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Einzelhandel gegen Online-Konkurrenz

Verbraucher | WISO - Einzelhandel gegen Online-Konkurrenz

Online-Shopping boomt. Wie kann sich der stationäre Einzelhandel gegen die wachsende Konkurrenz behaupten? Eine Einzelhändlerin aus Wuppertal und die Buchkette Thalia versuchen es mit unterschiedlichen Strategien.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.09.2019, 19:25

„Esse ich von dem Online-Kuchen mit?“

Online-Shopping boomt. Um mehr als zehn Prozent wächst der Onlineumsatz im Einzelhandel jedes Jahr. Die Folge: Tausende - vor allem kleine Geschäfte - gehen Pleite. Wie kann der stationäre Einzelhandel überleben? Handelsexperte Gerrit Heinemann sieht die Zukunft „düster“ – wenn sich der Handel nicht neu erfindet.

WISO: Wie kann sich der stationäre Einzelhandel gegen die Online-Konkurrenz behaupten?

Gerrit Heinemann: Ich glaube, der stationäre Einzelhandel kann Online nur als Chance sehen und versuchen, von dem wachsenden Online-Kuchen mitzuessen. Denn die Kunde kaufen mit zunehmender Tendenz Online. Und da kann der stationäre Einzelhandel nur entscheiden: Esse ich von dem Online-Kuchen mit oder nicht.

WISO: Viele Händler tun sich schwer mit einer Digitalisierungsstrategie - worauf sollten sie achten? Was sind Erfolgskriterien?

Heinemann: Wenn er Online verkauft muss sich ein Einzelhändler bewusst sein, dass der Kunde natürlich auch immer Amazon und Co mit einem Klick entfernt als Vergleichsmaßstab hat. Da muss es einfach funktionieren. Wenn der Online-Einkauf stattdessen mit einem riesigen Aufwand verbunden ist und am Ende doch nicht klappt, dann vertreibt man die Kunden eher.

Und der Händler muss sich bewusst sein: Der Einstieg in den Online-Handel ist mit Aufwand und Investitionen verbunden. Das kann nicht jeder stemmen, aber Händler können auch kooperieren.

WISO: Ein Beispiel für eine solche Kooperation ist Online City Wuppertal, eine Art lokaler digitaler Marktplatz, auf dem die Einzelhändler der Stadt ihre Produkte anbieten. Funktioniert das?

Heinemann: Viele Städte sind regelrecht im Marktplatzfieber und meinen, man könne die Innenstädte mit einem regionalen Marktplatz retten. Das Gegenteil ist der Fall. Alle bisherigen Projekte zeigen, dass sie nicht erfolgreich sind was den Online-Verkauf betrifft. Wenn man bei diesen regionalen Marktplätzen nach Umsatzzahlen fragt, dann werden sie nicht genannt. Wir wissen aus sicheren Quellen, dass ein bis zwei Pakete pro Woche verschickt werden – das ist gar nichts.

Es ist eher ein Stadtportal, das kann durchaus Sinn machen. Mit einem solchen Portal mehr Umsatz im Einzelhandel zu machen oder Kunden in die Innenstadt zu locken, das dürfte eigentlich nicht möglich sein.

WISO: Welche Rolle spielt die Größe des Angebots für den Erfolg?

Heinemann: Ein Kunde erwartet ein großes Angebot: Amazon, Ebay haben je vielleicht zweihundert bis dreihundert Millionen Artikel. Zum Vergleich: das KaDeWe hat vielleicht nicht mal eine Million. Bei den regionalen Marktplätzen gibt es wenige, die mehr als 10.000 oder 20.000 Artikel haben – also so viele wie ein ganz normales Fachgeschäft. Dafür gehen Kunden nicht auf den Marktplatz, das macht keinen Sinn.

WISO: Welche Zukunft sehen Sie für den stationären Handel?

Heinemann: Wenn er sich nicht ändert sehe ich für die lokalen Händler keine große Zukunft. Man muss aber differenzieren: Die großen Filialketten - und die machen mittlerweile rund 85 Prozent des stationären Handels aus – sind beim Thema Onlinehandel ganz gut vertreten. Ob das jetzt Thalia ist oder Douglas, die machen schon was getan werden muss. Die Warenhäuser eher nicht. Aber um den stationären Handel insgesamt müssen wir uns keine Sorgen machen. Wir müssen uns eher Sorgen um den lokalen Handel machen.

WISO: Was wäre eine funktionierende Überlebensstrategie?

Heinemann: Ich empfehle, dass man eine digitale Allergie ablegen sollte und versuchen sollte, online zu verkaufen. Der Kunde beginnt seinen Einkauf in der Regel online. Wenn man da nicht präsent ist, hat man schlechte Karten.

Der stationäre Einzelhandel muss sich neu erfinden. Er hat sich über Hunderte von Jahren nicht geändert und funktioniert eigentlich wie im Mittelalter. Das stationäre Format muss sich digitalisieren.

Prof. Dr. Gerrit Heinemann
Prof. Dr. Gerrit Heinemann Quelle: ZDF

Zur Person: Prof. Dr. Gerrit Heinemann leitet das „eWeb Research Center“ der Hochschule Niederrhein, wo er auch BWL, Managementlehre und Handel lehrt. Zuvor war er rund 20 Jahre in leitenden Positionen im Handel tätig. Heinemann ist Gastprofessor am Management Centrum Innsbruck und an der Leipzig School of Media sowie Autor zahlreicher Fachbücher zu den Themen Digitalisierung, E-Commerce, Online- und Multi-Channel-Handel.

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