Navigations-Apps fürs Fahrrad

Smarte Routenplaner im Vergleich

Verbraucher | WISO - Navigations-Apps fürs Fahrrad

Sommerzeit, Radtourzeit! Doch wohin soll es gehen? Verschiedene Smartphone-Apps versprechen Hilfe beim besten Weg zum Ziel. Unser Autor Sven-Hendrik Hahn hat mal einige Apps unter die Lupe genommen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.05.2017, 14:00

Endlich geht’s wieder so richtig los mit dem Rad. Die große Frage lautet aber: Wohin? Dafür gibt es Apps speziell für Radfahrer. WISO hat ausprobiert, was die günstigen Routenplaner fürs Smartphone taugen und ob sie besser sind als ein reines Navigationsgerät.

Immer die gleichen Strecken zu fahren ist langweilig. Und Fahrradkarten sind auch nicht jedermanns Sache. Zum Glück gibt es das Smartphone – und die passenden Apps. Routenplaner fürs Smartphone versprechen, die besten Wege zum Ziel zu zeigen – sogar speziell für Radfahrer. Zudem machen sie oft auch Vorschläge für Strecken in der näheren Umgebung – meist kostenlos oder für ein paar Euro. WISO will wissen: Reichen die günstigen Navi-Programme aus?

Garmin-Fahrrad-Navigation in der Stadt im Einsatz
Das Garmin-Navi ist die teure Alternative zu den günstigen Apps. Quelle: ZDF

Ins Rennen schicken wir Apps, die es sowohl für Android als auch für Apples iPhones gibt: Google Maps, Komoot und Naviki. Google Maps ist kostenlos, bei Komoot und Naviki sind die Programme an sich ebenfalls gratis, aber praktische Extras kosten Geld, zum Beispiel die Sprachnavigation oder auch Karten zur Offline-Nutzung. Zum Vergleich: Ein spezielles Fahrrad-Navigationsgerät vom Marktführer Garmin für 160 Euro, das Einsteigergerät Garmin Edge Touring.

Unterstützung vom Experten

Für unseren Check wollen wir wissen, welches Programm die fahrradfreundlichsten Routen findet: Möglichst viele Radwege, wenig Verkehr. Erste Aufgabe: durch die Stadt! Frankfurt am Main, mitten in der City, ist eine Herausforderung für Radfahrer und auch für die Routenplaner. Beim Check hilft mir Paul Fremer. Er ist begeisterter Radfahrer, hat sich mit seiner Firma auf Radverkehrskonzepte für Städte spezialisiert und kennt sich obendrein bestens aus in Frankfurt. Diese Situation wie in Frankfurt ist ihm nicht fremd: „Es tut sich viel in Städten wie Frankfurt für die Radfahrer. Es gibt spezielle Streifen auf der Straße oder Einbahnstraßen, die Radfahrer in beide Richtungen nutzen dürfen, aber oft muss man die entsprechenden Hinweise suchen - und das ist im Chaos mit vielen Autos, Fußgängern und anderen Radfahrern nicht so leicht“, erklärt Fremer, der sich auch im ADFC, dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, engagiert.

Für die erste Route mitten durch die Stadt hat Paul Fremer sich eine Route überlegt: „Also am besten fährst Du jetzt Richtung Bornheim. Da gibt es viele verschiedene Wege hin, radfahrtechnisch bessere und weniger gute – mal sehen, wer Dich am besten zum Ziel führt.“ Mit jeder App fahren wir die Strecke einmal.

Was machen Apps und Navi?

Google Maps hat die Route ganz schnell geladen und zeigt den direkten Weg, aber es schickt uns häufiger auch mal über die Straße, obwohl es einen Radweg gäbe. Komoot dagegen kennt die Frankfurter Radwege ziemlich genau und führt mich zuverlässig zum Ziel. Naviki will, dass ich quer durch die Fußgängerzone, die Frankfurter Zeil, fahre. Das ist erlaubt, aber bei so vielen Fußgängern muss ich schieben. Die anderen Programme haben das besser gemacht und eine kleine Parallelstraße ausgewählt. Beim Garmin-Navi ist die Route tadellos, es dauert aber erst, bis ich endlich das Ziel eingegeben und gefunden habe. Das Problem hier ist der kleine Bildschirm und - im Vergleich zu den Smartphones - die lange Suche nach Satelliten.

