Umtauschprämie: Alt gegen Neu

Wer gibt am meisten?

Die Hersteller buhlen um die Gunst des Kunden und locken mit Prämien. So viel wie jetzt gab es noch nie beim Neuwagenkauf. Eine Rabattschlacht der Umwelt zuliebe – oder nur ein cleveres Marketing, um mit der Diesel-Tauschaktion doch noch ein gutes Geschäft zu machen?

WISO hat sie angefragt, die Hersteller von PKW mit hohen Diesel-Marktanteilen. Vorne liegen Audi, BMW, Mercedes und Volkswagen. Die Diesel ihrer Marken findet man am häufigsten auf unseren Straßen, darunter viele, die nicht ganz so sauber sind, wie sie sein sollten. Doch machen sie auch die besten Angebote?

Mittlerweile beteiligen sich 80 Prozent der in- und ausländischen Automobilhersteller an der Umtausch-Aktion. Wir fragten bei Audi, BMW, Daimler, Opel, Renault, Toyota und VW nach ihrem Angebot. Die WISO-Stichprobe zeigt, wie viel es für einen alten Golf Diesel IV, 110 PS, Erstzulassung 2005 mit Euro 3 Norm gibt.

Wir wollten ihn gegen ein vergleichbares Modell eintauschen: also einen Mittelklassewagen mit Dieselmotor, Benziner, Elektroantrieb oder Hybrid.

<strong>Deutliche Unterschiede </strong>

Jeder macht es ein bisschen anders. Manche Hersteller tauschen den alten Diesel nur gegen einen neuen Diesel ein. Andere lassen auch den Tausch gegen einen Benziner zu. Manche verlangen einen Verschrottungsnachweis des Altfahrzeugs, andere kaufen den Diesel zum Restwert an. Dieser wird dann vom Neuwagenpreis abgezogen.

Für was es genau Bonus, Zulagen, Extra-Rabatte gibt, ist schwer zu durchschauen. Denn Kaufanreize kommen nicht nur vom Hersteller, auch die Händler sind beteiligt, genauso wie der Staat. Wer sich z. B. für ein E-Auto oder einen Hybrid entscheidet, muss besonders gut vergleichen. Für manche Fahrzeuge gibt es einen Umweltbonus, für andere nicht. So sind nicht alle Hybrid-Antriebe, sondern nur Plug-In-Systeme förderfähig.

<strong>Die Strategie verstehen</strong>

Bei der VAG-Familie des Volkswagenkonzerns folgen die Angebote einem Prinzip:  je größer das Auto, desto höher die Prämie. Wer einen Neuwagen von Audi, Porsche, Seat und Škoda kauft, bekommt eine Umweltprämie bis 10.000 Euro. Doch den Höchstsatz gibt es nur für den SUV Touareg von VW. Ein dickes Auto, was viel frisst, kritisieren Umweltschützer.

Wer einen Toyota kaufen möchte, wird nur für den Hybrid Zuschüsse erhalten. Für einen neuen Diesel oder Benziner gibt es nichts. Bei Ford muss der Diesel besonders alt sein (Erstzulassung vor dem 1.1.2006) und ein Verschrottungsnachweis vorgelegt werden. Premiumanbieter wie BMW und Daimler geben maximal nur 2000 Euro, Daimler für einen neuen Benziner sogar gar nichts.

Fiat etwa bietet zwar auch eine Umweltprämie an, wie üblich nach Modellen gestaffelte, schränkt diese jedoch auf sofort verfügbare Neufahrzeuge und den Zeitraum bis 30.09.2017 ein.

<strong>Neue Diesel-Norm noch in weiter Ferne</strong>

Doch wie sauber sind die neuen Diesel-Motoren in den Neuwagen, die jetzt vom Band laufen? Die neuen Motoren mit Euro 6d-Norm laufen frühestens ab September vom Band. Sie sind vom Kraftfahrtbundesamt (aber nur für neue Fahrzeugmodelle) vorgeschrieben. Für alle Diesel gilt sie erst ab September 2019. „Das heißt, wer jetzt einen Diesel gegen einen neuen tauscht, muss damit rechnen, dass er einen mit veralteter Technik kauft“, warnt Gregor Kolbe von der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Der Rat der Verbraucherschützer: beim Händler nach der Euro Norm fragen. Nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Im Zweifel noch abwarten mit dem Tausch, denn die Prämien-Aktionen laufen noch bis zum Jahresende.

