel liegt dann vor, so Matzek: „Wenn der Reisende weniger an Reiseleistungen erhält als er mit dem Reiseveranstalter vereinbart hat. Was vereinbart wurde, ergibt sich in erster Linie aus dem Reiseprospekt, der Reisebestätigung, dem persönlich Besprochenen sowie dem Ortsüblichen."

Kein Reisemangel

Matzek: "Ein Mangel liegt allerdings dann nicht vor, wenn Beeinträchtigungen der privaten Risikosphäre des Reisenden zuzurechnen sind (allgemeines Lebensrisiko). Eine Entschädigung kann daher nicht vom Reiseveranstalter verlangt werden, wenn der Reisende zum Beispiel auf der Kreuzfahrt „seekrank“ wird oder durch Unachtsamkeit stürzt. Der Kreuzfahrtveranstalter hat auch für Personen, die in seinem Pflichtenkreis tätig werden, einzustehen. Dazu zählen insbesondere die Angebote an Bord. Die ärztliche Versorgung gehört jedoch nicht dazu, der Schiffsarzt ist nicht der Erfüllungsgehilfe des Veranstalters. Der Kreuzfahrtanbieter hat hier lediglich für eine ordnungsgemäße Auswahl und Überwachung des Schiffsarztes zu sorgen.“

Rechtsanwalt Paul Degott fügt hinzu: „Ob ein Reisemangel vorliegt, wenn das Personal an Bord kein Deutsch spricht, entscheidet sich danach, wenn deutsch-sprechendes Personal an Bord in der Ausschreibung zugesichert worden ist. Dies wird nur auf deutschen Kreuzfahrtschiffen der Fall sein, die Bordsprache ist sonst häufig Englisch oder auch Italienisch. Wenn aber deutsch-sprechendes Personal in den Reiseunterlagen zugesichert worden ist, führt nicht deutsch-sprechendes zu einem Reisemangel“.

 Was tun bei einem Reisemangel?

Melden Sie den Mangel sofort beim Ansprechpartner des Reiseveranstalters an Bord des Schiffes. WISO-Tipp: Besprechen Sie Ihr Anliegen immer unter Zeugen. Setzen Sie eine Frist zur Abhilfe.

  • Erstellen Sie ein genaues Mängelprotokoll mit Uhrzeit, Datum und vielen Detailangaben.
  • Lassen Sie sich das Mängelprotokoll von den Ansprechpartnern des Reiseveranstalters unterschreiben.
  • Dokumentieren Sie alle beanstandeten Mängel mit Fotos, Videos oder Tonaufnahmen. Damit können Sie später vieles belegen, falls es zu einem Rechtsstreit kommt.
  • Notieren Sie außerdem die Namen und Adressen von Zeugen, die diese Mängel bestätigen können.

Wichtig: Bleiben die Reisemängel trotz Abhilfeverlangen bestehen, melden Sie dies nach der Reise schriftlich beim Reiseveranstalter. Achtung, Frist beachten: Sie haben einen Monat nach dem vertraglichen Ende der Reise Zeit, um Reisemängel schriftlich beim Reiseveranstalter zu reklamieren und eine Entschädigung zu fordern, sonst erlischt ihr Anspruch auf Reisepreisminderung oder Schadensersatz.

Fragen & Antworten von Reiserechtsexperten Oliver Matzek

Recht auf Rücktritt

Laut Pauschalreiserecht gibt es mehrere Rücktrittsmöglichkeiten. Reiserechtsexperte Paul Degott erklärt: „So kann jeder Reisende auch die Kreuzfahrt ohne Angabe von Gründen vor Reiseantritt absagen, was als "Stornierung" bezeichnet wird. Der Reiseveranstalter wird diesen Reiserücktritt akzeptieren müssen, hat aber Anspruch auf angemessenen Schadenersatz für die von ihm getätigten Aufwendungen, die nun für ihn zum Verlust werden. Denn beim Reiserücktritt ist grundsätzlich der Reisepreis zurückzuzahlen. Deswegen operieren die Reiseveranstalter über ihre Reise-AGB regelmäßig mit Stornopauschalen, die gegen den Rückzahlungsanspruch verrechnet werden oder sie berechnen den konkreten Stornierungsschaden und verrechnen diesen mit dem zurückzuzahlenden Reisepreis. "

"Das Gesetz gibt auch die Möglichkeit, bei erheblichen Änderungen (auch Preisänderungen) oder Leistungsverschlechterungen vom Reisevertrag zurückzutreten. Auch dann muss der Reiseveranstalter den Reisepreis zurückzahlen. Hier kann er keinen eigenen Schaden geltend machen. Im Gegenteil: Er muss dem Reisenden nun auch noch Schadenersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit mindestens in Höhe von 50 Prozent des Reisepreises zahlen, weil der Reiseveranstalter selbst schuldhaft den Grund für den Reiserücktritt gesetzt hat, so Degott.“

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Videolänge:
43 min
Datum:

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Eine Orientierungshilfe für Urlauber ist die „Würzburger Tabelle“ von Reiserechtsexperten Kay P. Rodegra. Sie bietet eine Übersicht von typischen Streitfällen und nennt die betreffenden Urteile:

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