Aber letztlich habe ich mit allen das Ziel erreicht. Paul Fremer wartet schon auf mich. Die Routen sind auf den Smartphones gespeichert, so kann er gut vergleichen: „Google hat Dich über die große Straße geschickt, das ist nicht ideal. Auch Naviki hat mich mit seinem Routing über die Zeil ein bisschen enttäuscht. Bei den anderen beiden kann ich noch nicht beurteilen, wie die Leistung ist. Das prüfen wir jetzt und schicken Dich mal aus der Stadt raus!“

Ab ins Grüne!

In jedem Fall schaffen wir so auch die zweite Etappe: eine Radtour ins Grüne. Jetzt soll es auf eine Rundtour gehen – zum Frankfurter Hausberg, dem Lohrberg, und wieder zurück. Distanz: Rund 12 Kilometer für jede Strecke. Komoot, Naviki und das Garmin-Navigationsgerät haben von sich aus ähnliche Vorschläge für Radtouren gemacht. Dabei war Naviki hier bei den Vorschlägen am besten, während Komoot zunächst ein bisschen Nachhilfe brauchte. Das Garmin-Navi zeigte zwar verschiedene Varianten an, aber nur die Kilometerzahl, nicht die jeweilige Route. Die wird erst gezeigt, wenn man eine Strecke ausgewählt hat.

Fahrradfahrer unterwegs
Eine ausgedehnte Tour fernab der Stadt - finden sich die Apps hier zurecht? Quelle: ZDF

Google Maps dagegen bietet keine Rundtouren, beherrscht nur direkte Routen - schade. Auf der Radtour gibt's im Detail einige Unterschiede - Naviki schickt mich eine Treppe hoch, wo die anderen Programme die nahe Unterführung kennen. Das erspart mir das Schieben. Klar: Den abschließenden Anstieg am Berg erspart mir leider kein Programm, das gehört eben dazu.

App vs. echtes Navi

Am Ende habe ich gute 50 Kilometer in den Beinen, aber es hat sich gelohnt. Komoot hat nach anfänglichen Schwierigkeiten auch hier bei der Fahrt ins Grüne am besten abgeschnitten. Naviki hat mich häufiger mal auf komischen Routen geführt, quer durch Schrebergärten oder eben über die Brücke, wo es nahe eine Unterführung gab. Das Garmin-Navi ist ein guter Routenplaner, aber mir war der Bildschirm zu klein bei der Fahrt. Verglichen mit heutigen Smartphone-Bildschirmen von meist deutlich über zehn Zentimetern in der Diagonale sind die 6,6 Zentimeter des Garmin-Gerätes ungewohnt.

Zurück in Frankfurt wollen wir es nochmal genauer wissen. Paul Fremer analysiert für uns die gefahrenen Routen am PC: „Der erste Eindruck bestätigt sich: Ich habe ein, zwei Fehler bei Komoot festgestellt, wo man besser fahren kann als die App es angezeigt hat. Aber Naviki lag noch häufiger daneben, während Google sich sehr stark an den Straßen für Autos orientiert. So kommt man zum Ziel, aber die Fahrt ist nicht gerade entspannend, wenn man sich die Strecke mit Autos und Lastwagen teilt“, urteilt er. Vom reinen Navi hält er einiges: „Das Garmin macht als Navi einen guten Job, wenn man sich auf die etwas sperrige Bedienung einlässt“.

Für wen eignet sich was?

So kommen wir zum Gesamtergebnis: Am meisten hat uns Komoot überzeugt. Es liefert die besten Routen zu festen Zielen. Die Vorschläge für Rundtouren waren mal besser, mal weniger gut. Eine Region ist kostenlos, alle Karten kosten 30 Euro. Gute Touren liefert Naviki, die Routen waren aber nicht ideal. Extras kosten rund zehn Euro. Das summiert sich, wenn man etwa Werbung ausschaltet (etwa zwei Euro) oder die Routenplanung unterwegs für Freizeitradler aktiviert (etwa fünf Euro). Google Maps ist gratis und kennt die direkten Routen, schlägt aber keine Touren vor.

Das reine Navigationsgerät von Garmin überzeugte bei Routen und Touren, ist aber mit rund 160 Euro teuer. Unserer Ansicht nach ist das Navi ist eher etwas für Leute, die häufig Radtouren machen. Für Gelegenheitsradler wie mich reicht eine günstige App völlig aus.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet