WISO-Tipp: Bildungsurlaub

Verbraucher | WISO - WISO-Tipp: Bildungsurlaub

Die wenigsten Arbeitnehmer nehmen Bildungsurlaub: teils aus Unkenntnis, teils aus Angst vor Ärger mit dem Arbeitgeber. Wer, wofür Bildungsurlaub nehmen kann, wer für die Kosten aufkommt, erfahren Sie im WISO-Tipp.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.01.2019, 03:45

Bildungsurlaub - das sind Tage, an denen der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern freigeben muss, damit sie sich weiterbilden können. Die alte Redensart "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" ist heute schlichtweg falsch. Weil sich die Arbeitswelt rasend schnell verändert, müssen sich Arbeitnehmer auch mit zunehmendem Lebensalter immer weiterbilden, um auf dem Laufenden zu bleiben. Diese Initiative fördert der Staat mit dem Bildungsurlaub - eine Freistellung von der Arbeit zum Zwecke der Weiterbildung.

Wer Anspruch hat

Da es kein einheitliches Bundesgesetz gibt, haben alle Bundesländer mit Ausnahme von Bayern und Sachsen Landesgesetze verabschiedet. Im Kern gleich, weichen sie jedoch in Details voneinander ab. Ein Kurs kann also in einem Bundesland als Bildungsurlaub anerkannt sein und in einem anderen nicht. Entscheidend ist das Bundesland des Arbeitsplatzes. Nur, wenn das Seminar dort als Bildungsurlaub anerkannt ist, haben Sie als Arbeitnehmer ein Anrecht darauf.

Anspruch auf Bildungsurlaub haben zudem nur Arbeitnehmer - keine Studenten, Hausfrauen und -männer oder Rentner. Für Beamte und Auszubildende gelten eigene Regeln. Letztere dürfen grundsätzlich Bildungsurlaub nehmen, allerdings meist beschränkt auf den Bereich politische Bildung. Beamte sind in manchen Ländern explizit ausgeschlossen mit dem Verweis auf eigene Weiterbildungsangebote für diese Gruppe. Finden Sie als Beamter ein interessantes Angebot, fragen Sie trotzdem beim Veranstalter nach, ob er ggf. einen Antrag auf Anerkennung nach dem Beamtenrecht stellen kann.

Was an Inhalten erlaubt ist

Was Sie als Arbeitnehmer in Ihrem Bildungs­urlaub lernen möchten, können Sie weit­gehend frei entscheiden. Einzige Bedingung: Die Weiterbildung muss in Ihrem Arbeits-Bundesland als Maßnahme anerkannt sein. Meist können Sie Bildungsurlaub für berufs­bezogene und politische Themen nehmen, in manchen Bundesländern auch für die  persönliche Bildung oder Qualifizierung zu einem Ehrenamt.

Wo Sie Kurse finden

Bundesweite Kurse lassen sich Kurse beispielsweise über Weiterbildungsdatenbanken wie bildung.de oder seminarboerse.de finden. Daneben gibt es spezielle landesweite Datenbanken (beispielsweise wdb-berlin.de für Kurse in Berlin) oder regionale Datenbanken (beispielsweise bildungsnetz-rhein-main.de für Kurse im Rhein-Main-Gebiet). Günstige Angebote gibt es häufig bei den rund 1.000 Volkshochschulen in Deutschland. Kurse finden Sie in deren gedruckten Programmen oder über die Webseite der Volkshochschule, die Ihrem Wohnort am nächsten liegt.

Sinnvolle Suchbegriffe vorausgesetzt, eignen sich auch Internetsuchmaschinen als Kursfinder. Dafür das Wort „Bildungsurlaub“ eingeben, Ihren Wohnort und das Thema der gewünschten Weiterbildung.