<strong>Alternative Antriebe</strong>

Wer sich für ein E-Auto oder einen Hybrid entscheidet, kann noch mehr rausholen. VW gewährt eine sogenannte Zukunftsprämie. 2.380 Euro gibt es für ein reines Elektrofahrzeug, 1.785 Euro für ein Hybridmodell und 1.000 Euro für ein Erdgasauto. Diese Prämie lässt sich mit der staatlichen Förderung und auch mit der Umtauschprämie kombinieren. Der E-Golf wird damit um insgesamt 11.760 Euro billiger und kostet nun in der Grundausstattung dann noch 24.140 Euro.

Doch nicht jeder Besitzer eines alten Diesels kann sich ein neues Auto leisten, so Verbraucherschützer.

<strong>Kritik der Verbraucherschützer </strong>

Auch für die Namensgebung „Umweltprämie“ gibt es Kritik. Fairer wäre es, wenn man von einem Zuschuss oder Neuwagenrabatt sprechen würde. Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz meint: “Die Prämien sind zu niedrig. Zehn bis zwanzig Prozent Rabatt gibt es bei jedem Neuwagenkauf sowieso.“

Für seinen Kollegen Michael Dettelbacher aus der Verbraucherzentrale Hessen sind die Umtauschprämien eine reine Mogelpackung: „Versprochen wird der Tausch eines alten Stinkers gegen einen sauberen Diesel. Doch die Euro 6-Norm ist nicht sauber, denn viele ihrer Halter werden jetzt zum Software-Update in die Werkstatt geladen.“

Gregor Kolbe vom VZBV hält das BMW-Angebot für eine Frechheit: „Es gibt pauschal nur 2.000 Euro, egal ob man Diesel oder Benziner kauft“. Man wolle die Kunden zum E-Auto locken, obwohl es dafür noch gar keine Infrastruktur gäbe. Auch müsse man sein Auto meist verschrotten, wenn man die Umweltprämie haben will oder sich mit einem geringen Ankaufspreis des Herstellers zufrieden geben. Mitunter kann aber der eigene Verkauf des alten Diesels viel mehr Geld einbringen.

<strong>Weiterhin gilt: Gut verhandeln </strong>

Was geben die Hersteller beim Neuwagenkauf? Auch bisher waren Preisnachlässe üblich. Rabatt gab es schon immer.

Den Experten des „Center Automotive Research“, Universität Duisburg-Essen zufolge, lag die durchschnittliche Rabatthöhe von „offen beworbenen Aktionen der Hersteller“ im Juli 2017 bei rund 14 Prozent und damit fast einen Prozentpunkt höher, als im Vorjahr. Ausgewertet wurden 389 Hersteller-Aktionen. Um auch die Händler-Rabatte einordnen zu können, wurden 30 Fahrzeugmodelle untersucht. Hier lag die durchschnittliche Rabatthöhe sogar bei rund 20 Prozent. Auch dieser Wert liegt um einen Prozentpunkt über dem des Vorjahres.

Für potenzielle Autokäufer bleibt nun die spannende Frage, ob durch die Umtauschprämien der Hersteller die Rabatte sinken? Kurz gesagt: Alles ist möglich!

Wer sich etwa für die neueste Modellreihe des Ford Fiesta entscheidet, erhält dafür zwar 4.000 Euro Umweltprämie, doch bei Nutzung der Prämie schmelzen die Händlerrabatte laut CAR-Institut, dann von 22 Prozent auf 10 Prozent. Sprich, beim Käufer landen nur noch 2.500 Euro Preisvorteil. Wer sich dagegen für einen Audi A3 entscheidet, kann neben der Umweltprämie von 5.000 Euro dennoch mit dem vollen, zusätzlichen Händlerrabatt rechnen. Ebenso bei vielen anderen Modellen des VW-Konzerns.

WISO-Fazit: Gründlich informieren und vergleichen ist beim Neuwagenkauf auch weiterhin unerlässlich.

Tabelle der Umtauschprämie
Was bekommt man im Tausch eines alten Golf IV mit der Erstzulassung 2005 und Euro 3 Norm? Quelle: ZDF

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