Grafik: Bildungsurlaub, bezahlter Urlaub für Weiterbildung
Arbeitnehmer müssen sich mit zunehmendem Lebensalter weiterbilden. Quelle: ZDF

Wie die Anmeldung läuft

Finden Sie zuerst heraus, ob Sie zu den Anspruchsberechtigten gehören und ob es in Ihrem Bundesland ein Bildungsurlaubsgesetz gibt. Trifft beides zu, können Sie sich auf die Suche nach einem passenden Kurs machen. Vor der verbindlichen Buchung sollten Sie beim Veranstalter erfragen, ob er in Ihrem Bundesland als Bildungsurlaub anerkannt ist. Wichtig ist auch, frühzeitig mit dem Arbeitgeber zu klären, ob er Ihre Abwesenheit im fraglichen Zeitraum betrieblich einplanen kann.

Nach der verbindlichen Buchung bekommen Sie meist alle erforderlichen Unterlagen wie Anmeldebestätigung, Anerkennungsbescheid und Ablaufplan vom Veranstalter zugeschickt. Reichen Sie sie beim Arbeitgeber ein und lassen Sie sich Abgabe und das Datum beispielsweise durch Eingangsstempel schriftlich bestätigen. Nach Absolvieren des Kurses bekommen Sie eine Teilnahmebestätigung, die Sie bei Ihrem Arbeitgeber einreichen müssen.

Wenn der Antrag abgelehnt wird

Bekommen Sie eine Absage, sollten Sie sich diese unbedingt schriftlich geben lassen. Prüfen Sie anschließend mit fachlicher Unterstützung des Betriebsrates oder eines Rechtsanwalts, ob die Ablehnung berechtigt war. In den Landesgesetzen ist genau definiert, welche Gründe zulässig sind.

Berechtigt ist die Ablehnung beispielsweise, wenn Sie die Fristen nicht eingehalten haben oder in dem Zeitraum schon zu viele Ihrer Kollegen Urlaub haben. Einige Bundesländer haben auch Schutzklauseln für Kleinunternehmen. Bezieht sich die Ablehnung nur auf einen konkreten Termin, suchen Sie sich einen neuen Kurs und stellen Sie erneut einen Antrag.

Wer die Kosten übernimmt

In der Regel übernimmt der Arbeitgeber die Kosten für Ihre zusätzlichen Urlaubstage, weil er Ihr Gehalt währenddessen weiterzahlt. Im Gegenzug müssen Sie als Arbeitnehmer die Kosten des Bildungsurlaubs aus eigener Tasche bezahlen - also Kursgebühr und gegebenenfalls Reisekosten. Für den Fall, dass Sie das erlernte Wissen wie beispielsweise Sprachkenntnisse in Ihrem Job anwenden können, lohnt sich die Nachfrage, ob die Firma vielleicht die (oder einen Teil der) Kurskosten übernimmt.

Bildungsprämie vom Staat

Über die Bildungsprämie fördert der Staat Weiterbildungsmaßnahmen, die wichtige Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln und Kompetenzen erweitern. Voraussetzung dafür ist eine persönliche, kostenlose Beratung durch eine anerkannte Beratungsstelle.

Gefördert werden erwerbstätige Weiterbildungsinteressierte jeglichen Alters mit einer Arbeitszeit von mindestens 15 Stunden pro Woche. Ein zu versteuerndes Einkommen von maximal 20.000 Euro bei Alleinstehenden oder 40.000 Euro bei gemeinsam Veranlagten darf nicht überschritten werden.

Mit dem Prämiengutschein werden 50 Prozent der Veranstaltungskosten übernommen, maximal jedoch 500 Euro. Seit der Reform der Bildungsprämie zum 1. Juli 2017 kann die Prämie auch für Weiterbildungen über 1.000 Euro eingesetzt werden. Außerdem werden mehrere Kurse mit dem gleichen Ziel künftig wie eine behandelt. Ebenfalls neu ist, dass der Prämiengutschein nun auch für Pflichtveranstaltungen eingesetzt werden kann.

Weitere Infos unter bildungspraemie.info

Regelungen aller Bundesländer

Interview mit Kirsten Wegwerth

Exklusiv

Verbraucher | WISO - Bildungsurlaub: Was gilt?

Antworten im Interview von Kirsten Wegwerth.

Videolänge:
3 min
Datum:

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